12. April 2018, 22:29 Uhr

Bluttat am Bahnsteig

12. April 2018, 22:29 Uhr
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Von DPA
Einsatzkräfte stehen nach dem tödlichen Messerangriff vor der S-Bahn-Haltestelle Jungfernstieg. (Foto: dpa)

Hamburg (dpa). Eine ältere Dame zeigt auf die Blutstropfen, die sich über die hellen Fliesen des Hamburger S-Bahnhofs Jungfernstieg ziehen. »Es ist doch schrecklich, wenn man so etwas sieht«, sagt sie. Am helllichten Tage, mitten in der Innenstadt. Zusammen mit ihrem Mann wollte sie eigentlich die S-Bahn nehmen. Nun sperrt Flatterband die Abgänge zu dem Bahnsteig ab, der jetzt ein Tatort ist. Ob das Blut tatsächlich von der Mutter des Kleinkinds stammt, das hier kurz zuvor vor den Augen vieler Menschen getötet wurde, ist unklar. Die Mutter selbst starb im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen.

»Die Tat war sehr, sehr entsetzlich in der Art der Ausführung, gezielt und sehr, sehr massiv«, sagt Polizeisprecher Timo Zill. Gegen 10.50 Uhr seien die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen. Ein Mann habe mit einem Messer auf ein Kind und eine Frau eingestochen, hätten die Zeugen berichtet. »Wir gehen nach derzeitigen Stand von einer Beziehungstat aus.«

Der mutmaßliche Täter ist schnell gefasst. Zunächst ist der 33-Jährige aus dem westafrikanischen Niger dem Polizeisprecher zufolge noch geflüchtet, hat dann aber selbst die Polizei informiert. »Er hat die 110 gewählt und seinen Standort mitgeteilt.« Noch im Umfeld des unterirdischen Bahnhofs, der sich über mehrere Ebenen erstreckt und über den auch U-Bahn-Linien führen, hätten Polizisten ihn dann festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. »Dort wird er von der Mordkommission vernommen.«

Warum der Mann mutmaßlich auf seine Ex-Frau, eine 34-jährige Deutsche, und seine erst ein Jahr alte Tochter einstach, ist noch unbekannt.

Ein Kriseninterventionsteam ist vor Ort. Es betreut die vielen Zeugen, die sich während der Bluttat auf dem Bahnsteig befanden. Aber auch Einsatzkräfte müssen die Hilfe der Seelsorger in Anspruch nehmen.

Die Tat selbst habe er zwar nicht mitbekommen, sagt Gabriel Kraft. Aber er habe gesehen, wie die schwer verletzte Frau aus dem Bahnhof hinausgebracht wurde. Der 38-jährige Kraft arbeitet in einem Backshop auf der ersten Ebene des Bahnhofs, wo kurz nach der Tat wieder viele Menschen zu den Bahnsteigen eilen. Der Tunnel, der den Hamburger Hauptbahnhof mit Altona verbindet, ist für die Arbeit der Polizei am Tatort komplett gesperrt.

»Leider muss man auf so etwas gefasst sein«, sagt Kraft. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er auf dem Bahnhof. Immer wieder komme es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, vor allem abends. »Es wird 20 Uhr. Und dann geht es hier los.« Er könne sich noch gut an den Fall eines 19-Jährigen erinnern, der 2010 von anderen Jugendlichen auf dem S-Bahn-Steig erstochen wurde.

»Das war ja nun eine Beziehungstat und nichts mit Terror.« Renate Günther zeigt sich fast ein bisschen erleichtert, als sie keine zwei Stunden nach der Bluttat am Bahnhofseingang steht. Die 78-Jährige will ihren Enkel von der Schule abholen. In ihrer persönlichen Sicherheit fühle sie sich durch die Tat nicht bedroht, aber die allgemeine Entwicklung mache ihr Sorgen.

»In was für einer Welt leben wir?«, fragt Joyce und pflichtet ihr bei. Die 39-Jährige macht Politik und Medien für die von ihr empfundene Zunahme der Gewalt verantwortlich. »Sie zeigen den Menschen doch nur, dass wir Angst haben müssen.« Dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Ausländer handele, spiele keine Rolle. Viel schlimmer sei, dass dies altbekannte Diskussionen wieder anheize. »Es ist an der Zeit, dass die Menschen mal aufwachen und wieder mit Frieden und Ruhe ins Leben gehen.«



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