28. Juni 2017, 22:19 Uhr

Kein Pardon

28. Juni 2017, 22:19 Uhr
FER

Es sind – man kann es nicht anders sagen – die völlig maßlosen Exzesse einer gelangweilten Wohlstandsgeneration. Um sich den Kick zu besorgen, den sie offenbar brauchen, aber sonst nicht finden, den Rausch der Geschwindigkeit zu erleben und möglicherweise auch noch bei Wetten Geld zu gewinnen, rasen junge Männer vorwiegend nachts durch Innenstädte oder übers Land und tragen das Duell Hamilton kontra Vettel auf ihre Weise aus – in geschlossenen Ortschaften, wo Tempo 50 oder manchmal sogar nur Tempo 30 gilt.

Dass die Raser bei diesen illegalen Rennen ihr eigenes Leben und ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, ist ihre Sache, dass sie aber immer wieder, wenn sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren, unbeteiligte Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden und sogar töten oder schwer verletzen, ist nicht hinnehmbar. Bislang allerdings haben Gerichte bei Todesfällen extrem unterschiedlich geurteilt – mal gab es für die Raser eine Bewährungsstrafe, mal hingegen lebenslänglich wegen Mordes. Das eine sicher zu mild, das andere zu hart.

Daher ist es überfällig, dass der Gesetzgeber einschreitet und die illegalen Rennen zu dem erklärt, was sie tatsächlich sind – eine Straftat, keine bloße Ordnungswidrigkeit wie falsch parken oder die Vorfahrt missachten. Die Aufnahme eines eigenen Straftatbestands in das Strafgesetzbuch und die Androhung einer Haft von bis zu zwei Jahren für Veranstalter und Teilnehmer sowie bis zu zehn Jahren bei einem Todesfall oder einer schweren Körperverletzung wiegen schwer und schrecken ab. Wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat, dass das kein harmloses Spiel ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Für Raser gibt es kein Pardon.

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