28. Juni 2019, 16:50 Uhr

«Fusion»-Festival zwischen Zauberwald und Dancefloor

Seit über 20 Jahren steht das «Fusion»-Festival für Freiheit, Utopie, Kunst und Musik. Aber auch für eine schon fast legendäre Geheimniskrämerei. So durften offiziell keine Journalisten aufs Gelände - bis jetzt.
28. Juni 2019, 16:50 Uhr
Von Regina Wank, dpa
Gutes Wetter, gute Stimmung, alles friedlich. (Foto: Christian Charisius)

Man nehme einen ehemaligen Militärflugplatz, eine Prise David gegen Goliath und 70 000 Menschen, die von Utopie und Freiheit reden. Und man bekommt: Das «Fusion»-Festival an der mecklenburgischen Seenplatte.

Seit Mittwoch und noch bis zum Sonntag feiern Zehntausende dort eine Großveranstaltung mit Musik, Kunstinstallationen und politischen Vorträgen.

Für die Veranstalter ist es aber mehr als eine große Party. Es soll eine «Parallelgesellschaft der besonderen Art» sein, heißt es im Programm. Beim Umherschlendern auf dem riesigen Gelände entdeckt der Besucher versteckte Hütten im Wald, mächtige Tiere aus Pappmaché, beleuchtete Totempfähle oder ein Schiff unter lampionbehangenen Bäumen. Dazu wehen von irgendwoher Polka-Sounds. In einigen Ecken wandeln die Besucher durch einen ruhigen Zauberwald, in anderen geraten sie auf eine Tanzfläche mit dröhnenden Bässen.

Joe vom Kollektiv «Station Endlos» aus Halle in Sachsen-Anhalt hat mit seinen Kollegen einen der Dancefloors in Form einer Zeppelin-Werft gebaut. Knapp 14 Tage und 45 Mitarbeiter brauchte es, bis der riesige Zeppelin sowie Feuer- und Lasershow standen. Viel Aufwand, wo andere Festivals sich mit Videoscreens begnügen. Doch gerade das sei es, was ihm an der «Fusion» so gefalle, sagt Joe. Man könne sich hier kreativ mit großer Liebe zum Detail austoben und habe viel mehr Freiheiten als auf anderen Festivals.

Das Wort Freiheit fällt hier oft. Für wen Freiheit herrschen soll, bestimmen jedoch die Veranstalter. Für Polizei und Presse gilt eher: Nur gucken.

Der Streit zwischen den «Fusion»-Veranstaltern und den Behörden scheint noch nicht vergessen. Seit November vergangenen Jahres ging es vor allem um die Frage, ob die Beamten jederzeit und anlasslos Zutritt zum Festivalgelände haben sollen. Die Veranstalter drohten, dass es mit Polizeipräsenz auf der «Fusion» kein Festival geben werde.

Erst vor wenigen Wochen einigten sich die Parteien darauf, dass es unter anderem eine mobile Polizeiwache außerhalb des Geländes und eine tägliche Besprechung zwischen Veranstaltern und Beamten geben soll. Auf das Gelände dürfe die Polizei nur, wenn sie gerufen werde, und auch dann immer in Begleitung des Festival-Sicherheitsdienstes, teilte die Pressesprecherin der Polizei Neubrandenburg, Kathrin Jähner, mit. Eine «zukunftsträchtige Lösung», lobte Vereinsvorstand Eulenhaupt.

Erstmals wurden dieses Jahr Journalisten zugelassen, jedoch nur für einen vorgegebenen Zeitraum, und sie sind unter ständiger Begleitung von Vertretern des Festivals. Die Presse sei rund um den Konflikt mit der Polizei in diesem Jahr sehr hilfreich gewesen, sagte eine «Presse-Supporterin», die die Medienvertreter über das Gelände führt und in keiner Minute aus den Augen lässt. Man wollte gegenüber den Journalisten daher nicht nach dem Motto verfahren: «Wasch mich, aber mach mich nicht nass» - sondern sich erkenntlich zeigen und ein wenig transparenter werden. Das solle jedoch eine Ausnahme bleiben, hieß es.

Denn die Geheimniskrämerei rund um die «Fusion» ist beinahe schon legendär. Besucher dürfen zwar Fotos machen, die Veranstalter finden es aber «unschön, wenn jeder mit einer Kamera rumläuft», heißt es auf der Webseite. Ein Anachronismus zu einer Zeit, in der jede Veranstaltung darauf getrimmt wird, möglichst Instagram-tauglich zu sein. In dieser Hinsicht ist die linksalternative «Fusion»-Parallelgesellschaft dann doch recht konservativ.

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