11. Februar 2022, 08:45 Uhr

Ziel: Einmal Olympische Spiele

Nico Debus: Lauf-Ass aus Hirzenhain

Youngster musste drei Infekte überwinden und startet mit Fragezeichen bei Hallenmeisterschaft.
11. Februar 2022, 08:45 Uhr
ARS
Nico Debus will zum vierten Hessentitel laufen. FOTO: ARS

Laut Startaufstellung ist Nico Debus klarer Favorit bei den hessischen Meisterschaften, die am Wochenende in der Frankfurter Kalbach-Halle stattfinden. Der Hirzenhainer Schüler im Trikot des SSC Hanau-Rodenbach führt mit seiner letztjährigen 3000-Meter-Bestzeit von 9:52,11 Minuten, gleichzeitig deutsche M13-Jahresbestzeit 2021, die Meldeliste so deutlich an, dass der Papierform nach kein Zweifel an seinem Sieg bestehen sollte. Doch was der begeisterte Läufer in den vergangenen und entscheidenden Wochen der Vorbereitung auf sein Debüt in der Schärttner-Halle »mitmachte«, war alles andere als optimal.

Drei Hessentitel im vergangenen Jahr

Gleich drei Infekte musste Nico Debus überwinden, den letzten schüttelte er erst am Dienstag mit einem lockeren Dauerlauf ab und hofft nun auf Stabilität. »Fünf Kilometer Jogging, einfach um mich mal wieder zu bewegen und reinzukommen«, lautete die Einschätzung des Youngster, der bei entsprechender Gesundheit fast tägliches Training gewohnt ist und üblicherweise 30 bis 60 Minuten profilierte Gelände- und Waldläufe im Umkreis seiner kleinen Gemeinde absolviert. Dort hat er das Laufen in die Wiege gelegt bekommen, stand im Alter von zwei Jahren erstmals bei einem sogenannten »Bambini-Lauf« des Kreis-Anzeiger-Oberhessen-Cup an der Startlinie, während Vater Andreas über zehn Kilometer mit einer Zeit von knapp unter 40 Minuten seinen immer noch gültigen Hausrekord aufstellte. Den hält der frühere Triathlet aktuell zwar weiterhin, aber das gilt nur für diese eine Langstrecke. Denn von 800 Metern (2:19 Minuten) über 3000 Meter bis hin zur Fünf-Kilometer-Bestzeit von 17:36 Minuten hat der Filius seinen Vater längst deutlich überholt, verzeichnete 2021 gleich drei hessische Meistertitel und hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt. »Ich will irgendwann zu den Olympischen Spielen«, so Debus, »und als Plan B zumindest deutscher Meister werden.« Träumen ist ja erlaubt in jungen Jahren, warum also nicht? Zumal er einmal wöchentlich unter der Anleitung von Michael Abele trainiert, dessen Sohn Lukas als mehrfacher deutscher Jugend- und Juniorenmeister »Plan B« schon erfüllt hat.

Der Kontakt zur Familie Abele war es auch, der Nico Debus den Weg zum leistungssportlichen Laufen und damit zum SSC Hanau-Rodenbach geebnet hat. Über den Kreis-Anzeiger-Oberhessen-Cup sowie als Arbeitskollegin von Mutter Antje hatte Hilke Bertschy-Abele den Youngster zum Training eingeladen, das er ab 2016 zunächst beim LLT Wallernhausen und im Stadion von Nidda, ab 2018 auch beim SSC Hanau-Rodenbach in der Schärttner-Halle und im Rodenbacher Waldstadion wahrnahm. Die Fahrtzeit von mehr als 35 Minuten pro Einzelstrecke nimmt die Familie in Kauf, denn im Gegensatz zum früheren Fußball-Spielen ist für Nico klar, dass »Laufen der beste Sport für mich ist, weil er Spaß macht, die Trainer und die Trainingsgruppe mit den starken Leistungen super motivieren und ich meine Ziele erreiche.«

Die fehlende Grundschnelligkeit kann der Athlet der Altersklasse M14 aktuell noch durch seine Ausdauerleistungsfähigkeit und seine mentale Stärke kompensieren. Wer als Achtjähriger beim Grundschul-Spendenlauf »einfach mal so« 25 Kilometer auf einer 1000-Meter-Spendenrunde rennt oder mit elf Jahren mit dem Rennrad »zum Eis essen« 100 Kilometer durch den Vogelsberg nach Lauterbach und zurück nach Hirzenhain fährt, hat sicher den nötigen »Biss«, um Titel und Medaillen in höheren Klassen zu erreichen. Doch natürlich weiß Nico Debus um seine Schwächen und arbeitet am Sprintvermögen und den koordinativen Fähigkeiten.

Über seinen Nachbarn Manuel Beth, einem Personal Trainer, hat er sogar ein eigenes Krafttrainingsprogramm erstellt bekommen. »Da mache ich dann ein- bis zweimal pro Woche Tabata und ein Zirkeltraining - das lohnt sich.«

Inwieweit sich das alles am Samstagvormittag in Frankfurt auf Landesebene bezahlt macht, wird sich angesichts der gesundheitsbedingt holprigen Vorbereitungen zeigen. Doch selbst wenn es nicht mit Hessentitel Nummer vier klappen sollte, will der Schützling von Michael Abele und Mohamed Gassem auch in der Halle auf jeden Fall durchziehen und sich die Motivation für die nächsten Wettkampfeinsätze sowie das winterliche Training rund um Hirzenhain holen.



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