02. Juli 2015, 12:33 Uhr

Kegler-Traum erfüllt

(mn) Ein Fehlwurf. Das kann mal passieren. Sylvia Best patzt im Abräumen aber dreimal in Folge. 497 Holz – bei nun nur noch zwei Wurf. Der rechte Bauer will nicht fallen; bis zum vorletzten Versuch. Dann, mit der letzten Kugel, erfüllt sich die Nieder-Mörlerin ihren Traum. 505 Holz, nationaler Rekord. »Wahnsinn«, sagt die 53-Jährige.
02. Juli 2015, 12:33 Uhr
Auf Rekordjagd: Sylvia Best knackt in Aschaffenburg erstmals die 500-Holz-Marke. Ihr Resultat: 505 Kegel. (Foto: Red)

Einmal die 500 spielen – das war schon immer mein Traum«, sagt Sylvia Best, die bei den Deutschen Meisterschaften der Kegler am Ende Silber bei den Seniorinnen A holt. Die Euphorie, die magische Grenze geknackt zu haben, ist ihr noch Tage danach im Gespräch mit der WZ-Redaktion anzumerken. Von Kindesbeinen an, als sie von ihren kegelsportbegeisterten Eltern mitgenommen worden war (Vater Werner Roth ist seit 1957 vereinsangehörig), hat sie das Spiel mit Kegeln und Kugeln fasziniert, seit 1983 ist Best Mitglied im KV Bad Nauheim, seit 1998 als Kassiererin in die Vorstandsarbeit eingebunden. Von einst mehr als 300 Mitgliedern sind heute aber gerade einmal 48 übrig geblieben, darunter lediglich zwölf Aktive, die künftig als SG Bad Nauheim in der C-Liga (4er Herren) und D-Liga (4er gemischt) am Spielbetrieb des Hessischen Kegler-Verbandes teilnehmen werden.

Vor knapp zehn Jahren hatte die Schließung der Heimspielstätte am Solgraben das Vereinsleben radikal verändert und für einen gravierenden Einschnitt gesorgt. Eine Saison lang waren die Badestädter bei der SG Wölfersheim/Wohnbach zu Gast, eineinhalb Spielzeiten lang auch in Karben, ehe sie in Wöllstadt, in der Römerhalle, eine neue Heimat gefunden haben. Die komplette Bahnanlage des KV ist inzwischen mitumgezogen. »Leider wird es immer schwieriger, Menschen, gerade Jugendliche fürs Kegeln zu begeistern. Wir haben in Bad Nauheim keine Bundeskegelbahnen, keinen Trainer«, sagt Best.

Im Ligenbetrieb spielt die A-Seniorin (50 bis 59 Jahre) die Kugel in der untersten Spielklasse, unter anderem mit ihrer 22-jährigen Tochter Jennifer, deren 17-jährige Schwester Jessica ebenfalls Klubmitglied ist. »Solange wir eine Mannschaft auf die Beine stellen können, lasse ich meine Teamkollegen nicht im Stich«, sagt Sylvia Best, die immer wieder mal Anfragen anderer Vereine mit eigenständigen, höherklassigen Damen-Mannschaften ablehnt. »Da bin ich eben eine treue Seele«, lacht sie. Sportlich, privat und auch beruflich als Angestellte der Volksbank Mittelhessen ist sie in der Kurstadt tief verwurzelt. Viermal in Folge ist Bad Nauheim nun Meister geworden, doch kann die SG als gemischte Mannschaft nicht aufsteigen.

Vor drei Jahren erst hatte sich die Deutsche Classic-Kegler-Union gegründet. Während international nur das neue Spiel mit 120 Kugeln gewertet wird, wollten mehrheitlich die Traditionalisten ihr Spiel mit 100 Wurf beibehalten und gründeten die DCU. Den deutschen Rekord hielt bis vor drei Wochen Heike Krause (Kelsterbach) mit 488 Holz. Bei den Titelkämpfen in Aschaffenburg zeigte sich Sylvia Best zu früher Stunde – sie musste bereits um 8 Uhr antreten – hellwach. Mit einem Rundenschnitt von 414 Holz und einem Topergebnis von 458 Holz war Best an die hessisch-bayerische Grenze gereist; als Sechste der Bezirksmeisterschaften und Vierte der hessischen Titelkämpfe.

Ihre Bestleistung vom ersten Wettkampftag konnte die Bad Nauheimerin im zweiten Durchgang allerdings nicht bestätigen und musste Bundesligaspielerin Ute Hock vom KV Aschaffenburg den Sieg in der 20 Frauen starken Konkurrenz überlassen. »Der Druck am zweiten Tag war größer. Ich wusste, welches Resultat ich erreichen musste und musste zudem meine bis dahin direkten Konkurrentinnen auf den Nebenbahnen im Auge haben. Am Ende haben aber auch Kraft und Kondition gefehlt. Da ging nichts mehr«, sagt Best, die im Vorjahr bei ihrer ersten DM-Teilnahme Platz vier erreicht hatte und ihr Abschneiden realistisch einzuordnen weiß. »Bei den Seniorinnen ist eine solche Platzierung natürlich einfacher zu erreichen als in der Frauenkonkurrenz, wo die Teilnehmerzahl größer und die Leistungsdichte höher ist.« Und die Titelkämpfe geben noch Luft nach oben. Den Rekord von 962 Holz bei 2x100 Wurf zu knacken sei ein Ziel, und natürlich auch, den Titel zu gewinnen.

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