09. September 2022, 17:51 Uhr

INTERVIEW

»Hätte auch Aufschrei gegeben«

09. September 2022, 17:51 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Saison steht vor der Tür: Dennis Erbe vom Hessischen Tischtennis-Verband. Foto: HTTV

. Dennis Erbe betritt mit einem Lächeln den Biergarten in Wetzlar. Der Bereichsleiter des Hessischen Tischtennis-Verbandes sieht rank und schlank aus. Kein Wunder, an diesem Urlaubstag hat er vormittags bereits mit einem Freund mehr als 100 Kilometer über den Ulmtalradweg über Löhnberg bis zu seinem Wohnort Aßlar per Rad zurückgelegt. Die neue Tischtennis-Saison steht vor der Tür und so entspinnt sich schnell ein Gespräch über die anstehende Aufgaben, aber auch über die Probleme während der Corona-Zeit.

Geschichte wird bekanntlich nachträglich geschrieben: War es also aus heutiger Sicht richtig, die Saison coronabedingt so früh abzubrechen oder würden Sie das jetzt anders entscheiden?

Im Nachhinein bist du immer schlauer. Es war richtig, die Saison im Erwachsenenbereich abzubrechen. Es war zeitlich einfach nicht darstellbar eine komplette Rückrunde abzuwickeln. Dann hätte es auch wieder einen Aufschrei gegeben, dass das Ganze nicht fair ist. Im Nachwuchsbereich hätten wir anderes handeln sollen. Das wurde auch so im Rahmen des Verbandstages von Seiten des Präsidenten kommuniziert. Da es hier nicht um Auf- und Abstieg geht, hätten wir hier flexibler reagieren sollen.

Nun gab es natürlich sehr viel Kritik der Vereine daran, dass in höheren Ligen weitergespielt wurde, aber auch in Basketball oder Handball die Runde durchgezogen wurde, nur im Tischtennis nicht. Finden Sie diese Kritik überzogen?

Es ist immer die Frage wie Kritik geäußert wird. Konstruktive Kritik ist immer gut. Wichtig ist, dass wir bei solchen Sachen in einen Diskurs eintreten. Leider ist das vielfach nicht zu erkennen. Das scheint mir aber nicht nur ein Problem im Tischtennis, sondern ein allgemeines Problem.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Zeit konkret auf den hessischen Verband gehabt? Lässt sich sagen, wie viele Mannschaften und Spieler nicht mehr antreten?

Bei den Mannschaften lässt sich das ziemlich klar beziffern, wir haben 0,95 Prozent verloren. Bei Spielern lässt sich das ganz schwer sagen, da viele Spieler weiterhin Mitglieder sind und auch eine Spielberechtigung haben. Was ich aus persönlichen Gesprächen mitnehme, viele wollen nicht mehr so häufig spielen, möchten gerne flexibler sein.

Nun steht die neue Saison an. Gibt es nach der langen Pause besondere Probleme, die der Verband zu bewältigen hat?

Der Trend war in den letzten Jahren schon nicht positiv, was die Vereins- und Mannschaftszahlen angeht. Das haben wir mit vielen anderen Sportarten gemeinsam. Hier geht es weiter darum, attraktive Angebote zu unterbreiten, vor allem im Nachwuchsbereich, aber auch im Vereinsservice. Das machen wir mit unseren Programmen. Wir setzten neben den vielen ehrenamtlichen Helfern auch vermehrt auf das Hauptamt. Wir müssen den Menschen aufzeigen, dass Sport und Vereinssport ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist. Dass es Spaß macht, sich mit Mannschaftskollegen oder auch alleine sich im sportlichen Wettkampf zu messen und dass darüber hinaus der soziale Kontakt viel Spaß bereiten kann.

Ging durch die lange Auszeit vielleicht sogar der Kontakt zu den Vereinen etwas verloren?

Nein, das glaube ich nicht. Der Kontakt, dass kann ich sagen ist genau wie in der Zeit vor Corona. Es hängt aber auch an den Vereinen unsere Angebote zu nutzen. Da dürfte deutlich mehr kommen. Wenn der HTTV zehn Outdoor-Tische kauft und diese zur Verlosung ausschreibt und sich bei einem niederschwelligen Angebot von unseren 925 Vereinen nur 22 melden, dann gibt mir das schon zu denken.

Nun droht ja ein Winter mit extremen Sparmaßnahmen. Müssen sich die Spieler auf eiskalte Hallen und Duschen einstellen? Was halten Sie für zumutbar? Bislang muss ja in den Hallen eine Mindesttemperatur gewährleistet sein. Ist eine solche Vorgabe noch haltbar?

Der HTTV unterstützt ganz klar die Aussagen des DOSB und des Landessportbundes Hessens, dem sich auch der DTTB anschließt, wonach Schwimmbäder und Sporthallen so lange wie möglich offen gehalten werden müssen. Sport ist wesentlich mehr als eine reine Freizeitaktivität, er ist unverzichtbarer Teil der sozialen Daseinsvorsorge und erfüllt wichtige soziale und gesundheitsfördernde Funktionen für die Gesellschaft. Wie ja auch oben schon angedeutet. Die Sportministerkonferenz hat sich ja hier ebenfalls entsprechend positioniert. Natürlich werden wir hier wieder seht abhängig von den politischen Entscheidungen sein. Ich würde sagen, für den September und Oktober stellt das für den Spielbetrieb kein Problem dar, deshalb werden wir abwarten müssen und es bleibt noch etwas Zeit. Aber natürlich beschäftigen wir uns mit dieser Thematik.

Sie versuchen ja auch seit längerem, die Aus- und Fortbildung der Trainer zu forcieren. Wie läuft es in diesem Bereich?

Viel Geld haben wir im Rahmen des Projektes »Aufbruch« in die Hand genommen. Hier sind wir in sechs hessischen Kreisen u.a. auch in Wetzlar und Gießen mit Strukturmanagern unterwegs, um mit Vereinen ins Gespräch zu kommen und wenn Hilfe benötigt wird, diese anzubieten.

Zum Abschluss noch die Frage nach Ihren sportlichen Ambitionen: Hatten Sie zuletzt noch Zeit fürs Training und treten Sie weiter für den TSV Lützellinden an die Platte?

Ich war im Sommer eher im Ausdauersport unterwegs. Aber selbstverständlich stehe ich im September wieder mit meinen Kollegen am Tisch, aber die Ambitionen sind mit den Jahren nicht mehr so groß. Da steht der Spaß im Vordergrund. Wobei, wenn es losgeht, will ich dann schon gewinnen.

mit Dennis Erbe



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