10. Juli 2017, 19:19 Uhr

Rekord mit Schatten

10. Juli 2017, 19:19 Uhr
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Wäre diese Nachricht zwei Tage früher veröffentlicht worden, hätte sie den G20-Gipfel vielleicht verhageln können. Der neueste deutsche Exportrekord wäre so richtig geeignet gewesen, den US-Präsidenten in Hamburg zu wüsten Beschimpfungen zu verleiten. So sehr sich die Deutschen über Handelserfolge mit dem Ausland freuen – der rechte Frohsinn bricht bei vielen unserer Partner nicht aus. Wenn die sich jedoch über ihre Handelsdefizite grämen, sollten sie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit steigern, statt auf erfolgreiche Deutsche zu schimpfen.

Das deutsche Exportwachstum bleibt eindrucksvoll. Für den Mai hatten Experten mit einem Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet, geworden sind es 1,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich gar ein Zuwachs von mehr als 14 Prozent. Dass Deutschland mehr importieren sollte, um seine Handelsbilanz ins Lot zu bringen, ist ein Vorwurf, der leerläuft. Denn auch die Importe kletterten kräftiger als erwartet.

Die Kritiker der deutschen Exportstärke, vorweg die USA, glauben, die Deutschen schadeten dem Rest der Welt und arbeiteten mit faulen Tricks. Beide Argumente sind billige Propaganda. Vorweg: Kein Land ist gezwungen, deutsche Maschinen, Automobile oder chemische Produkte zu kaufen. Doch viele tun es, trotz der manchmal hohen Preise – und zwar freiwillig, weil die Waren von hoher Qualität sind, verlässlich geliefert werden und guten Service bieten. Ferner helfen deutsche Exporte den Käufern, ihre eigene Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger zu gestalten, dienen also Wachstum und Wohlstand auf beiden Seiten.

Bedient sich der deutsche Außenhandel unfairer Tricks, wie Donald Trump gern behauptet? Dass innovationsstarke Unternehmen über qualifizierte Fachkräfte verfügen, die bei Lohnerhöhungen Maß halten und so zum Exporterfolg beitragen, kann man den Deutschen wohl kaum zum Vorwurf machen.

Die Deutschen setzten den abgewerteten Euro ein, um ihre Waren im Ausland künstlich zu verbilligen, behaupten Kritiker weiter. Richtig ist, dass ein niedriger Euro-Kurs deutsche Produkte im Ausland verbilligt. Falsch ist jedoch, dass die deutsche Regierung diese Abwertung herbeiführt. Vielmehr ist sie selbst Opfer der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die sie heftig kritisiert.

Die Empfehlungen an die Deutschen jedenfalls, die Löhne kräftig aufzustocken und ihre Staatsschulden zu erhöhen, damit sie an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, sind und bleiben Unfug.



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