12. Mai 2020, 18:16 Uhr

Käfer-Alarm im Wald

An warmen Frühlingstagen schlagen sie sich im Wald die Bäuche voll. Einen Picknickkorb brauchen sie nicht, denn es geht hier nicht um hungrige Spaziergänger - es geht um kleine braune Käfer, die Borkenkäfer.
12. Mai 2020, 18:16 Uhr
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Von DPA
Der Buchdrucker ist eine Borkenkäferart. Er und seine Verwandten richten im Wald große Schäden an. Denn die kleinen Insekten erledigen selbst riesige Bäume, am liebsten Fichten. FOTO: DPA

Ihre Namen klingen lustig, aber diese Käfer richten schlimme Schäden in unseren Wäldern an: Der Buchdrucker und der Kupferstecher sind die häufigsten Borkenkäferarten bei uns in Deutschland. Wenn im April die Sonne scheint und die Temperaturen über 15 Grad Celsius steigen, werden die Borkenkäfer munter. Die Männchen fliegen los und suchen sich einen Baum. Ganz besonders haben sie es auf Fichten abgesehen. Das sind Nadelbäume, die in unseren Wäldern häufig vorkommen.

Dann bohren sie ein Loch in die Rinde und locken mit ihren Duftstoffen die Weibchen an. Nachdem die Käfer sich gepaart haben, legt das Weibchen unter der Rinde seine Eier ab. Die Käferlarven schlüpfen und knabbern anschließend Gänge in das Holz unter der Rinde. Dabei beschädigen sie die Kanäle in den Bäumen, über die Wasser und Nährstoffe von den Wurzeln zur Krone gelangen. Sind diese Versorgungswege zerstört, stirbt die Fichte ab. Den Käfern dagegen geht es prima. Nach ein paar Wochen schwärmen sie aus. Sie suchen sich einen Partner und machen sich über die nächste Fichte her.

Ein gesunder Baum wehrt sich gegen die Insekten. Er verklebt ihre Bohrlöcher mit Harz, einem zähen Pflanzensaft. Aber viele Fichten sind durch die trockenen Sommer geschwächt. Sie können sich kaum noch gegen die Käfer wehren. Weil es im Herbst und Winter sehr stürmisch war, sind viele Äste abgebrochen. Das hat den Bäumen außerdem zugesetzt. Hinzu kommt, dass es im vergangenen Jahr besonders viele Borkenkäfer gab. So hatten selbst gesunde Bäume oft keine Chance mehr gegen die Plagegeister. Denn anders als die Fichten lieben Borkenkäfer das warme, trockene Wetter.

In vielen Wäldern sieht es inzwischen traurig aus. Die Nadeln der Fichten haben sich braun verfärbt und fallen ab, die Bäume sterben. Vor allem in Gegenden mit vielen Fichten haben die Käfer ganze Waldgebiete zerstört.

Viele Förster befürchten, dass die Borkenkäfer auch in diesem Jahr wieder großen Schaden im Wald anrichten könnten. Darum versuchen sie, den gefräßigen Biestern zuvorzukommen. »Wir gehen raus und gucken mit dem Fernglas, ob wir Hinweise auf Borkenkäfer finden«, erzählt die Försterin Wibeke Schmidt aus dem Bundesland Niedersachsen.

Wo Harztropfen an den Fichtenstämmen glitzern oder Bohrmehl herunterrieselt, sind die Käfer vielleicht schon aktiv. Der Baum muss dann schnell gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Außerdem stellen die Förster am Waldrand Fallen auf. Wenn alles klappt, fliegen die Käfer da hinein, statt auf die nächste Fichte.

Es gibt Wälder, in denen fast nur Fichten wachsen. Das ist für Borkenkäfer ein Schlaraffenland! Hier haben sie genug zu fressen und können sich immer weiter vermehren. Försterinnen und Förster wollen das verhindern. Darum verändern sie den Wald nach und nach. Sie mischen Laubbäume und Nadelbäume, jüngere und ältere Bäume. »Waldumbau« heißt das in der Förster-Sprache. In solchen gemischten Wäldern können Schädlinge wie der Borkenkäfer sich nicht so leicht ausbreiten. Denn sie sind meistens auf eine Baumart spezialisiert.

Es dauert allerdings sehr lange, einen Wald umzubauen. »Bis man eine Fichte fällen und ihr Holz ordentlich nutzen kann, braucht es 80 bis 100 Jahre«, sagt die Försterin Wibeke Schmidt.



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