14. August 2017, 21:51 Uhr

Mafia weiter im Visier

14. August 2017, 21:51 Uhr

Duisburg (dpa). Keine Gedenktafel, kein Kreuz: Nichts erinnert am Tatort in Duisburg an die Mafiamorde vor zehn Jahren. Sechs Männer des Ndrangheta-Clans Pelle-Vottari wurden vor dem italienischen Restaurant »Da Bruno« in der Nähe des Hauptbahnhofs erschossen. »Da Bruno« gibt es schon längst nicht mehr. Vergessen haben die Duisburger das Verbrechen aber keineswegs. »Ja, hier war es«, sagt ein Passant. Eine Frau weiß, dass es in Duisburg war, aber wo? Sie steht fast an der Stelle, an der damals die nur notdürftig mit weißen Tüchern abgedeckten Leichen auf dem Pflaster lagen.

Hintergrund des Massakers war eine blutige Fehde zwischen den Ndrangheta-Familien Nirta-Strangio und Pelle-Vottari-Romeo. Als Motiv wird Rache vermutet: Die 33-jährige Maria Strangio, Ehefrau eines Strangio-Clan-Chefs, soll an Weihnachten 2006 in der kalabrischen Mafia-Hochburg San Luca von der verfeindeten Pelle-Vottari-Seite getötet worden sein.

In Duisburg warteten die Schützen am frühen Morgen des 15. August vor der Pizzeria auf ihre Opfer. Als die sechs Männer im Alter von 16 bis 38 Jahren in zwei Autos gestiegen waren, feuerten die Täter aus Schnellfeuerpistolen viele tödliche Schüsse ab. Die Opfer hatten keine Chance.

Es wurde eine Mordkommission gebildet, in der zeitweise 120 Beamte mitarbeiteten. Eng arbeiteten die Ermittler mit italienischen Fahndern und Polizeibehörden in Belgien und den Niederlanden zusammen. Nach und nach wurden die Tatverdächtigen gefasst. Als Haupttäter und Drahtzieher gilt Giovanni Strangio, zur Tatzeit 28 Jahre alt. Er wurde 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt. Für Thomas Jungbluth (61) vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen ist die Bluttat von Duisburg eine Art Betriebsunfall. »Ich glaube, dass das aus Sicht der Ndrangheta schlecht gelaufen ist. So sehr in den Blick der Öffentlichkeit zu kommen, ist mit Sicherheit nicht im Sinne der Organisation«, sagt der Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität beim LKA. Die Ermittlungen seien in der Folge weiter intensiviert worden. »Die organisierte Kriminalität will im Verborgenen arbeiten. Alles, was die Geschäfte stört, will man vermeiden. Das ruft die Polizei und die Öffentlichkeit auf den Plan.«

BKA nimmt Aktivitäten sehr ernst

Mit der Bluttat endete das Kapitel italienische Mafia in Deutschland denn auch keineswegs. »Alle großen und wichtigen Organisationen sind in Deutschland tätig«, sagt der Berliner Journalist und Vorsitzende des Vereins »Mafia? Nein, Danke!« Sandro Mattioli (41). Mattiolo verweist auf den Anfang Juli bekannt gewordenen Ermittlungserfolg der deutschen und italienischen Polizei im Schwarzwald gegen ein kriminelles Netzwerk aus dem Umfeld der Cosa Nostra. Hinter einer bürgerlichen Fassade soll die Gruppe Drogen- und Waffengeschäfte abgewickelt haben. 17 Personen wurden festgenommen. Das Bundeskriminalamt nimmt die Aktivitäten der Mafia sehr ernst. »Wir glauben schon, dass sie ein großer Gefahrenfaktor ist, etwa im Rauschgifthandel«, sagt Johannes Launhardt (56), Experte beim BKA für organisierte Kriminalität.

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