27. September 2016, 12:00 Uhr

Alevitische Gemeinde denkt über Rückzug nach

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) ist keine gemütliche Runde, in der die immer gleichen Verbandsvertreter und Politiker in schöner Regelmäßigkeit Nettigkeiten austauschen. Im Gegenteil. Die Arbeit dieses Forums, das Wolfgang Schäuble (CDU) als Bundesinnenminister vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat, gleicht eher einer Achterbahnfahrt.
27. September 2016, 12:00 Uhr

Der Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly (SPD), gehörte der Konferenz mehr als drei Jahre lang an. Der Oberbürgermeister von Nürnberg erinnert sich an »hitzige Phasen« unter Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und an langwierige Diskussionen über Begriffe, darüber, was »Islamismus« und »islamischer Radikalismus« eigentlich bedeuten.
Dass die radikalen und aggressiven Ausprägungen ihrer Religion in der Islamkonferenz oft im Mittelpunkt stehen, störte einige Muslime, die der DIK angehören. Doch das ist manchmal auch schlicht der Aktualität geschuldet. Im Januar 2015, als die DIK-Mitglieder planmäßig zusammenkamen, sollte es eigentlich um Wohlfahrtspflege für Muslime gehen. Doch alle standen damals unter dem Eindruck einer islamistischen Terrorserie in Paris. Das war dann auch das Hauptthema einer anschließenden Pressekonferenz.
»Ich verstehe nicht, warum die Verbände nicht über Radikalisierung reden wollen, denn das ist heute ein großes Thema, gerade unter Jugendlichen«, sagt Ahmed Mansour. Der Programmdirektor der European Foundation for Democracy ist Islamismus-Experte. In den Jahren, als er der DIK angehörte, wollte er unter anderem eine Debatte über Antisemitismus unter deutschen Muslimen anstoßen, stieß damit aber nicht bei allen Teilnehmern auf Gegenliebe.
Heute sind Einzelpersonen wie Mansour nicht mehr in der DIK. Experten werden nur noch nach vorheriger Abstimmung mit den islamischen Verbänden zu bestimmten Themen eingeladen. »Nachdem man zu Beginn viele sogenannte Islamkritiker eingeladen hatte, die oft nur schlecht getarnte Islamfeinde waren, wird dieses Gremium heute vor allen von den konservativen Islamverbänden dominiert«, kritisiert Lamya Kaddor, islamische Religionspädagogin und Vorstandsmitglied im Liberal-Islamischen Bund.

Teilnehmer wechsle dich

Ayman Mazyek steht einem der von Kaddor genannten Verbände vor. Er ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). Mazyek sieht die DIK auf einem guten Weg. Er hofft, dass die muslimischen Religionsgemeinschaften den christlichen Kirchen hierzulande eines Tages gleichgestellt sein werden, und dass die Islamkonferenz dazu beitragen wird, den Weg dahin zu ebnen. .
Die Teilnehmer der DIK haben mehrfach gewechselt. Ein islamischer Verband wurde vorübergehend ausgeschlossen. Ein zweiter tauchte eine Zeit lang aus Protest gegen die Themensetzung nicht mehr auf. Die Alevitische Gemeinde in Deutschland erwägt aktuell ihren Rückzug aus der DIK, weil ihr der Einfluss der sunnitischen Verbände zu groß ist. »Die Verbände haben oft auch eine politische Agenda«, sagt Kaddor. Der größte Verband ist die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB).
Wie aktiv die DIK ist, hängt immer auch von der jeweiligen Bundesregierung ab. Unter Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist man weg von den großen Themen »Radikalisierung« und »Islamophobie«. Stattdessen stehen aktuell praktische Themen wie die Wohlfahrtspflege oder die Seelsorge für Muslime bei der Bundeswehr oder in Gefängnissen im Vordergrund. »Die Frage der notwendigerweise zu erfüllenden Voraussetzungen, um etwa als Seelsorger in sicherheitsrelevanten Einrichtungen tätig werden zu können, zeigt unter anderem auch, welchen Weg die an der Deutschen Islamkonferenz teilnehmenden islamischen Dachverbände zum Teil noch gehen müssen«, sagt ein Sprecher des Innenministeriums.
Erfolge habe die DIK bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts erzielt. Außerdem habe sie dazu beigetragen, die Islamische Theologie an deutschen Universitäten zu etablieren. Maly sagt: »Auch in den unfruchtbaren, zähen Sitzungen habe ich etwas dazugelernt.« (dpa) (dpa). Die Alevitische Gemeinde in Deutschland denkt über einen Rückzug aus der Deutschen Islamkonferenz (DIK) nach. Das Gremium wird nach Ansicht des Bildungsbeauftragte des Verbandes, Yilmaz Kahraman, zu stark von den großen sunnitischen Verbänden dominiert.
Diese drängten »alle, die nicht diesen reaktionären-konservativen Islam vertreten« an den Rand, kritisierte Kahraman. Die in Deutschland lebenden Aleviten stammen aus der Türkei. Die Aleviten glauben an den Propheten Mohammed als den Gesandten Gottes und an seinen Cousin Ali als einen Auserwählten. Einige religiöse Traditionen und Gebote, die von schiitischen und sunnitischen Muslimen befolgt werden, gelten für sie nicht.


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