15. Februar 2017, 18:32 Uhr

Hier spielt die Musik

15. Februar 2017, 18:32 Uhr
Besonders beliebt: Singen in Gemeinschaft, wie hier die Chorakademie der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. (Foto: dpa)

Mehr als drei Millionen Menschen musizieren in Deutschland in einem Chor, einer Instrumentalgruppe oder einem Orchester. Umgerechnet sind das 38 von 1000 Einwohnern in Deutschland, die entweder professionell als Berufsmusiker oder als Laien organisiert Musik machen. Das hat das Statistische Bundesamt nun erstmals ausgerechnet.

Profis sind die wenigsten: Knapp 70 000 Menschen verdienen ihr Geld als Sänger oder Musiker, Dirigent oder Komponist. Wenig, verglichen mit den mehr als zwei Millionen Laien in Chören oder Musikensembles und der knappen Million an Musikern und Sängern in der Kirchenmusik.

Wer morgen Musik machen will, muss heute ein Instrument lernen. Fast eineinhalb Millionen Menschen besuchen dafür eine Musikschule. »Das beliebteste Instrument ist das Klavier«, sagt Claudia Wanner vom Verband deutscher Musikschulen (VdM). Danach folgen Gitarre und Geige. Darüber, dass die Schüler ausbleiben, können die Anbieter nicht klagen. Vor zehn Jahren hatten die im VdM organisierten Schulen 1,08 Millionen Schüler, heute sind es etwa 1,4 Millionen. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, eröffnen immer mehr private Musikschulen. Neben 930 öffentlichen gibt es rund 340 private Musikschulen.

Da gibt es zum einen die öffentliche Musikschule, wo der Unterricht in der Regel günstiger ist, weil die Kommune kräftig was dazu zahlt. Und da gibt es die private Musikschule, die keinen Cent aus Steuergeldern bekommt und daher von Schülern höhere Preise verlangen muss und den Lehrern weniger zahlen kann. »Dumpingpreispolitik« nennt das Mario Müller vom Bundesverband der Freien Musikschulen.

Das Budget, das aus dem Stadtsäckel in die Förderung der Musikschulen fließt, ist begrenzt – und daher auch die Zahl der Plätze. In Großstädten gibt es oft lange Wartelisten. In Frankfurt wurde kürzlich einem Klavierlehrer gekündigt, weil das Kontingent der Schule ausgeschöpft war – und seinen Schülern gleich mit.

»Jeder, der zu uns kommt, bringt Geld«, sagt Müller, der in Bonn eine freie Musikschule betreibt, »jeder, der zu einer städtischen Musikschule geht, kostet Geld.« Sein Verband fordert: »Fördert die Kinder und nicht die Institution.« Dann könnte man das öffentliche Geld nämlich auch so verteilen, dass es zuerst jenen Schülern zugute kommt, deren Eltern sich Musikunterricht nicht leisten können.

Ein Problem, das private und öffentliche Musikschulen eint, ist die Suche nach qualifizierten Lehrern. 52 000 Personen arbeiten der Statistik zufolge als Musikpädagogen. Sie für die Breitenausbildung zu gewinnen, sei schwierig. »Die meisten wollen auf die Bühne«, meint Müller. »Lehrer an Musikschulen verdienen zu wenig«, findet Wanner.

Wie viel Geld Land, Stadt oder Kreis in Musikschulen investieren, ist unterschiedlich. Der Verband deutscher Musikschulen kämpft darum, dass das Volumen nicht schrumpft. Denn die Nachfrage ist da: von der musikalischen Früherziehung im Kleinkindalter bis zur Vorbereitung auf das Konservatorium.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Berufsmusiker
  • Chöre
  • Instrumentalensembles
  • Musikschulen
  • Musikverein Griedel
  • Musizieren
  • Statistisches Bundesamt
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen