01. November 2017, 22:12 Uhr

Allerhalloween

01. November 2017, 22:12 Uhr
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Diese Woche war reich an denkwürdigen Feiertagen: Protestanten feierten ihren Reformationstag, Katholiken gedachten Allerheiligen, Vampire gruselten an Halloween und Atheisten genossen einen unverhofften fünftägigen Urlaub mit nur einem Brückentag. Doch was und warum an diesen Tagen gefeiert wird, ist bei vielen leider kein Allgemeingut (mehr). Selbst die Bedeutung des Pfingstfestes, dem »Geburtstag« der christlichen Kirche mit immerhin zwei gesetzlichen Feiertagen, ist jedem zweiten Deutschen ein Rätsel.

Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, konnte dies kaum einer lesen. Sie waren in Latein verfasst. Erst viel später ging den Deutschen das Licht der Erkenntnis auf. Dem Reformator Luther wird vieles nachgesagt: Er sei ein »Revoluzzer in Mönchskutte« gewesen, ein Antisemit, ein Kirchenspalter, aber auch ein Erneuerer des Christenglaubens, tiefgläubiger Bibelübersetzer sowie machtvoller und machtbewusster Prediger. Der 500. Jahrestag der Reformation wurde zu Recht erstmals bundesweit mit einem gesetzlichen Feiertag gewürdigt.

Das gestrige Fest Allerheiligen, das nur in den katholisch geprägten Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag ist, ist mindestens 800 Jahre älter. Für die Gläubigen ist es ein Hochfest. Hintergrund ist, dass es über die Jahrhunderte so viele Heilige und verehrungswürdige Menschen gegeben hatte, dass der Kalender des Kirchenjahres alsbald überfüllt war. Seit dem vierten Jahrhundert feiert deshalb die Ostkirche, seit dem achten Jahrhundert die römische Kirche alle ungenannten Heiligen – die stillen Helden des Christentums, die Hinterbänkler der Seligkeit – mit diesem Fest. Christen verstehen sich ohnehin als Gemeinschaft der Heiligen. Jährlich am 1. November und am folgenden, heutigen Tag Allerseelen, werden die Gräber gesegnet. Katholiken besuchen die Ruhestätten ihrer Lieben, schmücken sie, stellen eine Kerze auf und beten für deren (und ihr eigenes) Heil.

Hochfeste veralbert

Weniger erfreut sind Protestanten wie Katholiken darüber, dass ihre Hochfeste von Hexen, Vampiren, Monstern und Zombies veralbert werden. Denn am Vorabend von Allerheiligen, am 31. Oktober, dem Reformationstag, ist gerade bei den Jüngeren Halloween angesagt – ein Klamauk im Schatten von Kürbis und Horror.

Aber selbst dieses Spektakel hat christliche Wurzeln. Der Begriff leitet sich von »All Hallows Evening« ab. Er soll auf die Kelten zurückgehen, die daran glaubten, dass sich die Welt der Toten der der Lebenden an diesem Tag öffnen würde. Trotz der teilweise uralten Traditionen sind die Feiertage zu ziemlich diesseitigen Urlaubstagen mutiert. Wie entchristlicht die Zeiten auch immer geworden sind – den arbeitsfreien Tag möchten wohl auch die Nichtgläubigen nicht (mehr) missen.

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