Ka

Fußball-Leidenschaft als Therapie

Albert Repp ist nach einer schwerer Krebserkrankung wieder auf dem Weg der Besserung und sogar bereit für ein neues Trainerengagement.
20. April 2022, 08:45 Uhr
FSR
_124349
Albert Repp will zurück ins Trainergeschäft. FOTO: SEZ

Auf dem Fußballplatz galt Albert Repp als filigraner Techniker. Der langjährige Hessenligaspieler machte sich als begnadeter Zehner und gefürchteter Freistoßschütze einen Namen. In den zurückliegenden Monaten war das Kämpferherz des mittlerweile 58-jährigen Trainers gefragt. Die Gegner trugen keine Fußballtrikots, sondern waren Tumore und Metastasen. Albert Repp legte sein Traineramt beim Büdinger Kreisoberligisten SG Nieder-Mockstadt/Stammheim nieder und stemmte sich gegen den Krebs. »Ich war eigentlich schon dreimal tot«, redet der Ostheimer rückblickend gefasst über eine dramatische und schwere Zeit. Bereits im Jahr 2016 klopfte die tückische Krankheit erstmals an. Schwarzer Hautkrebs hieß die zunächst niederschmetternde Diagnose. Albert Repp arrangierte sich mit der Krankheit, ließ sich geduldig in einer Gießener Spezialklinik behandeln. Repp ging weiter seinem Beruf als selbstständiger Landschaftsgärtner nach, übernahm als Trainer den damaligen Verbandsligisten SG Bruchköbel. Im Jahr 2021 kam es dann für den Fußballtrainer knüppeldick. Drei Gehirntumore erforderten mehrere Operationen, zwischenzeitlich fing sich Repp einen Krankenhaus-Keim ein, lag einige Zeit auf der Intensivstation, kämpfte um sein Leben. »Ohne meine Frau Kathrin und ohne meine Ärztin Frau Dr. Göppner hätte ich das alles nicht geschafft«, ist Albert Repp über die genossene Unterstützung sehr dankbar.

Die Tatsache, dass sich der 58-Jährige entgegen schlimmster Befürchtungen ins Leben zurückgekämpft hat, bezeichneten seine Ärzte als kleines Wunder. »Von zehn Patienten überleben acht eine ähnlich gelagerte Diagnose nicht«, berichtet er von einem Arztgespräch.

In die Klinik nach Gießen muss der Patient nur noch zu seinen regelmäßigen Nachuntersuchungen. Albert Repp hat in den vergangenen Wochen 18 Kilo zugenommen. Darauf ist er stolz. Während der Zeit der langen Klinikaufenthalte verlor er beinahe täglich an Gewicht, bis die Waage nur noch 54 Kilogramm anzeigte. »Mein Kampfgewicht waren früher 78 Kilo«, erzählt er. Jetzt muss er wieder Muskelaufbau betreiben. Lange Spaziergänge mit Husky-Hündin Kyra und Fahrradfahren sind fest in den Tagesabläufen verankert. »Ich war sogar wieder Tennisspielen und Skifahren, auch wenn ich feststellen musste, dass ich auf Skiern längst nicht mehr so flott unterwegs sein kann wie früher.« Er kann es verschmerzen, denn jeder kleine Fortschritt ist für Albert Repp ein Gewinn. Fußballspiele hat er sich auch wieder angeschaut. »Ich will auch wieder als Trainer arbeiten, denn ich möchte meinen Abgang vom Sportplatz selbst bestimmen und das nicht eine Krankheit entscheiden lassen.«

Eine Aussage, die überrascht, schien es doch so, als sei das Engagement bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim der letzte Trainerjob des Vollblutfußballers, der angefangen über eine lange Spielertrainerzeit beim VfB Großauheim in den vergangenen Jahren überwiegend in den Kreisen Hanau, Gelnhausen und Büdingen für mehrere Vereine an der Bande stand. Er wolle sich voll und ganz auf seine Genesung konzentrieren, sagte er dieser Zeitung vor einigen Monaten. Über den heimischen Amateurfußball hat sich der langjährige Trainer in Krankenstand und Reha immer auf dem Laufenden gehalten. Einige seiner Ex-Vereine besuchte er zuletzt, unter anderem den Hanauer Kreisoberligisten SV Kilianstädten, den Repp mehrere Jahre als Spielertrainer betreute. »Die Leute hatten ja von meiner Krankheit erfahren und jetzt haben sich viele gefreut, mich wieder auf dem Sportplatz zu sehen. So was tut natürlich gut.«

In der Zuschauerrolle gefällt sich Albert Repp aber allenfalls vor dem Fernsehgerät und der Samstagskonferenz der Bundesliga. Es juckt wieder in den Füßen. »Ich war 50 Jahre durch und durch Fußballer, solch eine Leidenschaft kann man nicht einfach abschütteln.« In der kommenden Saison wäre Albert Repp wieder bereit, wenn ein Verein seine Hilfe bräuchte. In den untersten Ligen möchte der frühere Spielmacher des FV Bad Vilbel und des SV Bernbach aber keine Fußballer anleiten. »Gruppen- oder Kreisoberliga sollten die Vereine schon spielen«, hat der Übungsleiter klare Vorstellungen.

Der Fußball soll den Genesungsprozess forcieren, genauso ist Repp davon überzeugt, dass ihn seine Vergangenheit als Sportler überhaupt erst am Leben gehalten hat. »Ohne den Siegeswillen, den ich auch als Fußballer immer hatte, hätte ich es womöglich nicht geschafft.« Von Frank Schneider

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport_test/ka/fussball-leidenschaft-als-therapie;art5091,801103

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung