09. April 2018, 22:26 Uhr

Ermittler sehen Suizidabsicht

09. April 2018, 22:26 Uhr
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Von DPA
Kerzen und Blumen liegen am Tatort vor dem Kiepenkerl. Ein Mann war am Samstag mit einem Kleintransporter vor dem Restaurant in eine Gruppe von Menschen gerast und hatte zwei von ihnen getötet. Anschließend erschoss er sich selbst. (Foto: dpa)

Münster (dpa). Nach der Amokfahrt mit insgesamt drei Toten in Münster kommen immer mehr Details über den Täter ans Licht. Zunehmend wird auch deutlich, warum der 48 Jahre alte Jens R. am Samstag seinen Campingbus in eine Menschenmenge steuerte und zwei Menschen mit in den Tod riss. Ermittler zeigten sich gestern Abend überzeugt davon, dass der Täter in Suizidabsicht handelte. »Nach der bisherigen Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen sind die Ermittlungsbehörden sicher, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht handelte«, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt zu den bisherigen Ergebnissen. Bei der Durchsuchung der Wohnung des ledigen und kinderlosen Mannes sei unter anderem ein über einen Balken gelegtes Hanfseil mit Henkersknoten gefunden worden. Dieses Seil sei ein »eindeutiger Hinweis«.

Für die Suizidabsicht spreche auch die Tatsache, dass sich der Mann unmittelbar nach dem Stillstand des Fahrzeugs erschossen hat. Im Magazin der im ehemaligen Jugoslawien hergestellten Pistole hätten sich noch weitere Patronen befunden. »Offensichtlich wollte sich der Täter nach der Todesfahrt direkt selber richten«, erklärte der Leiter der Ermittlungskommission, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll, in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. »Bei einer Gesamtschau der Indizien sind wir uns sicher, der Täter handelte in Suizidabsicht.«

Diese eindeutige Suizidabsicht habe der Mann entgegen anderslautender Berichte im Zeitraum vor der Tat weder dargelegt noch gegenüber Dritten geäußert. »Die mehrfach wahllos an Dritte übersandten Nachrichten enthalten keine ausdrückliche Ankündigung einer Selbsttötung. Sie sind jedoch Ausdruck einer zumindest temporären, psychischen Labilität«, heißt es in der Mitteilung weiter.

Nach wie vor schwebten am Montag drei der Verletzten in Lebensgefahr. Insgesamt waren bei der blutigen Tat etwa 20 Menschen verletzt worden, die meisten aus der Region rund um Münster. Eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann wurden getötet.

Täter hatte keinen Waffenschein

Der Täter hatte sich nach der Amokfahrt mit einem Campingbus in der Münsteraner Innenstadt in seinem Fahrzeug erschossen. Woher er die Waffe hatte, war zunächst unklar. »Er hatte keinen Waffenschein. Es war keine ordnungsgemäß erworbene Waffe«, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag dem Sender WDR 5. Unklar sei, woher die Pistole stammte.

Gestern kam die NRW-Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz mit den Betroffenen und den Verletzten in Münster zusammen. Über ihren Sprecher rief sie dazu auf, die unschuldigen Betroffenen einer Tat wie in Münster nicht zu vergessen. »Nach einer tragischen und blutigen Tat wie dieser ist es wichtig, den Opfern die Hilfe anzubieten, die sie benötigen, kurzfristig und auch auf lange Sicht«, sagte der Sprecher des zuständigen NRW-Justizministeriums, Peter Marchlewski.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass der Mann wegen psychischer Probleme Kontakt zum Gesundheitsamt in Münster hatte und suizidale Gedanken formuliert hatte. In mehreren Schreiben hatte der Industriedesigner nach Medienangaben bereits eigene Schuldkomplexe und Zusammenbrüche beschrieben. Nach Informationen von »Spiegel Online« soll er zudem bereits als Siebenjähriger überlegt haben, sich umzubringen. Beim sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Münster wurde nach mehreren Gesprächen eine Krankenakte angelegt.

Nach einem Sturz im Treppenhaus seines Wohnhauses in Münster soll sich R. nach Medienangaben vor mehreren Jahren an der Wirbelsäule verletzt haben. Ärzten habe er später Fehler vorgeworfen. Laut »Spiegel Online« setzte er danach etliche Schreiben an Behörden, Bekannte und Nachbarn auf und beschuldigte zahlreiche andere Menschen, für seinen Zustand verantwortlich zu sein. Die Polizei bestätigte dies nicht. Reul bat vor allem um Geduld: »Die Ermittlungen sind erst am Anfang. Wir können nicht jeden Tag etwas Neues verkünden.«



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