06. März 2021, 12:00 Uhr

Kinder atmen auf

Sport in Gruppen mit Körperkontakt erlaubt

Für Kinder bis einschließlich 14 Jahre ist ab Montag Sport in Gruppen erlaubt - sogar mit Kontakt. Auch die Gruppengröße ist nicht begrenzt. Und zwei Betreuer oder Trainer dürfen dabei sein.
06. März 2021, 12:00 Uhr
Endlich. Kinder bis 14 Jahre dürfen ab Montag wieder in größeren Gruppen Fußball spielen und anderen Sport machen, ohne auf Abstandsregeln zu achten. SYMBOLFOTO: IMAGO

War das nun ein guter Tag für den Sport oder eher nicht? Als am späten Mittwochabend die Ministerpräsidenten-Konferenz um Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Beratungen abgeschlossen und am Donnerstag Hessen-Chef Volker Bouffier seine Umsetzung in Landesrecht verkündet hatte, da konnten Amateur- und Breitensportler froh sein, überhaupt erwähnt worden zu sein. Dennoch brachen auch in der Wetterau keine Jubelstürme los. Die beschlossenen Lockerungen dürften vielen nicht weit genug gehen. Vage sind sie allemal. Am Freitagnachmittag brachte immerhin der Landesportbund Hessen bzw. das Ministerium mit seinen Auslegungshinweisen ein wenig Licht ins Dunkel.

Ab Montag ist grundsätzlich draußen kontaktloser Sport in Gruppen bis zu zehn Personen möglich, wenn der Inzidenzwert (in Hessen oder regional) unter 50 liegt. Das dürfte aufgrund der aktuellen Zahlen (Hessen 68,0 / Wetterau 58,1) zunächst nicht relevant sein. Bei einer Inzidenz von unter 100 kann das Land bzw. die Region - entsprechend der erweiterten Kontaktregeln - Individualsport mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten ermöglichen. Dies gilt allerdings nur auf Sportstätten per se - im Freien oder in Hallen.

Wie der LSBH mitteilte, gilt für den Sport im öffentlichen Raum weiterhin die allgemeine Personenbeschränkung in der Öffentlichkeit. Eine Sportausübung dort ist demnach nur alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts möglich. Kinder bis 14 Jahren bleiben dabei unberücksichtigt. Das LSBH-Beispiel: »Ein laufbegeistertes Elternpaar darf mit seinen beiden Kindern bis einschließlich 14 Jahren joggen gehen und sich z. B. mit einer Mutter treffen, die mit ihrem Zwillingsbuggy joggt.«

Aus Berlin kam zudem die Lockerung für Kinder bis einschließlich 14 Jahre, dass diese bei Inzidenzen (in Hessen oder regional) unter 100 in Gruppen von bis zu 20 Kids im Freien Sport treiben dürfen. Das Land Hessen machte keine Angaben zur Gruppengröße. Unklar blieb zunächst auch, ob die Kinder in dieser Gruppe mit Kontakt trainieren dürfen oder Abstand halten müssen.

Der LSBH konkretisierte am Freitag, dass die Kinder-Gruppen keinen zahlenmäßigen Grenzen unterworfen sind und tatsächlich mit Körperkontakt üben dürfen. Von zu frühen Spielen (Wettkampf) wird abgeraten, der Verband empfiehlt Teamtraining. Pro Mannschaft sind zwei betreuende Personen erlaubt.

Der Wetterauer Sportkreis-Vorsitzende Wulf zeigte sich zwiegespalten hinsichtlich der Sport-Strategie der Politiker. Er hält u. a. den bisherigen Umgang mit dem Schulsport für unangemessen. »Wenn die Schüler sich im Fernsehen die Fußball-Bundesliga anschauen, dann sehen sie, dass es da offensichtlich kein Corona gibt. Da waren sogar Friseurbesuche vor März möglich. Im Rahmen des Home-Schoolings war den Schülern der Sportunterricht aber nicht möglich. Das finden die nicht gerade toll.« Der Karbener machte außerdem deutlich, dass er eine Öffnung bspw. für Mutter-Kind-Turnen in Kleingruppen schon früher befürwortet hätte.

Auf der anderen Seite gehen Wulf die Lockerungen aber teilweise auch zu weit. »Ich denke, wir hätten den März noch durchhalten können. Ich kann das absolut verstehen, wenn es die Leute nach draußen zieht, aber diese Menschenmassen an beliebten Orten machen auch deutlich, dass viele leichtsinnig damit umgehen«, warnte der Sportkreis-Vorsitzende. »Wir befinden uns in der Wetterau in Sachen Inzidenz noch auf einer Insel der Glückseligkeit. Aber insgesamt sind die Zahlen doch noch hoch.«

Kreisjugendwartin positiv überrascht

Die Fußballer, die nach den Saisonabbrüchen im Handball, Volleyball, Tischtennis, etc. auf den Vorteil Freiluftsportart setzen und die Hoffnung Einfachrunde noch nicht aufgegeben haben, dürfen frühestens ab 22. März mit Mannschaftstraining rechnen. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 wäre dabei ein negativer Corona-Schnelltest vom gleichen Tag notwendig. An einen Spielbetrieb ist derzeit noch gar nicht zu denken. In der Gruppenliga Frankfurt-West beispielsweise spielen die Wetterauer Clubs mit den Vereinen aus Frankfurt und dem Hochtaunuskreis zusammen. In beiden Kreisen liegen die Zahlen derzeit höher als in der Wetterau und als im hessischen Durchschnitt.

Positiv überrascht zeigte man sich im Nachwuchsbereich der Kicker. »Die Freigabe, mit der U14 trainieren zu können, kommt sicher ein wenig unerwartet. Aber es wird ja auch Zeit, dass die Kinder abseits vom Online-Unterricht wieder etwas anderes machen können«, sagte die Stellvertretende Kreisjugendwartin Dörte Wacker. »Allerdings muss man auch schauen, ob angesichts der Witterung die Sportplätze überhaupt freigegeben sind. Aus der Erfahrung heraus war in der Vergangenheit vor Mitte März meist kein Training möglich.« Ganz viel Optimismus wollte Wacker allerdings nicht versprühen: »Kritisch könnte es werden, wenn die älteren Jahrgänge wieder einsteigen. Da darf man gespannt sein, ob gerade im Bereich der A-Junioren überhaupt noch alle Mannschaften zusammenkommen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Jörg K. Wulf
  • Sport-Mix
  • Volker Bouffier
  • Wetterau
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen