26. September 2019, 22:31 Uhr

106 500 Erzieher fehlen

26. September 2019, 22:31 Uhr
In Hessen sind etwa 8000 zusätzliche Erzieher in den Kitas nötig. (Foto: dpa)

Gütersloh (dpa). Die Kinder kommen immer jünger in die Kitas, die Gruppen werden heterogener, Betreuungszeiten länger - und zugleich wachsen die Aufgaben der Erzieher. Das Ganze bei problematisch wenig Personal, wie es in dem am Donnerstag veröffentlichten »Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme« der Bertelsmann-Stiftung heißt. Das belaste die Qualität und die Erzieher. Für eine kindgerechte Betreuung brauche es rund 106 500 zusätzliche Fachkräftevollzeitstellen bundesweit in den Kindertagesstätten. In Hessen sind etwa 8000 zusätzliche Erzieher in den Kitas nötig, um eine kindgerechte Betreuung sicherzustellen. Die Erwartungen an die Kita als Bildungseinrichtung seien gestiegen, nun müsse es auch endlich mehr Geld, Unterstützung und Tempo geben, mahnten zahlreiche Experten.

Unter den Bundesländern gibt es laut Analyse deutliche Unterschiede. Der Westen steht viel besser da als der Osten. Die frühen Bildungschancen hängen somit auch vom Wohnort ab. Wichtig ist der Personalschlüssel für die Kita-Qualität: 2018 betreute demnach eine Fachkraft zum Stichtag 1. März rechnerisch 4,2 Kinder unter drei Jahren. Und eine Erzieherin - in der großen Mehrheit sind es Frauen - war für 8,9 ältere Jungen und Mädchen zuständig, also ab drei Jahren bis zur Einschulung. Studienautorin Kathrin Bock-Famulla zufolge ist aber empfehlenswert: Eine Erzieherin für höchstens 7,5 Jungen und Mädchen in Kindergartengruppen (ab drei Jahre) und eine Kraft für maximal drei Krippenkinder (bis zwei Jahre). Im Alltag ist die Betreuungsrelation noch wesentlich schlechter. Denn ein Drittel der Arbeitszeit entfalle auf nicht pädagogische Aufgaben wie Elterngespräche oder Bildungsdokumentationen. »Bereinigt« kümmert sich nach der »Fachkraft-Kind-Relation« (FKR) also eine Erzieherin um 13,3 Jungen und Mädchen in den Kindergartengruppen. Im Westen ist eine Kraft für 12,2 Kinder, im Osten eine für 17,7 Kinder zuständig.

Regionales Gefälle in Hessen

Im Ranking steht Baden-Württemberg am besten da beim Personalschlüssel, gefolgt von Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Bayern. Am dünnsten ist die Personaldecke im Osten. Nach der Studie ist Hessen im Vergleich zu den anderen westdeutschen Bundesländern Vorletzter. Zudem gibt es in Hessen regional ein großes Gefälle: So betreue eine Fachkraft in Kindergartengruppen im Werra-Meißner-Kreis rechnerisch 11,8 Kinder und damit fast 4 Kinder mehr als etwa eine Kollegin oder ein Kollege in Darmstadt, wo der Betreuungsschlüssel bei 1 zu 8,1 liegt.

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