27. Juni 2019, 10:15 Uhr

Literaturtage in Klagenfurt eröffnet

14 Autorinnen und Autoren wollen sich bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt den Bachmann-Preis sichern. Zuvor erhalten sie eine Warnung von einem ehemaligen Teilnehmer: Zwischen Wahrheit und Fiktion muss eine Grenze bleiben.
27. Juni 2019, 10:15 Uhr
Clemens J. Setz, Autor aus Österreich, spricht in Klagenfurt. (Foto: Gert Eggenberger)

Der Schriftsteller Clemens J. Setz hat bei der Eröffnung der 43. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt vor der Vermischung von Fiktion und Realität gewarnt. Als Ausgangspunkt wählte der 36-Jährige dabei überraschend das Thema Wrestling und die Geschichten, die dort anhand der Ringer erzählt werden.

Setz betonte bei seiner Rede am Mittwochabend, dass die Darsteller dazu neigten, ihre fiktive Figur nicht mehr vom realen Leben unterscheiden zu können. Letztlich wirkte die Rede des Schriftstellers wie eine Warnung an alle Schauspieler, Politiker und auch Literaten, nicht in ähnliche Muster zu verfallen.

Konkret kritisierte Setz etwa «die Ansicht, dass man sich monatelang wegsperren müsste, um in Ruhe schreiben zu können». Auch hier sei die Gefahr groß, dass diese Attitüde überhand nehme und man sich irgendwann auch von den eigenen Kindern gestört fühle. «Als wäre Geschichtenerzählen nicht die von Natur aus geselligste Tätigkeit überhaupt», sagte Setz, der selbst 2008 beim Wettlesen dabei war und damals den Ernst-Willner-Preis gewann. 2011 erhielt Setz den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Erzählband «Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes».

Setz hat mit seiner Rede die Literaturtage in Klagenfurt eröffnet, das Wettlesen um den Bachmann-Preis beginnt am Donnerstag. Insgesamt nehmen 14 Autorinnen und Autoren teil, fünf von ihnen kommen aus Deutschland. Die Vergabe des nach der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) benannten Preises ist für Sonntag geplant.

Aus Deutschland treten neben Schultens die Autoren Martin Beyer, Yannick Han Biao Federer, Daniel Heitzler und Ronya Othmann an. Drei der 14 Teilnehmer kommen aus der Schweiz, sechs Autoren im Wettbewerb stammen aus Österreich. Erstmals sind dieses Mal mehr Frauen als Männer dabei.

Die Bandbreite ist dabei groß: Während der 22-jährige Daniel Heitzler bisher noch keine einzige Zeile veröffentlicht hat, tritt mit Tom Kummer (58) ein arrivierter, aber auch umstrittener Autor aus der Schweiz an, der in seiner Karriere schon Promi-Interviews erfunden hat und sich zuletzt 2016 mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert sah.

«Wir suchen seit Jahren Texte aus, die keine unterhaltsame Immersion bieten», sagte der Vorsitzende der Jury, Hubert Winkels. «Sondern Literatur, die sich permanent in Frage stellt und ein reflexives Verhältnis zu sich selbst hat. Das geht weder in der Kirche noch im Kino.»

Im vergangenen Jahr kürte die Jury die Ukrainerin Tanja Maljartschuk zur neuen Preisträgerin des Bachmann-Preises. Die Autorin, die erst seit 2014 auf Deutsch schreibt, präsentierte damals mit «Frösche im Meer» einen Text über das fehlende Interesse der jüngeren Generation an den Alten.

Neben dem Bachmann-Preis werden vier weitere Preise vergeben, darunter ein Publikumspreis. Insgesamt werden so ein Preisgelder in Höhe von 62.000 Euro vergeben.

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