17. September 2017, 21:58 Uhr

Schneller Fahndungserfolg

17. September 2017, 21:58 Uhr
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Von Jochen Wittmann

Der 18-Jährige war gerade dabei, sich eine Fahrkarte für die Fähre nach Frankreich zu kaufen. Dann griffen die Beamten zu. Mehr als ein halbes Dutzend Polizisten und Spezialkräfte der Armee verhafteten um kurz vor acht Uhr am Samstagmorgen im Hafen von Dover einen jungen Mann, der verdächtigt ist, den Terroranschlag auf die Londoner U-Bahn verübt zu haben. Tags zuvor war auf der Haltestelle Parsons Green im Londoner Südwesten eine Bombe explodiert, die glücklicher Weise nur unvollständig detonierte. So kam es zu keinen Toten, allerdings mussten 30 Menschen im Krankenhaus behandelt werden.

Nur Stunden nach der Festnahme des Teenagers führte die Polizei eine Razzia in einem Haus in Sunbury-on-Thames in der Grafschaft Surrey durch. Es ist das Heim von Ronald und Penelope Jones, die in den letzten 40 Jahren Hunderte von Pflegekindern großgezogen haben und dafür von der Queen 2010 mit einem Orden ausgezeichnet wurden. Die Polizei wollte es nicht offiziell bestätigen, aber es wird angenommen, dass der mutmaßliche Täter eines ihrer derzeitigen Pflegekinder ist. Die Wohngegend wurde weiträumig abgesperrt und eine Evakuierung der Nachbarschaft veranlasst, was darauf hindeutete, dass man Explosivstoffe im Haus vermutete. Die Verhaftung des 18-Jährigen sei »sehr bedeutend«, ließ Innenministerium Amber Rudd verlauten. Allerdings würde die Fahndung nach Hintermännern weitergehen.

In der Nacht zum Sonntag kam es dann zu einer zweiten Festnahme. Im Westlondoner Stadtteil Hounslow verhaftete die Polizei einen 22-jährigen Mann. Dieser Arrest, so Innenministerin Rudd, lege nahe, dass es sich bei dem Anschlag nicht um die Tat eines Einzeltäters handele, aber es sei zu früh, um endgültige Schlüsse zu ziehen.

»Mutter des Satans«

»Es ist unvermeidlich«, sagte Rudd am Sonntag, »dass der sogenannte Islamische Staat sich meldet und die Verantwortung übernimmt. Wir haben bisher keine Beweise, die das unterstützen. Aber wird werden sicherstellen, herauszufinden, wie der Täter radikalisiert wurde.« Zugleich kündigte sie an, dass weitere 24 Millionen Pfund für die nationale Terrorabwehr bereitgestellt würden. Die Polizei bekommt schon jetzt Unterstützung durch das Militär, nachdem am Freitag die Terrorwarnstufe auf den höchsten Stand »kritisch« angehoben wurde. Das bedeutet, dass die Sicherheitskräfte davon ausgehen, dass ein weiterer Anschlag bevorsteht.

Damit tritt »Operation Temperer« in Kraft: Tausende Soldaten werden herangezogen, um Gebäude wie das Parlament in London, den Buckingham Palast oder Botschaften zu beschützen. Die Soldaten werden unter dem Kommando von Scotland Yard stehen. Zugleich wurde die Polizeipräsenz auf britischen Straßen deutlich angehoben.

Am Wochenende sickerte durch, dass die Bombe den Sprengstoff TATP enthalten haben soll, der wegen seiner verheerenden Wirkung in Dschihadisten-Kreisen »Mutter des Satans« genannt wird. TATP ist relativ leicht herzustellen, aber instabil und schwer zu kontrollieren. Der selbstgefertigte Sprengsatz befand sich in einem weißen Plastikeimer, der zudem, wie die »Times« meldete, mit Nägeln gefüllt gewesen war.

Wäre nicht nur die Übertragungsladung sondern die gesamte Bombe explodiert, hätte der Anschlag in dem voll besetzten U-Bahnwaggon zu vielen Toten und Schwerverletzten geführt.



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