13. Oktober 2021, 07:00 Uhr

Fussball-Hessenliga

Türk Gücü Friedberg: Wie Trainer Weber die Remis erklärt und was ihm Hoffnung macht

Platz neun in der Hessenliga-Staffel B! Das ist nicht der Anspruch von Türk Gücü Friedberg. Im Interview analysiert Trainer Carsten Weber die Ursachen und erklärt, was ihn optimistisch stimmt.
13. Oktober 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Zu viele Remis, zu wenige Dreier: Trainer Carsten Weber und Türk Gücü Friedberg hinken den eigenen Ansprüchen in der Fußball-Hessenliga noch hinterher. FOTO: NICI MERZ

Elf Punkte und 14:18 Tore aus elf Spielen - Platz neun in Staffel B der Fußball-Hessenliga. Das hatte man sich bei Türk Gücü Friedberg doch ganz anders vorgestellt. Dem Tabellen-Fünften der abgebrochen Saison 2020/21 hatte man einen Platz in den Top Fünf prophezeit. Zur Vorrunden-Halbzeit droht dem aktuell erfolgreichsten Klub aus dem Fußballkreis Friedberg aber die Abstiegsrunde. Seit fünf Spielen sind die Kreisstädter ungeschlagen zwar, kamen zuletzt aber gleich viermal nicht über ein Remis hinaus und treten tabellerarisch auf der Stelle.

Vor dem Hessenpokal-Zweitrundenspiel bei Eintracht Wald-Michelbach (Mittwoch, 19.30 Uhr) spricht Trainer Carsten Weber über die Erwartungen, Problemzonen und erklärt seinen Optimismus.

Casten Weber, warum tut sich Türk Gücü so schwer, Spiele zu gewinnen?

WEBER: Da kommen meines Erachtens zwei Dinge zusammen. Zum einen benötigen wir überdurchschnittlich viele Chancen, um erfolgreich zu sein. Wir haben nicht die Effizienz aus dem Vorjahr. Zum anderen bringen wir uns durch sehr einfache Konzentrationsfehler um den Ertrag. Das Verhältnis zwischen dem Aufwand, den wir betreiben, und dem, was der Gegner tun muss, stimmt nicht. Mit der Art und Weise, wie wir spielen, bin ich gar nicht unzufrieden, aber wir machen es uns selbst schwer.

Ist die Offensiv zu sehr von einem Spieler, nämlich Noah Michel, abhängig? Er hat sechs von 14 Türk-Gücü-Toren erzielt.

Das relativiert sich ein wenig durch die Elfmeter, die er verwandelt. Keine Frage, Noah ist unser torgefährlichster Spieler, aber das wäre er wohl in jeder anderen Mannschaft genauso. Dennoch glaube ich, dass unsere Abhängigkeit in der Vorsaison größer war.

Wie viele Remis können Sie sich noch erlauben, wenn Platz fünf noch erreicht werden soll?

Klar, wir müssen anfangen, dreifach zu punkten. Und mit einer Serie von drei, vier Siegen bist du schnell wieder in der oberen Hälfte. Das gilt aber für alle Mannschaften. Die Liga ist eben sehr ausgeglichen. Ein, zwei Fehler zu viel - und dann kannst du eben nicht gewinnen.

Ist der Schalter noch umzulegen?

Ich denke, der größte Schalter wurde bereits umgelegt. Wir waren in den ersten Spielen nicht gut und in Dreieich dann wirklich schlecht. Ich bin ebenso der Meinung, dass wir im Anschluss, seit dem Walldorf-Spiel, guten Fußball spielen. Wir sind mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar dem Gegner überlegen. Wir müssen aus dieser Spielanlage heraus einfach mehr Kapital schlagen.

Die Saison 2020/21 war nach elf Spieltagen abgebrochen worden. Mit 22 Punkten und 24:9 Toren hatte Türk Gücü auf Rang fünf gelegen. Jetzt, nach zehn Spieltagen, hat sich die Zahl der Tore fast halbiert und die Zahl der Gegentore fast verdoppelt. Hat Ihre Mannschaft jetzt auch ein Defensivproblem?

Die Gegentore, gerade in den vergangenen Spielen, sind aus kapitalen Fehlern entstanden. Nach einem Einwurf, nach Stellungsfehlern. Wir haben viele Gegentore durch Fernschüsse bekommen. All dies sind Dinge, die nicht ursächlich auf die Abwehrkette zurückzuführen sind. Im Grunde lassen wir nicht allzu viele Chancen zu. Und ja, uns fehlen in so mancher Situation auch das Spielglück und die Selbstverständlichkeit mit der wir im Vorjahr viele unserer Remis-Spiele gewonnen hätten.

Sie haben eine sehr junge Mannschaft und hatten zu Saisonbeginn bereits gewarnt, dass sich viele Spieler erstmal an die Physis gewöhnen müssen. Wo steht Ihr Team?

Wir sind auf einem guten Weg. Sicher, in der einen oder anderen Szene agieren wir zu naiv. Das braucht eben seine Zeit.

Wie geht die Mannschaft mit der sportlichen Bilanz um?

Die Jungs sind überzeugt, dass sie Platz fünf noch erreichen können, sind zugleich genervt, dass wir einen Sieg nicht über die Zeit bringen. Gegen Ginsheim hatten wir zuletzt gefühlte 80 Prozent Ballbesitz, machen dann endlich das 1:0 und bekommen postwendend nach einem Stellungsfehler den Ausgleich. Natürlich hadert man mit der Situation. Aber der Glaube ist da.

Die Abstiegsrunde droht.

Ja, das ist das Problem einer kurzen Saison und kann eine eklige Sache werden, mit der wir uns zu arrangieren hätten. Gegenwärtig beschäftigen wir uns aber noch mit der Möglichkeit, diese zu umgehen. Ich bin guter Dinge, denn wir spielen aktuell einen ordentlichen Fußball, müssen eben unsere Möglichkeiten klarer finalisieren und im Spiel gegen den Ball Konzentrationsschwächen abstellen.

In den kommenden beiden Wochen stehen Hessen- und Kreispokal-Aufgaben an. Wie bewerten Sie diese beiden Partien in der augenblicklichen Situation?

Wir wollen gewinnen und schenken nichts ab. Die Wettbewerbe stehen sicher nicht an erster Stelle, haben aber ihre Wertigkeit. Dennoch müssen wir manchen Spielern auch die Gelegenheit geben, ihre Verletzungen auszukurieren. Der Pokal ist für die Jungs, die momentan hintendran stehen, eine Chance. Außerdem gilt es, Selbstvertrauen zu tanken.



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