23. Juli 2017, 21:01 Uhr

Mozart in Reinkultur

23. Juli 2017, 21:01 Uhr
Alina Pogostkina spielte beeindruckend wie immer. (Foto: rw)

Bei den Weilburger Schlosskonzerten gehört Alina Pogostkina zu den künstlerischen Stammgästen: 2010 beeindruckte die junge deutsche Geigerin mit feinsinniger Beethoven-Interpretation, ein unbekanntes Mozart-Violinkonzert stellte sie Ende Juni 2014 in der Schlosskirche vor. Die beiden ersten Mozart-Violinkonzerte standen 2016 auf dem Weilburger Programm, nun folgte der zweite Teil mit den Konzerten Nr. 3, 4 und 5. Die aus St. Petersburg stammende 33-jährige Musikerin gewann 2010 den Sibelius-Wettbewerb und hat seitdem die Konzertbühnen der Welt erobert. Am Samstagabend überzeugte sie ihr Publikum im Renaissancehof unter blauem Abendhimmel.

Mit dem versierten Württembergischen Kammerorchester Heilbronn ist Pogostkina vertraut, sodass homogenes Zusammenwirken garantiert war: denn die Violinistin trat gleichzeitig als Kapellmeisterin auf und inspirierte das Ensemble mit suggestiver gestischer Eleganz vom Solistenpult aus. Ergebnis waren beste Kommunikation und klangliche Kongruenz, und die drei Konzerte wurden zum Ohrenschmaus mit feinsten Zutaten wie freien Verzierungen und stilsicheren Kadenzen. Eine synästhetische Einheit mit der Musik bildete übrigens die Robe der Künstlerin in Lachsrot: asymmetrische Korsage, die dem Streicharm alle Freiheiten ließ, und ein raffiniert plissierter langer Rock, dessen Fältelungen wie Feuerflammen mitschwangen – ein bezaubernder Anblick, der das lebendige Klangbild durchaus unterstrich.

Alle drei Konzerte schrieb Mozart als kaum 20-Jähriger 1775. Nr. 3 G-Dur erklang im Allegro deutlich phrasiert, ein beseeltes Adagio mit zarter Kadenz gefiel ebenso wie der mit volkstümlichen Elementen durchsetzte dritte Satz. Das eher selten gespielte 4. Konzert D-Dur wirkte plastisch und tänzerisch, lieblich-träumerisch im Andante und im Rondeau humorvoll-unbeschwert.

Sinn für knackige Rhythmik

Mit dem 5. Konzert A-Dur, das zu den Prüfsteinen beim Vorspielen gehört, rundete sich das Mozart-Erlebnis des »reinen Tons« in Vollendung. Das Allegro Aperto bestach mit ungewohnten Betonungen und verhaltenem Tempo zu Beginn, dynamischer Differenziertheit und Sinn für knackige Rhythmik in leichtfüßig alla turca intonierten Einschüben im dritten Satz. Neben »tempo di menuetto« ließen die Janitscharen grüßen. Auch hier entzückte ein dahingetupfter Ausklang.

Um nicht ganz Mozart zu verfallen, waren zwei Sätze aus dem Concerto per archi von Nino Rota (1911-1979, Filmmusik »Der Pate«) zwischen die beiden ersten Konzerte geschaltet, in denen das Orchester allein spielte. Spannend, motorisch-energievoll und atmosphärisch dicht in genauer Ausleuchtung des geisterhaft tanzenden Scherzos, bewiesen die Heilbronner in jeder Instrumentengruppe Souveränität. Der Schlussbeifall galt einem höchst genussvollen Erlebnis; Solistin und Orchester dankten mit einer Zugabe. Extra-Jubel für Alina Pogostkina mit ihrer Stradivari. Olga Lappo-Danilewski

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