08. November 2017, 21:31 Uhr

Ernste Gefahr

08. November 2017, 21:31 Uhr
JU

Der digitale Raum ist wie einst der wilde Westen: Eine Welt voller riesiger Chancen, in der alles möglich scheint, die Goldgräber ebenso anzieht wie Gangster und Betrüger. Der Staat ist noch zu schwach, um überall im globalen Datennetz für Sicherheit zu sorgen. Je weiter die Digitalisierung fortschreitet, desto klarer wird, wie vielfältig ihre Risiken sind. Massenhafter Datenklau, der Einsatz von Erpressungs-Software, Cyber-Angriffe auf öffentliche Einrichtungen und Unternehmen – die Gesellschaft ist verwundbar geworden.

Im Rennen um die digitale Sicherheit scheinen die Kriminellen immer einen Schritt voraus. Das liegt auch daran, dass die Kultur der Verantwortung für digitale Produkte und Dienstleistungen noch zu wenig ausgeprägt ist. Produkte, die sich anfassen lassen, unterliegen zahlreichen gesetzlichen Regeln und Anforderungen, benötigen Prüfsiegel oder müssen regelmäßig getestet werden – wie das Auto beim TÜV. Ein Start-up in der Digitalbranche dagegen entwickelt in der Regel möglichst schnell ein Produkt, das zügig möglichst viele Nutzer finden soll. Doch das Thema Sicherheit fällt allzu häufig unter den Tisch. Es bedarf einer weltweiten gemeinsamen Anstrengung von Digitalindustrie und Staaten, um das Sicherheitsproblem im Cyberspace in den Griff zu bekommen. Sonst geraten die nächsten anstehenden Stufen der Digitalisierung in ernste Gefahr. Wenn es etwa um eine mögliche flächendeckende Einführung des autonomen Fahrens geht, dürfte jedem klar sein, wie unverantwortlich es wäre, auch nur die kleinsten Sicherheitslücken in Kauf zu nehmen. Gerade das sogenannte Internet der Dinge wirft bereits jetzt viele Fragen auf. Müssen Kühlschrank und Heizung wirklich ans Internet angeschlossen sein, sodass Cyber-Kriminelle weitere Einfallstore für Datenklau und Schlimmeres bekommen? Brauchen unsere Kinder vernetzte Kuscheltiere und Puppen, die in der Lage sind, im Kinderzimmer heimlich mitzuhören?

Solange die Sicherheitsarchitektur im Netz den stetig wachsenden Möglichkeiten des Missbrauchs hinterherhinkt, schadet – bei aller Digitalisierungseuphorie – eine gesunde Portion Skepsis nicht.

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