27. Oktober 2017, 22:21 Uhr

Süßes, Saures oder Gottesdienst?

27. Oktober 2017, 22:21 Uhr

Der 31. Oktober ist für viele Menschen ein besonderer Tag – allerdings mit unterschiedlichen Bedeutungen. Als Reformationstag der evangelischen Kirche wird er zunehmend von Aktivitäten rund um den Halloween-Brauch bedrängt. Eine kleine Auswahl zum Tag vor Allerheiligen:

Herkunft: Die evangelische Kirche feiert am 31. Oktober den Reformationstag – untrennbar verbunden mit Augustinermönch Martin Luther (1483 – 1546). Vor 500 Jahren begann die Reformation, die zur Spaltung der christlichen Kirche führte. Am 31. Oktober 1517, einen Tag vor Allerheiligen, soll er 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben. Darin kritisierte Luther die Ablasspraxis der Kirche. Sein Anliegen war die Wiederherstellung (Reformation) einer dem Evangelium gemäßeren Kirche.

Halloween geht auf eine keltische Tradition zurück. Der Name bezeichnet den Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve), an dem die Toten dem Volksglauben zufolge zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt wandeln. Mit irischen Einwanderern gelangte der Brauch in die USA, von dort später wieder zurück nach Europa. In Deutschland hat das Interesse an Halloween in den vergangenen Jahren zugenommen.

Halloween-Bräuche: Ausgehöhlte und von Kerzen beleuchtete Kürbisse mit frechen, lustigen oder gruseligen Fratzen stehen vor den Häusern. Kinder verkleiden sich und gehen von Tür zu Tür. Sie erbitten Süßes und drohen bei Ablehnung Saures an. Was als Spaß gedacht ist, macht inzwischen manchmal Ärger. Wenn verkleidete Kinder oder Jugendliche durch die Straßen ziehen und Eier oder Farbbeutel gegen Fenster und Hauswände werfen, ist der Spaß vorbei.

Kirchliche Angebote: Der Reformationstag ist in diesem Jahr wegen des Jubiläums in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag – sonst nur in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Neben Gottesdiensten macht die Kirche weitere Angebote, um vor allem junge Menschen am Reformationstag anzusprechen. An vielen Orten gibt es eine »ChurchNight«: Kirchen oder Gemeindehäuser sind in den Abendstunden geöffnet, es gibt Poetry Slams, sogenannte Luther-Rallyes oder Jugendandachten.

Verbindendes: Das Luther-Bonbon ist der kleinste gemeinsame Nenner des Tages. Damit greift die Kirche den Wunsch nach Süßigkeiten am Halloween-Abend auf, verpackt ihn aber in die Botschaft: Es ist Reformationstag. Ob Kinder beim Auswickeln und Lutschen der Bonbons diese Doppeldeutigkeit interessiert, bleibt dahingestellt.

Geteilte Ansichten: Halloween spaltet die Bevölkerung – zumindest die Erwachsenen. Nach einer repräsentativen YouGov-Umfrage ist fast die Hälfte der Befragten der Ansicht, das Gruselfest verdränge die deutsche Kultur.

Umsatz: In den Süßwarenabteilungen klingelt die Kasse. Nach Zahlen aus dem Jahr 2016 steigen die Umsätze in der Halloween-Woche im Vergleich zu Mitte November deutlich. Spezielle Halloween-Süßigkeiten spielen im Gegensatz zu Ostern oder Weihnachten aber keine große Rolle. Auch Karnevalsläden wittern ein Geschäft mit dem Gruselfest.

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