06. Oktober 2017, 18:29 Uhr

Roter Teppich für Literatur-Stars

06. Oktober 2017, 18:29 Uhr

Juergen Boos, langjähriger Chef der Frankfurter Buchmesse, hat einen Traum: So wie auf der Berlinale alljährlich den Filmstars im Februar der rote Teppich ausgerollt wird, so sollte Frankfurt dann im Oktober die Großen der Literaturszene feiern. Boos will die weltweit wichtigste Leitmesse der Branche (Eröffnung am 10. Oktober) fürs lesende Publikum attraktiver machen. Das hat immer erst nach den Fachbesuchern an den letzten beiden Tagen Zugang.

Dieses Jahr wird nun Dan Brown, der mit seinen Büchern zu den Megasellern im globalen Markt gehört, am Messe-Samstag vor 2000 Leuten seinen neuen Thriller vorstellen. »Wir wollen das in den nächsten Jahren massiv ausbauen«, kommentiert Boos den einzigen Auftritt Browns in Deutschland, den die Messe zusammen mit dessen deutschem Verlag organisiert.

Dass die Messe so stark um den Leser buhlt, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen rückt das alte Kerngeschäft wieder in den Vordergrund, da sich der digitale Hype ums E-Book im Buchgeschäft inzwischen gelegt hat. Der Umsatzanteil von E-Books in Deutschland liegt gerade mal bei etwas mehr als fünf Prozent – im vergangenen Jahr war die Zahl der Käufer von digitalen Büchern sogar erstmals wieder rückläufig. »Auch nach 500 Jahren bleibt das Buch eine geniale und ausgereifte Innovation«, sagt Ronald Schild von der MVB, der für die Umsetzung der Digitalisierung zuständigen Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er hatte dem E-Book vor einigen Jahren selbst eine weit schnellere Entwicklung zugetraut, wie er einräumt.

In Deutschland wird außerdem der direkte Kontakt zum Leser immer wichtiger. »Der Autor verlangt immer mehr, dass er auch sein Publikum trifft«, glaubt Boos. Sogar Kleinstädte organisieren heute Literaturfestivals. Zugleich sind die lit.Cologne oder das Berliner Literaturfest zu hochkarätig besetzten Veranstaltungen mit Weltstars der Szene geworden, zu denen Zehntausende Besucher kommen. Das setzt die Buchmesse unter Druck. Boos sieht sich zwar nicht in Konkurrenz zu anderen Festivals. Die Messe müsse aber gemeinsam mit den Verlagen auf die neue Situation reagieren.

Rund 1000 Autoren und schreibende Prominente kommen dieses Jahr wieder auf die Messe. Neben Brown gehören dazu unter anderem Margaret Atwood, Ken Follett, Paula Hawkins, Sebastian Fitzek sowie Michel Houellebecq und Yasmina Reza aus Frankreich. Fast 200 Schriftsteller aus der gesamten frankophonen Welt sind vertreten. Der Ehrengast hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den gesamten französischsprachigen Sprachraum abzubilden bis nach Afrika oder Haiti.

Von dieser Vielfalt kann die Messe nur profitieren – genauso wie von der bereits im vergangenen Jahr wieder spürbar stärker gewordenen politischen Agenda. So soll das Thema Meinungsfreiheit – zum Beispiel in der Türkei – erneut einen Schwerpunkt auf der Messe bilden.

Für die erwarteten 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern steht aber wie immer das Geschäft im Vordergrund – mit der Digitalisierung weiter im Fokus. Frankfurt ist auch weltweit der wichtigste Handelsort für Buchlizenzen. In dem eigens für Literaturagenten reservierten Zentrum wurden 500 Tische verkauft – ein Rekord. Diese führende Stellung will die Messe unter Beweis stellen: Für den Eröffnungstag hat man als Redner den Chef von Penguin Random House, Markus Dohle, verpflichtet. Der weltweit führende Verlagskonzern gehört mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern. Auch die im vergangenen Jahr begonnene Zusammenarbeit mit den Bereichen Kunst, Design und Mode will die Messe fortsetzen. Unter dem Motto »The Arts+« will dort das Künstlerkollektiv robolab vom ZKM Karlsruhe seinen Roboter »manifest« präsentieren.

Am nächsten Wochenende stürmt dann das Lesepublikum die Messe: Der Vorverkauf ist so gut angelaufen, dass mit einer Steigerung der Besucherzahlen gerechnet wird. Das Kalkül der Messe, mehr Publikum zu gewinnen, könnte also aufgehen. Allerdings bleibt die Frage, wie die zusätzlichen Besucherströme kanalisiert werden sollen. Schon jetzt ist am Wochenende in einigen Hallen und an Rolltreppen oft kein Durchkommen mehr.

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