21. Januar 2022, 19:42 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Mehr passen, weniger dribbeln

Die Gießen 46ers wollen gegen die Hamburg Towers endlich die acht Partien andauernde Niederlagen-Serie beenden. Spielt gegen die starken Hanseaten schon der neue Hoffnungsträger?
21. Januar 2022, 19:42 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Gießen 46ers um Florian Koch (l.) und dem neuen Kapitän Kendale McCullum (r.) wollen am Samstagabend gegen die Hamburger Defensive (im Hinrundenspiel mit v. l. Seth Hinrichs, Maik Kotsar, Jaylon Brown) den Ball besser laufenlassen als zuletzt. FOTO: IMAGO

Bei den Gießen 46ers kehrt keine Ruhe ein. Auch wenn der abstiegsbedrohte Basketball-Bundesligist seit der Niederlage gegen Göttingen zwei Wochen Zeit hatte, um im Training an seinen Defiziten zu arbeiten und sich auf das Spiel gegen die Hamburg Towers am Samstagabend (20.30 Uhr/MagentaSport live) vor zugelassenen 170 Zuschauern in der Osthalle vorzubereiten.

Vor allem der Wechsel von John Bryant in der Vorwoche zum Mitteldeutschen BC verlief nicht geräuschlos und beschäftigt die Fans. Zumal der Center Anfang der Woche in einem Podcast gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber nachkartete und unter anderem fehlende Teamchemie bei den 46ers beklagt hat.

Einige Fragen hatten die Anhänger für die obligatorische Pressekonferenz der 46ers vor der Heimpartie rund um den Bryant-Abgang über die Sozialen Medien eingereicht - aber Geschäftsführer Sebastian Schmidt bügelte das Thema ab: »Zu John Bryant werde ich keine Fragen beantworten, weil ich definitiv nicht nachtreten möchte.« Und Trainer Pete Strobl (»Die Leute wollen Drama«) kamen nur nette Worte für den Ex-Kapitän über die Lippen: »Er ist ein guter Kerl, ein guter Spieler.«

Der Blick bei den 46ers geht nach vorne - und auf die Hamburger, die mit zehn Siegen aus 16 Begegnungen als Tabellensiebter in die Osthalle kommen. Am Dienstag gastierten die Towers noch im Euro-Cup bei Partizan Belgrad - und erhielten vor 5000 Zuschauern bei der 77:102-Niederlage eine Lehrstunde vom Titel-Kandidaten - was aber nichts am Favoriten-Status der Hamburger in der Osthalle ändert.

Die Lage: Sie ist ernst. Die 46ers (6:26 Punkte) sind Vorletzter vor den Baskets Oldenburg (4:22), die sich am Dienstag von ihren Trainer Mladen Drijencic getrennt haben. Vorerst übernimmt der bisherige »Co« Alen Abaz die Mannschaft, die ihr zweifellos großes Potenzial noch nicht abrufen konnte. Vor Gießen sind Würzburg (6:22), der MBC (10:24) und Frankfurt (10:20) in Sichtweite, auch wenn die Tabelle nach zahlreichen Corona-Absagen ein schiefes Bild abgibt.

Die Vorbereitung: »Wir haben an einigen sehr wichtigen taktische Dingen gearbeitet und ich glaube, wir werden in der Lage sein, zu zeigen, wo genau wir uns verbessert haben«, sagt Strobl. Er hatte allerdings selten alle Profis im Training, immer wieder mussten nach den Worten des Coachs Spieler wegen Krankheit, Blessuren und kleineren Verletzungen aussetzen. Im Mittelpunkt der Einheiten stand, dass »wir den Ball mehr passen und weniger dribbeln. Wir haben alles gegeben, um das zu ändern.«

Der Gegner: Bei den Towers können sich die 46ers einiges abschauen. »Ich schätze sehr, wie aggressiv sie verteidigen und wie sie den Ball bewegen. Sie sind ein Vorbild, wie wir in der Zukunft spielen wollen«, sagt Strobl über den Kontrahenten. Der dominierte am zweiten Weihnachtsfeiertag das Hinrundenspiel gegen die Gießener, die beim 82:104 chancenlos waren. Vor allem der frühere Gießener Robin Christen drehte seinerzeit auf, erzielte 20 Punkte und lötete fünf Dreier ein. Der 30-Jährige war auch am Dienstag in Belgrad mit 20 Zählern bester Scorer seines Teams. Hauptpunkte-Lieferant der Towers ist aber Shootingguard Caleb Homesley (17,0), der die meisten Dreier aller BBL-Spieler nimmt: Knapp zehnmal pro Partie drückt er aus der Distanz ab, trifft dabei im Schnitt 32 Prozent. Am Brett ist der estnische Center Maik Kotsar (2,11 m) eine Bank. Und in der Verteidigung ist Max DiLeo ein Spieler, den laut Strobl jeder Trainer gern in seinem Team hätte. Alles in allem hat Coach Pedro Calles eine ausgewogene Mannschaft zusammengestellt, in dem auch die Deutschen mit u. a. Christen, Nationalspieler Julius Hollatz oder Lukas Meisner überzeugende Leistungen bringen.

Neuer Kapitän: Die 46ers haben weiterhin zwei Kapitäne. Für den abgewanderten Bryant wurde Kendal McCullum gewählt, berichtete Strobl. Der US-Amerikaner ist der derzeit beste und konstanteste Akteur der 46ers, der von seinem Trainer als Leader auf dem Feld geschätzt wird. Neben McCullum ist Dennis Nawrocki der zweite Spielführer.

Neuer Spieler: Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Lette Martins Laksa (31) die letzte Verpflichtung der 46ers wird, den diese Zeitung bereits am Mittwoch als heißen Kandidaten gehandelt hat. »Ich kenne den Namen, ich kenne den Spieler, und man kann sich sicher sein: Wenn etwas in trockenen Tüchern ist und es etwas zu vermelden gibt, werden wir das tun«, sagte Schmidt am Donnerstag auf die Frage zur Personalie Laksa. Gut möglich also, dass die 46ers gegen die Towers schon mit Laksa (oder einem anderen neuen Mann) antreten werden. Eine offizielle Bestätigung des Klubs wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit erst am Samstag kurz vor Spielbeginn geben.

Personelles: Die Hamburger müssen weiterhin auf Aufbauspieler Jaylon Brown verzichten. Der US-Amerikaner laboriert an einem Muskelfaserriss in der Hüfte. Bei den 46ers hofft Strobl, dass alle Spieler an Bord sein werden. Allerdings ist der Einsatz von TJ Williams (Fußblessur) fraglich.



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