18. September 2022, 20:21 Uhr

Danner trifft in letzter Sekunde

18. September 2022, 20:21 Uhr
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Von Nico Hartung
Hier das Unschuldslamm, später der Balinger Matchwinner: Felix Danner hebt die Arme und will hier den Hüttenberger Moritz Zörb nicht gefoult haben, trifft aber in letzter Sekunde zum Gästesieg. Foto: Röczey

. Wolfang Strobel musste sich am Samstagabend gleich zwei Mal in Geduld üben. Einmal unmittelbar vor der Zweitliga-Partie seines HBW Balingen-Weilstetten beim TV Hüttenberg, die die Gäste mit 27:26 für sich entscheiden konnten, und einmal an deren Ende.

TV Hüttenberg - HBW Balingen-W. 26:27

So tigerte der langjährige Kreisläufer und aktuelle Geschäftsführer des HBW noch vor dem Anpfiff im Foyer des Hüttenberger Sportzentrums ungeduldig wartend hin und her und konnte die Halle deshalb nicht betreten, weil gerade die Spieler des TVH von ihrem Hallensprecher nach und nach vorgestellt wurden und anschließend aufs Parkett liefen.

Ganz am Ende der Partie war es dann Felix Danner, der Strobel, nun noch deutlich angespannter, erlöste. Eine Sekunde vor Spielschluss warf der Balinger Hüne den Ball zum 27:26-Endstand ins Netz und avancierte damit zum Matchwinner einer Partie, die aus Gästesicht ein schmeichelhaftes Endergebnis gefunden hatte. Balingen hatte ab der 20. Minute beinahe die gesamte Spielzeit über zurückgelegen, sich andererseits jedoch auch nie wirklich abschütteln lassen.

Und dennoch waren die letzten Szenen der Begegnung für die Hüttenberger einfach nur bitter. 34 Sekunden vor dem Ende hatte Balingens Filip Vistorop die erste HBW-Führung im zweiten Durchgang erzielt, ehe Hüttenbergs Ian Weber sechs Sekunden vor Schluss zum vermeintlichen Endstand von 26:26 traf. Ähnlich wie die Anhänger der Blau-Weiß-Roten, die schon in Jubel- und Feierlaune waren, glaubten wohl auch die Schützlinge von Trainer Johannes Wohlrab nicht mehr, dass die »Gallier von der Alb« in der verbleibenden Zeit noch einmal zurückschlagen würden - was diese jedoch taten.

Am Ende eines blitzschnell vorgetragenen allerletzten Angriffs war es Danner, der mit der Schlusssirene zum 27:26-Endstand gegen überrumpelte Hüttenberger einwarf. »Wir wussten schon in der Halbzeit, dass es ein ganz enges Ding werden würde, das wohl erst in der Schlussphase entschieden wird. Dass es dann so eng wird, hätten wir aber auch nicht gedacht«, erklärte der im Sommer von der HSG Wetzlar gekommene Kreisläufer und gestand: »Eigentlich wäre ein Unentschieden das gerechtere Ergebnis gewesen.«

In der Tat begegneten sich beide Teams während des gesamten Spiels über auf Augenhöhe: So standen sich zwei stabile Abwehrreihen gegenüber, die mit TVH-Schlussmann Leonard Grazioli (14 Paraden) und Simon Sejr (16) auf der Gegenseite jeweils über einen starken Rückhalt verfügten.

Dass es am Ende doch nicht für den Hüttenberger Punktgewinn reichte, hatte für Wohlrab vor allem einen Grund: »Die Jungs haben trotz der Niederlage eine fantastische Leistung gebracht und sich viele Wurfsituationen kreiert. Es nützt aber nichts, wenn Du diese Möglichkeiten nicht nutzt. In der ersten Halbzeit lassen wir deutlich zu viele Chancen liegen«, analysierte der TVH-Coach später.

Trotz der mangelnden Verwertung ihrer Möglichkeiten gingen die Gastgeber mit einer 11:10-Führung im Rücken in die Pause. Auffälligster TVH-Akteur war einmal mehr Ian Weber, der es bereits zum Seitenwechsel auf fünf Treffer gebracht hatte und im zweiten Abschnitt noch einmal sechs Tore nachlegen sollte.

Vorzuwerfen bleibt den Hausherren indes, dass sie es in Halbzeit zwei verpassten, ihre Zwei-Tore-Führungen (13:11, 14:12, 19:17, 20:18) nie auf drei Treffer ausgebaut zu haben. Denn obgleich Balingen nach dem dritten Sieg in der dritten Begegnung nun an der Tabellenspitze rangiert - souverän war der Auftritt der Sieben von Trainer Jens Bürkle keineswegs, wie dieser auch hinterher wusste: »Wir hatten eine schlechte Trainingswoche, dazu die Hüttenberger 3:2:1-Abwehr, die einfach sehr unbequem zu bespielen ist, und unsere erste Halbzeit war wirklich nicht gut. Ich bin glücklich über die zwei Punkte, aber mit dem Auftritt der Mannschaft bin ich nicht zufrieden.« Seinem Geschäftsführer Wolfgang Strobel wird es angesichts der eingefahrenen zwei Zähler egal gewesen sein. Er hatte die nach Spielschluss stattfindende Pressekonferenz in den Hüttenberger Bürgerstuben nicht besucht, sondern stattdessen im Bus auf seinen Trainer gewartet. Es war das dritte Mal, dass sich der HBW-Geschäftsführer an diesem Abend in Geduld üben musste.

Hüttenberg: Grazioli, Plaue (bei einem Siebenmeter) - Schwarz (3), Kirschner, Opitz, Theiß (2), Fujita (1), Weber (11/5), Zörb (2), Reichl (1), Hofmann, Klein (1), Schreiber (1), Ribeiro (1), Kuntscher (2).

Balingen-Weilstetten: Sejr, Ruminsky (n.e.) - Vistorop (5), Hubr (1), Ingasson (2), Linhares de Souza (1), Gretarsson (3/3), Danner (3), Hildenbrand (2), Schoch, Volz (7), Heinzelmann (3), Strosack.

Schiedsrichter: Schmack/Dinges (Stuttgart/Stutensee) - Zuschauer: 900 - Zeitstrafen: Hüttenberg drei (Theiß, Zörb zwei), Balingen-Weilstetten drei (Schoch, Danner zwei) - verworfene Siebenmeter: Gretarsson (39.) und Volz (42., beide Baligen-Weilstetten) scheitern an Grazioli.



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