20. August 2017, 22:35 Uhr

Trauerfeier mit Applaus 70-Jährige aus Hessen stirbt bei Unfall im Osten Messerattacken in Wuppertal Polizei sucht nach Mord in Hamburg nach Zeugen Barfußläufer am Ziel In Nürnberg startet die Lebkuchen-Produktion Illegales Autorennen auf der Autobahn Stu

Es ist eine bewegende Trauerfeier, mit der sich die Gemeinde der Zirkusleute von den Opfern des Müllwagen- Unglücks verabschiedet. Die vorherrschenden Farben waren rosa und himmelblau – und es gab Applaus.
20. August 2017, 22:35 Uhr

Es ist eine Trauerfeier der besonderen Art. Rund 1500 Zirkus-Leute und Schausteller sind auf dem Friedhof nach Mötzingen bei Tübingen gekommen, um den Opfern des Müllwagen-Unglücks das letzte Geleit zu geben. Die fünf Toten finden in nur drei Särgen die letzte Ruhe. Ein Meer von Kränzen und Blumen schmückt die weißen Särge. »Uns bleiben fünf brennende Kerzen«, ruft Zirkusseelsorger Johannes Bräuchle den Trauergästen zu. »Ihre Show ist vorbei.«

Es sind bewegende Szenen, die sich an diesem Samstagnachmittag in Mötzingen (Kreis Böblingen) abspielen. Aus ganz Deutschland ist die Gemeinde der Zirkusleute und Schausteller angereist, Männer in schwarzen T-Shirts, viele mit auffallend muskulösen Armen, junge Frauen ganz in schwarz, die Gesichter versteinert. Von den »guten und frommen Zirkusleuten« spricht der Seelsorger in seiner kurzen Rede. Der kleine, nur wenige Wochen alte Junge liegt im Sarg seines Vaters, seine kleine Schwester im Sarg der Mutter. »Der letzte Vorhang, der schwarze Vorhang, ist gefallen«, sagt Bräuchle.

Es ist ein sonniger, warmer Spätsommertag in Mötzingen, der Himmel wölbt sich blau und hoch über dem Friedhof – nur wenige Kilometer entfernt war vor gut einer Woche ein tonnenschwerer Müllwagen bei Nagold außer Kontrolle geraten und hatte die junge Familie unter sich begraben. Die 25 Jahre alte Fahrerin, ihr Freund (22), die zweijährige Tochter und der nur wenige Wochen alte Sohn sowie die Schwester der Fahrerin (17) waren sofort tot.

Einige stammten aus der zweitgrößten deutschen Zirkusfamilie Frank, die bis vor einige Jahren den Zirkus Charles Monti betrieben hatte. Zuletzt waren die Opfer aber im Schaugewerbe der Monster-Trucks tätig.

»Unsere geliebten Kinder«, steht auf dem weißen, blumenübersäten Altar, vor dem der Pfarrer seine kurze Rede hält. Es ist ein riesiges Farben- und Blumenmeer: Es gibt mit Rosen bestückte Engel, eine kleine goldene Prinzessinnenkutsche, bunte Mickey-Maus-Figuren mit Luftballons – und die Wege, über die die Trauernden gehen, sind mit Rosenblättern und Palmwedel übersät. Die beherrschenden Farben sind Weiß, Rosa und Himmelblau, auch viel Gold ist dabei.

»Ihr wart so fröhlich und so gut, ihr starbt so früh, wie weh das tut!«, steht auf einem der Kränze. Es gibt ein ganzes Spalier von Kränzen. »Die Liebe ist stärker als der Tod«, steht auf einer anderen weißen Schleife geschrieben. Auch zwei Motorräder stehen vor dem Altar, dazu ein Plakat: »Monster Truck Show«.

Eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Musik bei der Beerdigung, kein Lied. Das sei Wunsch der Angehörigen gewesen. Dafür aber gibt es einen Abschluss mit donnernden Applaus. »Wir Zirkusleute leben vom Applaus«, ruft Seelsorger Bräuchle – beinahe frenetisch klatschen die Trauergäste für jeden einzelnen Toten. Die Show gehe im Himmelreich weiter, fügt Bräuchle hinzu. »Angel Show in Heaven«, nennt er das – die Show der Engel im Himmelreich. Zuletzt fliegen in Mötzingen weiße Luftballons in den Himmel, der hatte sich mittlerweile verdüstert, graue Wolken sind aufgezogen.

Kemberg/Coswig (dpa/lhe). Bei einem schweren Unfall in Sachsen-Anhalt ist eine 70 Jahre alte Frau aus Hessen gestorben. Ihr 75 Jahre alter Mann wurde schwer verletzt, wie die Polizeidirektion Nord am Sonntag mitteilte. Woher aus Hessen das Ehepaar stammt, sagte die Polizei nicht. Zwei Autos waren am Samstag auf der Bundesstraße 100 am Abzweig Kemberg/Bergwitz (Kreis Wittenberg) zusammengeprallt. In einem in Richtung Kemberg fahrenden Auto saßen zwei Familien aus Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Auf dem Rücksitz saßen die 70-Jährige und eine 43-jährige Frau sowie ein 13-jähriges Mädchen, alle drei starben. Der 47-jährige Fahrer und sein 75-jähriger Beifahrer wurden schwer verletzt. In dem zweiten an dem Unfall beteiligten Auto erlitten die 34-jährigen Fahrerin und ein 12-jähriger Junge schwere Verletzungen.

Wuppertal (dpa). Zwei Messerattacken mit einem Toten und zwei lebensgefährlich Verletzten haben die Polizei in Wuppertal am Wochenende in Atem gehalten. Beide Verbrechen haben demnach aber nichts miteinander zu tun. Nach dem ersten Angriff, bei dem am Freitag ein Mensch starb und einer nur knapp überlebte, nahm die Polizei zwei Jugendliche fest. Gegen die 14 und 16 Jahre alten Tatverdächtigen wurde Haftbefehl erlassen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Unabhängig davon gab es am Samstagabend in Wuppertal eine weitere folgenschwere Messerattacke vor einem Bistro. Dabei wurde ein 53-Jähriger lebensgefährlich verletzt. Er und der Angreifer sollen vorher gestritten haben. Passanten hielten den 42 Jahre alten Tatverdächtigen fest, bis die Polizei kam.

Hamburg (dpa). Nach dem tödlichen Schuss auf einen Mann in Hamburg-Eppendorf sind die Täter weiter auf der Flucht. Es habe sich noch keine heiße Spur ergeben, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Der Mann war am frühen Sonntagmorgen im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses erschossen worden. Seine Identität war zunächst unklar, er stamme vermutlich aus Süd-Ost-Europa, wie es weiter hieß. Der Leichnam wurde zur Obduktion ins Institut für Rechtsmedizin gebracht.

Einsiedeln (dpa). Nach einem Gewaltmarsch auf nackten Füßen über mehr als 2000 Kilometer ist Barfußläufer Aldo Berti erschöpft aber glücklich am Kloster Einsiedeln in der Schweiz eingetroffen. Mit Wanderstab und erhobenen Armen posierte er am Sonntag vor den Klostertoren: »Geschafft! 84 Tage – 12 Wochen – 2116,25 Kilometer«, postete er auf seiner Webseite. Jeden Schritt der fast dreimonatigen Wanderschaft hat er mit GPS-Daten genau aufgezeichnet. Schummeln gehe dabei nicht, sagte er.

Nürnberg (dpa). Mitten im Hochsommer haben die ersten Hersteller in Nürnberg mit ihrer Lebkuchenproduktion fürs Weihnachtsgeschäft begonnen. Das erste für die Advents- und Weihnachtsteller bestimmte Gebäck habe bereits Anfang August die Backstraßen passiert, berichteten Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur. In einem Unternehmen wurde die Produktion sogar schon Ende Juli hochgefahren. Der frühe Produktionsstart sei notwendig, weil der Einzelhandel die ersten Lebkuchen bereits Anfang September in seinen Regalen haben möchte, berichteten die Hersteller. In einigen Läden, etwa in einem Supermarkt im oberfränkischen Kulmbach, tauchten die ersten Lebkuchen sogar schon Anfang August auf.

Singen (dpa). Nach einem illegalen Rennen mit mehr als 20 Autos auf der Autobahn 81 bei Singen (Kreis Konstanz) sind zwei Raser von der Polizei gestoppt worden. Die Autofahrer hätten sich in der Nacht zum Sonntag mehrere Rennen geliefert, teilte die Polizei in Konstanz mit. Demnach bremsten die Raser die anderen Fahrer auf der Strecke aus, um sie auf Distanz zu dem illegalen Rennen zu halten. Bei einer anschließenden Fahndung stoppten die Beamten zwei Schweizer, die an dem Rennen beteiligt gewesen sein sollen. Nach den anderen Autofahrern werde noch gefahndet, sagte ein Polizeisprecher.

München (dpa). Heftige Unwetter über Süddeutschland und Österreich mit orkanartigen Sturmböen haben eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mehrere Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

Ein plötzlich einsetzender, starker Sturm riss in der Nacht zum Samstag in Österreich ein riesiges Festzelt um. Zwei Menschen wurden von herabstürzenden Gerüstteilen erschlagen. 120 Menschen wurden verletzt, 20 von ihnen schwer. Sachverstände prüften nach Angaben der Polizei, ob das Festzelt, in dem zum Unglückszeitpunkt 650 Menschen feierten, richtig verankert war. Am Sonntag läuteten in dem 2000-Einwohner-Örtchen St. Johann am Walde die Glocken für die beiden Todesopfer, einen 28-Jährigen und eine 19-Jährige.

Meteorologen hatten vor einer Schlechtwetterfront gewarnt, wurden aber nach eigenen Angaben von der Stärke der verheerenden Sturmböen überrascht. Das Unglück ereignete sich bei einem Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr in St. Johann am Walde rund 70 Kilometer südlich von Passau.

Im Landkreis Passau wütete ein Sturm so stark, dass Katastrophenalarm ausgelöst wurde. Landrat Franz Meyer (CSU) sprach am Sonntag von einem »schockierenden Schadensbild« und von einer »Veränderung des Landschaftsbildes in manchen Landkreisteilen«. Zwei Menschen starben dort bei Aufräumarbeiten. In Pocking fiel ein Mann vom Dach. Wie das Landratsamt am Sonntag mitteilte, seien jedoch gesundheitliche Probleme des 68-Jährigen der Auslöser des Sturzes gewesen. In Hauzenberg stürzte ein 94-Jähriger bei Aufräumarbeiten und starb später im Krankenhaus.

In Neustadt an der Donau fuhr ein Zug auf einen Baum. Die Einsatzkräfte mussten 20 Fahrgäste und den Zugführer befreien. Niemand wurde verletzt. Der Bahnverkehr war in Ober- und Niederbayern am Samstag auf vielen Strecken wegen Ästen und Bäumen auf den Gleisen beeinträchtigt. Sie blockierten auch etliche Straßen. Regen überflutete Unterführungen, der Sturm deckte Dächer ab. Teilweise fiel auch der Strom aus.

Wegen des Unwetters wurde die zweite Hälfte des Bundesliga-Auftaktspiels zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen verspätet angepfiffen. Beim Chiemsee-Summer-Festival mussten am Freitagabend wegen eines Unwetters etwa 60 Menschen medizinisch versorgt werden – darunter auch viele, die von den Ereignissen verängstigt waren und psychologische Betreuung in Anspruch nahmen, wie die Organisatoren mitteilten. 20 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, teilte ein Pressesprecher mit.

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