13. Oktober 2017, 22:30 Uhr

Frankfurt ist ein Lesefest

Die internationale Buchmesse belebt wieder einmal die Mainmetropole. Doch nicht nur in den Messehallen drängt sich das Publikum. Die Veranstaltungsreihe »Open books« der Stadt Frankfurt erweist sich als Publikumsmagnet. Das städtische Lesefest stellt die interessantesten Neuerscheinungen des Bücherherbstes bei vielen Lesungen rund um den Frankfurter Römer vor.
13. Oktober 2017, 22:30 Uhr
Die Frankfurter Buchmesse ist wieder ein Magnet für Literaten, Verleger und Leseratten. Doch auch außerhalb der Hallen gibt es Literatur zu entdecken. Zum Beispiel beim Lesefest »Open books« auf dem Römerberg. Dort kam es auch zum Dialog zwischen den Generationen: Die 77-jährige Grande Dame Annie Ernaux freut sich über die Begegnung mit Bestsellerautorin Marie NDiaye (kl. Foto). (Fotos: no/dpa)

Frankfurt ist im literarischen Ausnahmezustand: Die sich mehr und mehr nach Leipziger Vorbild dem Publikum zuwendende Buchmesse, die sich in diesem Jahr mit Frankreich einen kongenialen Ehrengast geladen hat, strahlt vollends übers Messegelände hinaus in die Stadt ab. Kaum ein Verlag, der nicht seine ganz prominenten Zugpferde auffährt.

Die Franzosen stehen dem nicht nach: Wer im Literaturbetrieb der Nachbarn Rang und Namen hat, schlägt am Main auf – bevorzugt mit dem Hochgeschwindigkeitszug. Und ist überrascht, wie etwa die Pariserin Lorraine Fouchet (61), die am Stand von Hoffmann und Campe ihren Bretagne-Roman »Ein geschenkter Anfang« vorstellte: Frankfurter Schnitzel mit Grün’ Soß sei sehr schmackhaft gewesen. Allabendlicher Treffpunkt zahlloser Frankfurter und Besucher ist der Römerberg mit der Rathausillumination, einem Geschenk der Partnerstadt Lyon. Damit werden – letztmals am heutigen Samstag bis 23 Uhr – neue Maßstäbe gesetzt. Gelesen wird auch rundum; etwa im großen Saal und unterm Panoramadach der neuen Evangelischen Akademie, gelegen auf halbem Weg zum Eisernen Steg.

Stichwort »Open books«. Das ist eine bemerkenswerte Veranstaltungsreihe der Stadt Frankfurt, die sich an Erwachsene wie – namentlich heute und morgen – an Kinder gleichermaßen wendet.

Ja, ein Lesefest ist es. Am Donnerstag beispielsweise war’s (bei freiem Eintritt fürs Publikum) ein Schaulaufen angesagter französischer Autoren. Die in Paris und Berlin lebende Jungautorin Marie NDiaye stellte ihren (am vergangenen Samstag auf unserer Bücherseite platzierten) Bestseller »Die Chefin« vor. Laila Slimani unterbreitete harte Kost: »Dann schlaf auch du«.

Ebenfalls vor übervollem Haus begründeten Didier Eribon (»Rückkehr nach Reims«) und die Grande Dame der französischen Literatur, Annie Ernaux, warum sie schreiben mussten, um nicht länger unter ihrer »sozialen Scham« zu leiden. Beider Soziobiografien sind beste Beispiele für hochkarätige, sehr eigenständig verfasste Erinnerungsliteratur. Erfolgreich sind sie und sie werden – namentlich im Fall von Eribon – heftig diskutiert.

Heute und morgen soll die Sonne scheinen in Frankfurt, künden die Wetterfrösche. Allein das ein Grund, die Metropole aufzusuchen und zu tun, was man sich »früher« nicht traute: Schlendern, flanieren, gehen und schauen – und dort einkehren, wo sich alles ums gute Buch dreht. Im Römer und in der Evangelischen Akademie, im Haus am Dom und beim Kunstverein (Angebot unter www.openbooks-frankfurt.de ).

»Bookfest Night« im Bahnhofsviertel

Auch das gibt’s: Heute um 18 Uhr beginnt eine »Bookfest Night« im gesamten Bahnhofsviertel: Gemeinsam mit der Initiative der Gastronomen Frankfurt öffnen die Bars und Restaurants des Quartiers ihre Türen für die Literatur (www.bookfest.de ). Nicht zu vergessen: Heute noch ankert am »Nizza« das 60 Jahre alte und umgebaute Lastboot »L’Ange Gabriel«, ein schwimmender Buchsalon. Dorthin laden französische Autoren zu Apéritif-Lesungen und literarischen Begegnungen ein. Und dann ist ja auch noch die eigentliche Messe, von der Ulrich Wickert auf die Frage einer Journalistin sagte, sie sei so gut wie lang nicht mehr. Dem konnte für den Moment nicht widersprochen werden.

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