22. August 2021, 07:00 Uhr

Motorsport auf dem Simulator

Vollgas vorm Bildschirm: Dörr Motorsport aus Butzbach auch im eSports vorne mit dabei

Dörr Motorsport ist seit Jahren eine feste Größe im Rennzirkus. Doch die Szene hat sich stark verändert. Nun greift der Rennstall des Butzbachers Rainer Dörr auch im eSports an.
22. August 2021, 07:00 Uhr
In der Garage auf die Rennstrecke: Moritz Löhner ist professioneller SIM-Racer für das E-Sports-Team von Dörr Motorsport.

Mit Vollgas über eine Rennstrecke donnern, den Wagen an sein Limit bringen und um jede Hundertstelsekunde kämpfen - das macht die Faszination Motorsport aus. Doch nur die wenigsten schaffen den Sprung in ein professionelles Cockpit. Mit immer besseren Simulationen und immer realistischerem Equipment kann sich inzwischen allerdings jeder (fast) echten Rennspaß ins Wohnzimmer holen, was gleichzeitig die Geburtsstunde einer neuen Sparte des eSports ist. Dort sind inzwischen auch viele Rennställe vertreten - so auch Dörr Motorsport aus Frankfurt.

Rasante Entwicklung im eSports im Bereich Motorsport

Das Team des Butzbachers Rainer Dörr hat sich dafür nicht lumpen lassen und mit Moritz Löhner unter anderem den aktuell besten SimRacer - so heißen die Rennfahrer auf dem Simulator - unter Vertrag genommen. Beim Besuch des Rennstalls im Frankfurter Cassellapark stellt er gemeinsam mit dem jüngsten der drei Dörr-Sprösslinge, dem 16-jährigen Ben Dörr, seinen »Arbeitsplatz« vor. Und der hat es in sich: Der sogenannte Motion Simulator besteht aus Gas- und Bremspedal, einem Rennsitz, der die Bewegungen des Fahrzeugs im Rennen imitiert und einem echten Rennlenkrad mit einem Elektromotor, der etwa Widerstand und Bodenwellen auf den Fahrer überträgt, sowie einem hochauflösenden und extra breiten Monitor mit sehr schneller Bildrate. Gesamtkosten: zwischen 15 000 und 20 000 Euro.

»Die meisten Fahrer haben einen Simulator zu Hause«, sagt Löhner. Der 22-Jährige ist zweifacher ADAC-GT-Masters eSports-Champion und hat sich auf diese Weise zuletzt ein Cockpit für die laufende Saison gesichert. Es zeigt: Die eSports-Szene im Motorsport hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt, immer mehr professionelle Teams und Sponsoren sind mit dabei, die Preisgelder steigen.

Ein Beispiel: Wer alle Rennen der aktuellen ADAC-GT-Masters-ESports-Saison gewinnt, bekommt einen echten McLaren GT. »Vor allem durch die Coronavirus-Pandemie ist die Szene stark gepusht worden«, sagt Löhner. Um weiter ganz vorne mitmischen zu können, trainiert er im Durchschnitt zwei Stunden täglich.

eSports-Szene durch Coronavirus-Pandemie aufgewertet

Und das ist auch nötig, denn gerade in Zeiten von Corona-Lockdowns, in denen viele Renntermine dem Virus zum Opfer gefallen sind, haben etliche professionelle Fahrer den Weg in den Simulator gefunden - so auch Ben Dörr. Der Rookie in der ADAC GT 4 Germany ist einer von zwei Profi-Rennfahrern, die neben fünf Sim-Racern für das erst im März gegründeten Dörr-eSports-Team starten. Er sagt: »Die Simulationen werden immer besser, sie kommen dem Gefühl im Auto schon sehr nah. Ich habe viel Spaß dabei.« Einzig die Soundkulisse und die Fliehkräfte fehlten zum perfekten Rennfahrerglück. Ein großer Vorteil des Simulators aus seiner Sicht: Als Neuling im internationalen Rennzirkus kann er ihm unbekannte Strecken auf dem Simulator schon einmal testen, bevor es an die echte Rennstrecke. Denn dort ist die Zeit meist knapp. »Da weiß ich also vorher schon, wo es lang geht. Das passt ziemlich gut.«

Das sieht auch der Teammanager von Dörr Motorsport, sein Bruder Robin Dörr so: »Mittlerweile ist wirklich jede Bodenwelle in den Simulationen identisch zur echten Strecke. Diese werden mit Lasern abgescannt. Und wir nutzen diese Daten für uns.« So ließen sich Kosten sparen, denn die Ingenieure könnten so etwa bereits das Setup des Wagens vorbereiten oder den Spritverbrauch für Qualifying und Rennen berechnen. »Wir müssen normalerweise nur wenig nachsteuern, das passt wirklich gut«, sagt Robin Dörr.

Perfekte Querverbindungen innerhalb von Dörr Motorsport

Überhaupt passt das Engagement in der Sim-Racer-Szene perfekt in das Portfolio von Dörr Motorsport: Denn die Dörr-Driving-School, eine Nachwuchsschmiede für talentierte Rennfahrer auf dem Weg in den GT-Sport profitiert ebenfalls von dem Simulator: »Es ergibt Sinn, dass die Fahrer Autos und Strecke im Simulator testen, bevor es dann in echt losgeht«, sagt Robin Dörr, betont jedoch auch: »Der Simulator ist für uns eine Ergänzung, kein Ersatz.«

Und trotzdem sind es Querverbindungen wie diese, die bei der Dörr Group, einem der größten deutschen Händler von Supersportwagen, die entscheidende Rolle spielen: »Vor drei Jahren war eSports noch kein großes Thema bei uns, aber wir haben gesehen, dass das bei unseren Motorsport-begeisterten Kunden ineinandergreift«, sagt Bettina Eichhammer, die Pressesprecherin. Und Robin Dörr fügt hinzu: »Als Rennstall muss man sich abheben, um die besten Fahrer zu bekommen. Hier sehen wir uns durch den Simulator aber auch durch ein ganzheitliches Fitness- und Ernährungscoaching gut und breit aufgestellt.«

Denn - wie der Fall Löhner zeigt - kann auch der elektronische Rennsport ein Sprungbrett in ein echtes Cockpit sein. »Ich hatte vorher ein paar Testtage, aber obwohl ich noch nie in einem echten Rennauto saß, bin ich schon nach ein paar Runden ans Limit gegangen - ohne Probleme«, sagt Löhner.

eSports-Motorsport fehlen jetzt nur noch die Zuschauer

Diese Entwicklung hat er sich hart erarbeitet, fährt er doch, inspiriert durch seinen Vater, seit seinem siebten Lebensjahr im Simulator. »Es ist wichtig, ganz viel zu fahren. Nur durch das Fahren wird man besser«, sagt Löhner. Inzwischen hat er seinen Job als Grafikdesigner auf eine Halbtagsstelle umgestellt, um sich mehr dem Sport zu widmen - real und virtuell. Der große Unterschied: Den eSports fehlen (noch) die Zuschauer. »Wir sind eben eine Nische in der Nische«, sagt Löhner. »Aber es wird besser.« Er geht davon aus, dass man wie in anderen eSports-Arten wie etwa Fifa oder Fortnite in spätestens zwei Jahren davon wird leben können - was auch nötig sei, denn die Entwicklung im Sport sei rasant. »Die 20 besten Fahrer können im Qualifying innerhalb von zwei bis vier Zehntelsekunden fahren«, sagt Löhner. »Das ist enger als im echten Rennsport, alle bereiten sich stundenlang auf ein Event vor.«

Rund 2000 Stunden hat Löhner bereits auf dem aktuellen Simulator absolviert, inzwischen gibt es Dutzende Wettbewerbe mit verschiedensten Modi, darunter etwa 24-Stunden-Rennen oder Teamwettbewerbe, bei denen Sim- Racer gemeinsam mit Profifahrern an den Start gehen. Er schätzt die internationale Szene auf mindestens eine vierstellige Zahl an Fahrern von 14- bis zu 40- oder 50-Jährigen - Tendenz steigend. Denn - im Gegensatz zum Profirennsport - ist das Fahren auf dem Simulator mit entsprechendem Niveau auch im höheren Alter noch möglich. Trotz steigender Konkurrenz sagt Löhner: »Die Entwicklungen sind nur gut für die Szene.«

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