09. Juli 2019, 20:17 Uhr

»Operation Viribus«

09. Juli 2019, 20:17 Uhr
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Von DPA
Bei einer beispiellosen Anti-Doping-Razzia sind europäische Sicherheitsbehörden gegen den Handel mit Anabolika und gefälschten Medikamenten vorgegangen. (Foto: dpa)

Den Haag/Frankfurt (dpa). Es ist der größte Schlag gegen die weltweit organisierte Doping-Kriminalität. Bei der Anti-Doping-Razzia in Europa, den USA und Kolumbien sind europäische Sicherheitsbehörden in 33 Ländern gegen den Handel mit Anabolika und gefälschten Medikamenten vorgegangen. Bei der »Operation Viribus« seien rund 3,8 Millionen Dopingmittel - darunter allein 24 Tonnen Steroidpulver - und gefälschte Medikamente sichergestellt, 17 organisierte Banden enttarnt sowie 839 Verfahren eingeleitet worden, teilte die europäische Polizeibehörde Europol mit.

Die Substanzen seien sowohl online als auch in Fitnesscentern oder illegalen Läden verkauft worden. »In den vergangenen 20 Jahren hat der weltweite Handel mit Anabolika dramatisch zugenommen«, so Europol. Konsumenten seien vor allem »Fitnesscenter-Süchtige« sowie Bodybuilder. Der Verkauf dieser Mittel an Hobby- und Freizeitathleten sowie ambitionierte Seniorensportler ist ein Milliardengeschäft.

»Wir lernen aus dem Fall, dass es offensichtlich einen großen Markt gibt. Nur wenn es einen großen Markt gibt, werden Importe und Strukturen dieser Art aufgebaut«, sagte Mario Thevis, Chef des Doping-Analyselabors in Köln gestern. Valide Zahlen, wie groß die Zahl der Freizeit- und Hobbysportler in Deutschland ist, gibt es nicht. Sicher ist, dass es einen großen Bedarf am Konsum der leistungssteigernden Mittel gibt.

Denn bei der Razzia haben die Polizeifahnder auch in Deutschland zugeschlagen. 463 Verfahren sind eingeleitet worden, Festnahmen hat es nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln vom Dienstag aber nicht gegeben. Bei der Polizeiaktion waren 234 Verdächtige festgenommen worden. Auch wenn man erst am Anfang der Ermittlungen stehe, dürften sich diese vor allem gegen Freizeitsportler richten, sagte die Sprecherin des Kölner Zollkriminalamtes, Ruth Haliti, der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Hinweis, dass bei der »Operation Viribus« auch der Spitzensport ins Visier genommen wurde, ist die in der Europol-Mitteilung angegebene Zahl von 1357 Doping-Kontrollen (Blut- und Urintests), die veranlasst wurden. »Man kann nicht ausschließen, dass der eine oder andere Kunde aus dem Leistungssport kommt«, meinte Thevis.

Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann zeige die konzertierte Aktion von Welt-Anti-Doping-Agentur und internationalen Ermittlungsbehörden eindrucksvoll, »wie denen begegnet werden muss, die betrügen und manipulieren«. Somit sei es »ein guter Tag für die Chancengleichheit im Spitzensport« und gleichzeitig eine wertvolle Aktion, »um auch den Medikamentenmissbrauch im Breitensport zu bekämpfen«, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes.

An dem Einsatz unter Federführung der italienischen und griechischen Polizei war auch die WADA beteiligt. Der deutsche WADA-Chefermittler Günter Younger zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen und der Einbeziehung der Agentur. Diese Zusammenarbeit bringe echte Resultate und könne einen bedeutenden Einfluss auf die Verfügbarkeit verbotener Substanzen haben. »Wir stehen bereit, um diese Art von Rolle in einer jeglichen, andauernden Operation fortzusetzen«, sagte Younger einer Mitteilung der WADA zufolge.

»Nur so geht es«, meinte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. »Diese bislang beispiellose Aktion zeigt, dass staatliche Ermittlungsbehörden - national wie international - im Kampf gegen Doping schlichtweg unverzichtbar sind«, sagt die SPD-Politikerin der Düsseldorfer Zeitung »Rheinische Post« (Mittwoch-Ausgabe). »Wenn man allein das Volumen der jetzt sichergestellten Substanzen betrachtet, wird klar, dass wir es hier mit Wirtschaftskriminalität in beträchtlichem Ausmaß zu tun haben.«

Für die Nationale Anti-Doping-Agentur ist die Razzia ein beispielgebender Erfolg. »Die bisherigen Ermittlungsergebnisse von Europol zeigen, wie wichtig es ist, über Landesgrenzen hinweg zu ermitteln, um Doping-Netzwerke aufzudecken«, hieß es in einer Mitteilung.



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