24. August 2017, 20:54 Uhr

Bundestagswahl

Hacker, Bots und Fake News

24. August 2017, 20:54 Uhr

Was hört und liest man nicht alles von Cyber-Attacken und automatisierten Bots, von manipulierten Nachrichten und geleakten Informationen. Kommt es vor der Bundestagswahl noch zu Cyber-Angriffen? Oder wurde bereits bei anderen Gelegenheiten wie dem Bundestags-Hack 2015 brisantes Material abgesaugt, das nun pünktlich zum Wahl-Countdown veröffentlicht wird? Und was ist mit Fake News und Gerüchten, mit denen gezielt Stimmung gemacht werden kann?

»Die sozialen Medien zählen bei der Wahl 2017 zu den Herausforderungen«, sagte Bundeswahlleiter Dieter Sarreither kürzlich im dpa-Interview. Es bestehe die Gefahr, dass sich vor allem dort verbreitete Fake News im Wahlkampf auf die Wahlentscheidung auswirken könnten. Deshalb appelliert er: »Politik und die Medien sollten Vorsorge treffen und Informationen sehr sorgfältig prüfen.«

Ja, es gebe viele Aktivitäten von Bots, ja, es gebe Fake News, sagt auch Professor Simon Hegelich von der Hochschule für Politik an der TU München. Aber: »Im Moment haben wir keinen Hinweis darauf – und wir schauen uns das wirklich genau an –, dass irgendeine dieser Geschichten Einfluss auf die Meinungsbildung im Deutschland hat.« In den nächsten Jahren könne es aber freilich anders aussehen: »Die digitale Revolution wird die Demokratie absolut verändern.«

Szenarien durchgespielt

Aber nicht nur vor der Wahl, auch am Tag der Stimmabgabe selbst kann es theoretisch zu Manipulationen kommen. Denken wir uns folgendes Szenario aus: Der 24. September ist ein herrlicher spätsommerlicher Tag. Viele Menschen sind unterwegs, auf Ausflügen, in Biergärten. Im Internet, vielleicht sogar auf der Homepage des Bundeswahlleiters, kursiert die Nachricht »Aufgrund des schönen Wetters bleiben die Wahllokale bis 22 Uhr geöffnet«. Eine klassische Fake News – die Wahl dauert laut Bundeswahlordnung bis 18 Uhr.

Sollten zur Wahl gezielt platzierte Falschinformationen im Netz stehen, »dann reagieren wir über alle uns zur Verfügung stehenden Kanäle, auch über unseren zertifizierten Twitter-Account«, erklärt Bundeswahlleiter Sarreither. Die Vorbereitung auf die Bundestagswahl laufe in enger Abstimmung mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). »Solche Szenarien werden auch durchgespielt«, ergänzt deren Präsident Arne Schönbohm.

Das BSI bereitet sich seit August 2016 intensiv auf die Wahl vor. Zum einen wurden die Netze der Bundesverwaltung zusätzlich gesichert. Zum anderen berät und sensibilisiert die Bonner Behörde die Parteien. »Wir haben Penetrationstests durchgeführt, also Angriffe gegen die Parteien in deren Auftrag, um zu schauen, wo Schwachstellen sind«, sagt Schönbohm.

Austausch mit Netzwerken

Darüber hinaus tauscht sich das BSI mit Netzwerken wie Facebook und Twitter aus. Laut Schönbohm sind die Accounts zahlreicher Kandidaten inzwischen besonders geschützt. Und Facebook selbst gab gerade bekannt, dass im Vorfeld der Wahl Zehntausende Konten gelöscht wurden, die im Verdacht stehen, Falschinformationen oder irreführende Inhalte zu verbreiten. Jede Menge Überreaktionen? Wohl kaum. Wie angreifbar die Systeme sind, hat sich vor den Wahlen in den USA und Frankreich gezeigt.

BSI-Chef Schönbohm geht davon aus, »dass unsere Vorbereitungen ausreichen, auch weil wir frühzeitig damit begonnen haben«. Es sei ein bisschen wie bei den Olympischen Spielen. »Man bereitet sich gründlich vor, man trainiert intensiv. Mehr kann man nicht tun.«

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