23. April 2020, 20:42 Uhr

Böse Hexe, gute Hexe

Sie wollen Kinder fressen und verzaubern Menschen in ein Tier oder einen Stein: Hexen wurden früher in Geschichten als böse beschrieben. Heute denken sich Autorinnen und Autoren lieber nette Hexen aus. Warum ist das so?
23. April 2020, 20:42 Uhr
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Von DPA
Hexen kommen in vielen Geschichten vor. FOTO: DPA

Bibi Blocksberg, Hexe Lilli oder Hermine aus »Harry Potter«: Diese drei Hexen kann man sich gut als Freundinnen vorstellen. Sie sind freundlich, setzen sich für andere ein und hexen nur gute Sachen.

Ganz anders drauf ist die Hexe im Märchen Hänsel und Gretel, die den armen Hänsel aufessen will. In anderen Märchen verwandelt eine Hexe die Menschen in einen Frosch, ein Reh, einen Baum oder einen Stein. Früher waren die Hexen in den Geschichten oft gemein und böse. Heute sind sie hingegen oft richtig nett. Warum ist das so?

Eine Antwort darauf weiß Jana Mikota von der Universität Siegen. Sie ist eine Expertin für Bücher und Geschichten. »Hexengeschichten gibt es schon sehr, sehr lange«, erzählt sie. »Die Menschen stellten sich eine Hexe früher so vor wie die Hexe in Hänsel und Gretel. Sie war ein Schreckgespenst, das Kindern Angst machte.«

Auch sahen die Hexen in den Geschichten oft ungewöhnlich aus. Die typische Hexe hatte einen buckligen Rücken, eine Warze auf der Hakennase und eine schwarze Katze. »Hexengeschichten sollten Kinder dazu bringen, zu gehorchen und etwas Verbotenes nicht zu tun, zum Beispiel, in den Wald gehen«, erklärt Jana Mikota. Denn im Wald lauerte die böse Hexe.

Doch dann erschien vor etwa 60 Jahren eine Geschichte, die ganz anders war als die Hexengeschichten zuvor: »Die kleine Hexe« von Otfried Preußler. Dieser Autor hat viele berühmte Kinderbücher geschrieben, auch »Räuber Hotzenplotz« und »Das kleine Gespenst«.

Die kleine Hexe von Otfried Preußler ist nicht böse, im Gegenteil. Sie hilft armen Menschen und Tieren. Und sie bringt zwei Kinder, die sich im Wald verirrt haben, wieder nach Hause. Otfried Preußler hat später erzählt, dass er die kleine Hexe für seine Töchter erfunden hat, die sich eines Abends plötzlich vor bösen Hexen fürchteten.

»Die Geschichte von Otfried Preußler hat das Hexenbild stark beeinflusst«, erklärt Jana Mikota. Die kleine Hexe wurde zum Vorbild für viele andere Hexengeschichten. Von nun an waren Hexen immer öfter Freundinnen, die Kindern halfen. Sie sollten den Kindern nichts mehr beibringen, sondern waren stattdessen bei Problemen für sie da. Heute sind die Hexen meist hilfsbereit, sympathisch und lustig.

Und noch etwas haben viele Hexenfiguren gemeinsam, sagt Jana Mikota. »Sie kennen sich sehr gut mit der Natur aus und können wertvolles Wissen weitergeben, zum Beispiel über Kräuter und Pflanzen.« Böse Hexen gibt es zwar in einigen Geschichten weiterhin, schließlich sorgen diese für Spannung. »Aber am Ende gewinnt die gute Hexe«, sagt Jana Mikota.



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