26. August 2019, 19:48 Uhr

Trüffel made in Germany

26. August 2019, 19:48 Uhr
Sieben Jahre nach Erstbepflanzung hat Woopee die ersten Trüffel gefunden. (Foto: dpa)

Alfeld (dpa). Fabian Sievers’ Trüffelplantage ist ein kleines Paradies: Grillen zirpen, Vögel zwitschern, am Hang gegenüber grasen Kühe. Rund 1000 Bäume hat Sievers vor sieben Jahren auf einem Acker im Leinebergland südlich von Hannover gepflanzt, etwa 750 davon waren mit Sporen von heimischen Burgundertrüffeln geimpft. Der 47-Jährige ist ein Pionier. Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Pilzforschern, Landwirten und Feinschmeckern, die den Trüffelanbau in Deutschland etablieren möchten.

Lange war vergessen, dass der Edelpilz mit dem betörenden Geruch auch in heimischen Wäldern an Baumwurzeln wächst. Weil er unter Artenschutz steht, darf er dort aber nicht gesammelt werden. Deshalb versuchen Trüffelbauern, ihn zu kultivieren - was eine Menge Geduld, Geschick und vor allem den richtigen Standort erfordert.

Die Haseln, Hain- und Rotbuchen, Linden, Eichen und Schwarzkiefern hat Sievers mit eigenen Händen gepflanzt. Als Begleitgehölze wählte er Wildkirschen und Felsenbirnen aus. »Ich imitiere die natürlichen Standorte und möchte es möglichst bunt und divers haben«, erklärt er, während er mit seiner Hündin Woopee - ein Lagotto Romagnolo - den Hang hinaufstapft. Knapp eine Woche zuvor ist das passiert, worauf der Trüffelbauer zwar hingefiebert, womit er aber noch gar nicht gerechnet hat. »Als Woopee plötzlich eine 80-Gramm-Knolle ausbuddelte, wusste ich nicht, ob ich schreien, lachen oder heulen sollte.« Auch unter einem zweiten Baum wurde der italienische Wasserhund fündig: insgesamt 375 Gramm des Pilzes.

In der Hierarchie steht die Weiße Trüffel aus der Gegend um das italienische Alba ganz oben, eines der teuersten Lebensmittel der Welt. Dahinter rangiert die französische Perigord-Trüffel. Für eine Burgundertrüffel könne man auf einem Wochenmarkt einen Euro pro Gramm verlangen, sagt Sievers. Irgendwann möchte er an seiner Plantage hinter einem Verkaufsstand stehen - ähnlich wie Erdbeer- oder Spargelbauern. Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg. Aus den ersten Funden will er wieder Impfstoff herstellen. Sievers lebt auch vom Verkauf von selbst gezogenen Trüffelbäumen und Beratungen rund um den Edelpilz. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die unermüdliche italienische Wasserhündin, die schon Dutzende Fundstellen in den Wäldern des Leine- und Weserberglandes entdeckte. »Ohne Woopee wäre ich nichts«, sagt Sievers.

Dass Diebe über den Zaun klettern und in seiner Plantage nach Trüffeln graben, fürchtet Sievers dagegen nicht. Die größten Feinde des niedersächsischen Trüffelbauern sind allerdings die Mäuse. Daher hat er mehrere Julen, also Ansitze für Greifvögel, aufgestellt.

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