30. Juni 2019, 14:30 Uhr

Birgit Birnbacher gewinnt den heißen Bachmann-Preis

Heiß, heißer, Klagenfurt: Beim 43. Ingeborg-Bachmann-Preis in Österreich machten Temperaturen nahe 40 Grad den Teilnehmern zu schaffen. Eine Jurorin kam ins Krankenhaus. Und ein deutscher Autor entfachte eine hitzige Diskussion der Jury.
30. Juni 2019, 14:30 Uhr
Birgit Birnbacher ist mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. (Foto: Gert Eggenberger)

Es war wohl die bislang heißeste Auflage der renommiertesten Literaturauszeichnung im deutschsprachigen Raum: Teilweise bis zu 38 Grad zeigte das Thermometer in Klagenfurt, wo die Jury die österreichische Autorin Birgit Birnbacher mit dem 43. Ingeborg-Bachmann-Preis auszeichnete.

Die 33-Jährige erhielt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren Text «Der Schrank».

In dieser Ich-Erzählung nimmt eine Frau an einer soziologischen Studie teil und plötzlich taucht ein Biedermeierschrank auf. Ein Geschenk der Mutter, wie sich herausstellt. Birnbacher thematisiert in ihrem Text die neue Arbeitswelt sowie prekäre Wohnverhältnisse.

Die Jury lobte die Geschichte als «eine Mikrostudie der Lebensverhältnisse». Ein Individuum und dessen Reaktionen würden gezeigt. Birnbacher wisse, wovon sie schreibe. Die Zynismen in dem Text seien «super». Der Schrank sei der Anlass, worum es gehe, sei hingegen etwas Universales. Die Sprache von Birnbachers Text sei knisternd, sie rühre auf, hieß es in der Laudatio.

Die in Salzburg lebende Autorin ging als Favoritin ins Rennen. Nach der Preisvergabe gab sie sich im Österreichischen Rundfunk (ORF) aber bescheiden: «Unglaublich. Der Preis bedeutet uns allen viel, darum sind wir auch hier. Es ist eine besondere Runde, so habe ich das erlebt. Es sind viele da, die den Preis verdient hätten.»

Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird seit 1977 in Erinnerung an die in Klagenfurt geborene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) verliehen. Acht Autorinnen und sechs Autoren stellten sich in diesem Jahr einer siebenköpfigen Jury.

Die Hitze machte nicht nur den Autoren, sondern auch den Bewertern sichtlich zu schaffen. Eine Jurorin musste aufgrund einer Dehydrierung während der Lesung von Birgit Birnbacher am Freitagvormittag aus dem Saal gebracht und im Krankenhaus behandelt werden. Später konnte sie aber wieder teilnehmen.

Heiß war der Bachmann-Preis in diesem Jahr aber auch, weil die 43. Tage der deutschsprachigen Literatur für etliche Kontroversen auf der Bühne sorgten. Die Größte löste der deutsche Autor Martin Beyer mit seinem Text «Und ich war dabei» aus, in dem er die Ermordung von Mitgliedern der Widerstandsgruppe «Weiße Rose» aus der Sicht des Henkersknechts schilderte. Ein Großteil der Jury war sich schnell einig: Es sei ein Text, der so nicht geschrieben werden dürfe und in den Verdacht gerate, vom Leiden der Opfer profitieren zu wollen. Der Plauderton mache ihn so unerträglich. Auf einen Preis konnte der in Bamberg lebende Autor nach der heftigen Jury-Diskussion somit nicht mehr hoffen - und ging am Ende dann auch leer aus.

Der Oberösterreicher Leander Fischer wurde in Klagenfurt mit dem mit 12.500 Euro dotierten Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet. Der Kelag-Preis (10.000 Euro) ging an die aus Kärnten stammende Julia Jost. Der in Südbaden geborene und in Köln arbeitende Yannic Federer bekam den 3sat-Preis (7500 Euro). Die Leipziger Schriftstellerin Ronya Othmann gewann den per Internet-Voting ermittelten Publikumspreis (7000 Euro) sowie das damit verbundene und mit 5000 Euro dotierte Klagenfurter Stadtschreiberstipendium.

Der Juryvorsitzender Hubert Winkels meinte in seiner Abschlussrede, es sei ein gutes Bachmann-Jahr gewesen. «Oder wie es Weinkenner sagen, ein guter Jahrgang.»

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