20. Februar 2017, 20:25 Uhr

Haftstrafen für Kunsträuber in Paris Mutige Frauenporträts Ohne Schlauchboot-Optik Musikpreis für Ringsgwandl Eidinger verkörpert Bertolt Brecht Scartazzinis Oper »Edward II.« uraufgeführt Aufbruchstimmung beim Rheingau-Musik-Festival Harald Schmidt sagt

Zwei starke Frauen. Und ein starker Mann auf der Suche nach Asyl. Dazu ein großes romantisches Orchester und Massenchorszenen. »Die Trojaner« von Hector Berlioz haben Operngeschichte geschrieben. Gelingt das auch der Neuinszenierung von Eva-Maria Höckmayr in Frankfurt?
20. Februar 2017, 20:25 Uhr
von Trotta

Mehr als sechs Jahre nach dem spektakulären Kunstdiebstahl in Millionenhöhe aus einem Pariser Museum sind drei Männer zu mehrjährigem Freiheitsentzug verurteilt worden. Die höchste Haftstrafe von acht Jahren bekam der 49-jährige Dieb. Zwei Hehler erhielten sieben beziehungsweise sechs Jahre, wie die französische Nachrichtenagentur AFP gestern berichtete. Bei dem Einbruch in dem städtischen Museum für moderne Kunst im Mai 2010 waren fünf Meisterwerke von Picasso, Matisse, Modigliani, Léger und Braque entwendet worden. Ihr Wert wird auf rund 109 Millionen Euro geschätzt. Von den Bildern fehlt bislang jede Spur.

Ihr bisher letzter Spielfilm, »Die abhandene Welt«, kam 2015 in die Kinos und wurde ein Erfolg bei Publikum und Kritik. Neue Projekte sind in Arbeit. Margarethe von Trotta, Deutschlands international bekannteste Regisseurin, gibt nicht auf. Immer wieder bestätigt sie jene Haltung, die eine Fernsehdokumentation zu ihrer Arbeit einmal klug im Titel zusammengefasst hat: »Die Lust zu kämpfen – die Kraft zu lieben«.

Die am 21. Februar 1942 in Berlin geborene Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin mit Wurzeln in einem alten baltischen Adelsgeschlecht beschäftigt sich in ihren Filmen immer wieder mit starken, kämpferischen Frauen. Ein für sie unerschöpfliches Thema, das sie stets dazu nutzt, über Einzelschicksale gesellschaftliche Entwicklungen zu spiegeln.

Ihre bekanntesten Filme sind das von den Biografien der Schwestern Ensslin angeregte Kammerspiel »Die bleierne Zeit« (1981), die Filmbiografien »Rosa Luxemburg« (1985) und »Hannah Arendt« (2012) sowie das Anti-Nazi-Drama »Rosenstraße« (2003). Weltweit bekam sie viele Auszeichnungen. Ihre deutsch-deutsche Liebesgeschichte »Das Versprechen« (1995) errang gar eine Oscar-Nominierung in der Kategorie »Bester ausländischer Film«.

Begonnen hat Margarethe von Trotta ihre künstlerische Laufbahn als Schauspielerin – bei Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Reinhard Hauff und Herbert Achternbusch. 1975 kam der Durchbruch zur großen Bekanntheit mit Kodrehbuch und Koregie neben ihrem langjährigen zweiten Ehepartner Volker Schlöndorff zur Kino-Adaption des Romans »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« von Heinrich Böll.

Sie hat in ihren Filmen vielen deutschen Aktricen deren besten Rollen gegeben. Stars wie Angela Winkler, Hanna Schygulla, Katja Riemann und vor allem Barbara Sukowa verdanken Margarethe von Trotta einige ihrer eindrucksvollsten Filmauftritte.

Das große Publikum hat die Filme der Regisseurin fast ausnahmslos geschätzt. Die Kritik war ihr nicht immer gewogen. Die heftigen Anwürfe gegen ihren Film »Heller Wahn« (1983) in Deutschland hat von Trotta als »richtiggehend sexistisch« empfunden, wie sie Jahre später in einem Gespräch gestand. »Wenn sie gekonnt hätten, hätten sie mich gelyncht.« Dann wurde das Drama um eine Frauenfreundschaft von der New Yorker Szene-Zeitung »Village Voice« zu den zehn besten Filmen des Jahres gekürt. »Das hat mich auch wieder getröstet.«

Noch viele Ideen

Als Außenseiterin jedoch hat sich Margarethe von Trotta in Deutschland nie gefühlt. »Ich gehöre dazu, genauso wie Schlöndorff oder Herzog oder Wenders – wir gehören dazu«, sagte sie einmal. »Gewürdigt werden wir nicht immer. Aber damit muss ein Künstler leben können. Natürlich will man geliebt werden, auch vom eigenen Land möchte man anerkannt und verstanden werden.« Ihre Haltung: »Man muss sich treu bleiben.« Die Künstlerin, die heute überwiegend in Paris und München lebt, begegnet dem Alter mit Arbeit. So sagte sie vor einiger Zeit in einem Interview: »Ich will natürlich weiter Filme machen, solange ich atmen, denken und laufen kann. Ich habe noch Ideen.«

Man könnte und muss ja »Die Trojaner« mit dem aktuellen Weltgeschehen und der Asylfrage verknüpfen. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr tut es nicht. Sie setzt in ihrer Frankfurter Neuinszenierung der Oper von Hector Berlioz auf monumentale Bilder, die zum monumentalen Sound der Komposition passen. Da stört die Schlauchboot-Optik nur, obwohl die Trojaner durchaus Asylsuchende sind, wenn sie in Karthago, also in Tunesien landen, um von dort aus nach Italien zu schippern. Nicht umsonst heißt es im Schlusssatz des zuletzt 1983 am Main aufgeführten Werks: »Noch Ungeborene werden einst blutig uns rächen.«

Es sind also schon vor dem ersten Vorhang Assoziationen geweckt, die nicht erfüllt werden. Höckmayr stellt mit Kassandra und Dido die beiden weiblichen Hauptfiguren in den Mittelpunkt ihrer historischen Betrachtung. Bühnenbildner Jens Kilian zimmert einen Palastsaal als nobles Wohnzimmer der Gutbetuchten und ein im Vorfeld angepriesenes sieben Meter hohes Trojanisches Pferd, das bei näherem Betrachten eher wie ein zu groß geratenes Kinderspielzeug wirkt. Die Videosequenzen von Bert Zander sind verzichtbar. Die Tänzer passen besser ins antike Bild (Choreografie: Martin Dvorak).

Saskia Rettig steckt die männlichen Trojaner in Anzüge mit kurzen Hosen, was von einer gewissen postpubertären Pfadfinderseligkeit kündet. In Karthago tragen sie dann lange Beinkleider, womöglich sind die Herren dort der Zivilisation schon einen Schritt näher. Die Gewänder der Frauen haben Format, während die Chöre in bonbonsüßen Pastelltönen umherwandeln.

Das harmoniert mit den Klangfarben, die Berlioz per dickem Pinsel aufträgt. Er setzt in den Massenszenen auf diesen pastosen, aber immer charmanten französischen Schmelz, den Dirigent John Nelson im ersten Teil, also in den Akten eins und zwei, stilsicher einzufangen vermag. Wenn die Chöre gemeinsam mit den Solisten den Tod Laokoons besingen, ist auch das große romantische Orchester (Nelson lässt mit 14 ersten Geigen und sechs Harfen aufspielen) bis zum Anschlag gefordert. Mehr geht an einem Abend nicht. In Opernabschnitt zwei, den Akten drei bis fünf, verlieren die Blechbläser etwas an Motivation und der Komponist bietet dem Dirigenten weniger Knalleffekte, mit denen er punkten kann.

Die Götter bleiben im Gegensatz zur Vergilschen Vorlage im Hintergrund. Die Menschen machen ihre Fehler ganz allein. In Frankfurt etwa fallen sie im Publikum auf den deklamierenden Tenor herein und gewähren Bryan Register als Einzigem einen allerdings spärlich zu nennenden Zwischenapplaus. Register lässt als Aeneas zwar ein paar beachtliche Töne hören, sein Französisch aber wirkt in der Mittellage so nasal, dass es das Klangbild schmälert. Mezzosopranistin Claudia Mahnke ist eine solide Dido. Sie findet an diesem Abend ihre Meisterin in Stimmfachkollegin Tanja Ariane Baumgartner. Ihr ist die Rolle der Kassandra auf den Leib geschrieben. Und natürlich sind die Massenchorszenen unerreicht. Am Ende gibt es bei der Premiere am Sonntag lang anhaltenden Applaus für Musiker und Sänger sowie Buhrufe für das Regie-Team.

Der Deutsche Weltmusikpreis Ruth geht in diesem Jahr an den bayerischen Liedermacher und Kabarettisten Georg Ringsgwandl. Der in Bad Reichenhall geborene Künstler besitze die Fähigkeit, die Eigenheiten seiner bayerischen Heimat seinen Landsleuten vor Augen zu führen und sie auch den Nichtbayern verständlich zu machen, begründete die Jury gestern ihre Entscheidung.

Beim Förderpreis fiel die Wahl auf die Gruppe Banda Internationale, zu der sich in Dresden Musiker aus Deutschland, Iran, Irak, Syrien und Burkina Faso zusammengetan haben. Der Weltmusikpreis Ruth ist mit insgesamt 11 500 Euro dotiert.

Der Schauspieler Lars Eidinger (41) wird für einen Kinofilm als Dramatiker Bertolt Brecht (1898-1956) vor der Kamera stehen. Der Regisseur Joachim A. Lang verbindet in »Brechts Dreigroschenfilm« die legendäre »Dreigroschenoper« mit der Entstehungsgeschichte von Brechts Filmtreatment, wie es in der Ankündigung vom Montag heißt. »Der Staub, der sich seit Jahrzehnten über den Klassiker gelegt hat, wird entfernt, der Haifisch bekommt wieder Zähne«, versprechen die Macher. Die Geschichte spielt im Berlin der 20er Jahre.

Neben Eidinger sind viele weitere Stars dabei: Tobias Moretti (Macheath), Hannah Herzsprung (Polly), Joachim Król (Peachum), Claudia Michelsen (Frau Peachum), Robert Stadlober (Kurt Weill) und Max Raabe (Moritätensänger). Die Dreharbeiten starten am 3. März in Baden-Württemberg und dauern bis Ende April. Weitere Drehorte sind Berlin und Belgien. Der Film soll 2018 ins Kino kommen.

Um Brecht geht es auch in einem ARD-Zweiteiler, den der Regisseur Heinrich Breloer dreht. In dem Dokudrama spielt Burghart Klaußner den Dichter.

Die Uraufführung der Oper »Edward II.« des Schweizer Komponisten Andrea Lorenzo Scartazzini ist am Sonntag in Berlin mit großem Beifall aufgenommen worden. Mit seiner Auftragsarbeit für die Deutsche Oper Berlin brachte der 1971 in Basel geborene Scartazzini damit sein drittes Werk fürs Musiktheater auf die Bühne.

Im Mittelpunkt der Oper, die auf ein Stück des englischen Dichters Christopher Marlowe (1564-1593) zurückgeht, steht der mittelalterliche König Edward II. (1284-1327). Regisseur Christof Loy lässt in Einzelbildern das Leben des Königs Revue passieren – von der wachsenden Entfremdung seiner Frau Isabella, über die Albträume Edwards bis zu seiner Ermordung.

In seiner 30. Auflage ist das Rheingau-Musik-Festival in diesem Sommer wieder bei zahlreichen Kirchen, Weingütern und Schlössern zu Besuch. Mehr als 40 Spielstätten sind vom 24. Juni bis 2. September Gastgeber für eines der größten Musikfestivals in Deutschland. Die geplanten 155 Konzerte stehen unter dem Motto »Aufbruch«, wie die Festivalleitung am gestern in Oestrich-Winkel im Rheingau mitteilte.

Allein ein halbes Dutzend mal wird der Pianist Igor Levit zu hören sein. Er ist Residenzkünstler des Festivals. Zudem stehen die Sängerin Anna Lucia Richter und der Jazz-Pianist Michael Wollny im Fokus. Hauptveranstaltungsorte sind das Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg und Schloss Vollrads im Rheingau sowie das Wiesbadener Kurhaus. Als neue Spielstätten konnten die Casino-Gesellschaft und die Ringkirche in Wiesbaden, der Domplatz in Geisenheim sowie die Kulturhalle King im rheinhessischen Ingelheim gewonnen werden. Für alle Veranstaltungen zusammen gibt es 125 000 Eintrittskarten, die Gesamtkosten des Festivals summieren sich auf acht Millionen Euro.

TV-Entertainer Harald Schmidt hat seine Rolle im neuen Schwarzwald-»Tatort« überraschend abgesagt. Für seine Entscheidung habe Schmidt persönliche Gründe angeführt, teilte der Südwestrundfunk (SWR) gestern in Baden-Baden mit. Davon habe man erst am Wochenende erfahren, sagte ein SWR-Sprecher. »Wir sind äußerst betroffen und bedauern das sehr, respektieren aber Harald Schmidts Entscheidung«, sagte SWR-Filmchefin Martina Zöllner laut Mitteilung. Die Dreharbeiten würden aber wie geplant am 7. März beginnen. Schmidt war die Rolle von Kriminaloberrat Gernot Schöllhammer zugedacht gewesen – sie wird nun gestrichen.

Die ARD ersetzt mit dem Schwarzwald-»Tatort« den Bodensee-»Tatort« in Konstanz, der 2016 ausgelaufen war. Das Drehbuch werde nach der Absage Schmidts nun bis zum Beginn der Dreharbeiten angepasst, sagte eine SWR-Sprecherin. An der Drehzeit von fünf Wochen werde sich nichts ändern. Gespielt werden die neuen SWR-Ermittler von Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner.

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