28. Juli 2022, 08:00 Uhr

Schwimmer Aaron Wilmes

Zu neuen Ufern

Menschen neigen dazu, an Vertrautem festzuhalten. Dabei liegen in Veränderungen große Chancen. Für Aaron Wilmes aus Rosbach beginnt mit dem Sport-Stipendium in den USA eine neue Ära.
28. Juli 2022, 08:00 Uhr
sommerfeld_cso
Von Christoph Sommerfeld
Gut gelaunt blickt Aaron Wilmes seiner beginnenden College-Zeit in Florida entgegen. FOTO: PRIVAT

Aaron Wilmes weiß, was er will. Der junge Rosbacher steht unmittelbar vor einer großen Veränderung. Am 23. August geht sein Flieger in die USA. An der privaten Keiser University in West Palm Beach beginnt für den 20-jährigen Schwimmer ein neuer Lebensabschnitt. Er wird als Sport-Stipendiat unter professionellen Bedingungen in Florida trainieren, studieren und gegen hochklassige Konkurrenz im Wettkampf streiten.

Auf einen Recruiting-Trip, bei dem potenzielle Absolventen vor Ort das Umfeld kennenlernen können, musste Wilmes verzichten. Seinen Lebensmittelpunkt für die nächsten vier Jahre wählte er nach ausführlicher Internetrecherche, Gesprächen mit den amerikanischen Trainern und der einen oder anderen Unterhaltung mit deutschen Schwimmern, die bereits an einem US-College eingeschrieben sind. »Die Keiser University ist schwimmerisch gut aufgestellt und entspricht auch akademisch meinen Vorstellungen«, verrät Wilmes. »Die Seahawks wurden bereits vier Mal National Champion der NAIA-Colleges, und ich freue mich natürlich auf kleine Lerngruppen.«

Sein künftiger Tagesablauf im sonnigen Florida hat nichts mit Urlaub oder der lässigen Zeit zu tun, die der durchschnittliche Mitteleuropäer mit dem südlichen US-Bundesstaat oft verbindet. Der Tag beginnt für Wilmes schon früh. Von 6 bis 8 Uhr absolviert er die erste Trainingseinheit. Nach den Vorlesungen und Seminaren am Vormittag steht von 13 bis 15 Uhr erneut Sport auf der Agenda. Anschließend drückt er - zumindest an einigen Tagen - wieder die Bank im Hörsaal. »Ich werde vor allem mit Chris Crimmet-Norris zusammenarbeiten. Er trainiert die Mittel- und Langstrecken-Gruppe. Zusätzlich gibt es Kraft- und Athletikcoaches«, erzählt der Freistil- und Delfin-Spezialist.

Die Wettkämpfe in den USA sind vielschichtig. Im Verband NAIA, dem die Keiser University angehört, stehen regelmäßig sogenannte Dual Meets an, drei- bis vierstündige Vergleiche zwischen zwei College-Teams. Darüberhinaus gibt’s Einladungswettkämpfe, die Conference Championships und die sehr bedeutsamen Nationals.

Verbessern will sich Wilmes unter anderem bei den Wenden. Die kommen ab August für ihn aber ein Stück früher als gewohnt. »Die Bahnen in den USA sind nur 25 Yards lang, also knapp 23 Meter.« Nicht die einzige Umstellung, die der 1,97 m große Modellathlet bewältigen muss. Seine Sprachkenntnisse beschreibt der 20-Jährige kurz und knapp mit »Schulenglisch«. Vor etwaigen Kommunikationsbarrieren ist ihm aber nicht bange. Ebenso wenig spielt der Abschied vom vertrauten Umfeld mit Freunden und Familie eine allzu gewichtige Rolle. Wilmes freut sich vielmehr auf die Veränderung.

Und so ganz ist er für die acht Semester Studienzeit bis zum Bachelorabschluss auch nicht verschwunden. »Ich werde immer von Mai bis August zu Hause sein. Die Saison in den USA geht bis März. Bis Ende April finden noch Vorlesungen und die Semesterpüfungen statt. So habe ich in Deutschland fast noch die gesamte Langbahn-Saison vor mir«, erklärt der frischgebackene Triple-Hessenmeister.

Auch wenn er mit ganzem Herzen Schwimmer ist, eine Profikarriere hält der Rosbacher für unrealistisch. Deswegen war es für ihn auch von Anfang an klar, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Mit der akademischen Ausbildung im Wirtschaftsstudium Business Administration sollten ihm nach der Zeit in den USA beruflich einige Türen offen stehen.

Vielschichtiges Coaching-Angebot

Engagement in dieser Hinsicht hat er nach dem Abi 2021 schon bewiesen. Als Werksstudent bei einer Personalberatung und zwei Unternehmen der Versicherungsbranche sammelte er Praxiserfahrung. Parallel betreut Wilmes im Rahmen seines Coaching-Angebots (www.swim-better.com) Schwimmer und Triathleten unterschiedlicher Altersstufen und Leistungsklassen.

Nicht-Stipendiaten zahlen an der Keiser University für ein Jahr (zwölf Monate) mehrere Zehntausend Dollar. Ein signifikanter Teil ist bei dem Wetterauer durch das Stipendium abgedeckt. Den Rest müssen Wilmes und seine Familie selbst aufbringen. In Deutschland kam er bislang - trotz seiner Zugehörigkeit zum Landeskader - nicht in den Genuss einer Förderung.

Seine schwimmerischen Anfänge erlebte der Rosbacher bei der SG Wetterau, ehe er 2017 nach Wetzlar und 2019 zur SG Frankfurt wechselte. Nun verbessern sich die Bedingungen in West Palm Beach - nicht nur wettertechnisch - um ein Vielfaches.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos