15. September 2017, 22:48 Uhr

Bombe mit Zeitzünder

15. September 2017, 22:48 Uhr
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Von DPA
London kommt nicht zur Ruhe. Mindestens 29 Menschen werden verletzt, als in einem U-Bahn-Zug an der Haltestelle Parsons Green eine selbst gebaute Bombe explodiert. Unter Umständen ist die Stadt nur knapp einer Katastrophe entgangen. (Foto: dpa)

London (dpa). Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn gilt jetzt die höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien. Das sagte Premierministerin Theresa May gestern Abend im BBC-Fernsehen. Warnstufe fünf bedeutet, dass die britischen Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag für möglich halten.

Bei der Explosion einer selbst gebauten Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green waren am Morgen mindestens 29 Menschen verletzt worden. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach dem Täter oder den Tätern ein.

Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich. Ein Kämpfer des Islamischen Staates habe die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitagabend im Internet. Großbritannien ist damit bereits zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. Bei vier früheren Anschlägen in London und Manchester in diesem Jahr waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten.

Die Bombe in London explodierte gegen 8.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Die Station Parsons Green liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballklubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer »Feuerwand« beziehungsweise einem »Feuerball« in der Bahn. In sozialen Medien kursierten Bilder und Videos von einem weißen Eimer in einer Supermarkttüte, der in dem Waggon eine Explosion ausgelöst haben soll. Aus dem Eimer hingen Drähte. Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz per Zeitschaltuhr gezündet. Premierministerin May berief den nationalen Krisenstab ein. Die »feige« Tat sei darauf gerichtet gewesen, erheblichen Schaden anzurichten. Hunderte Beamte waren am Nachmittag damit beschäftigt, Videomaterial und andere Beweismittel auszuwerten, wie der Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, mitteilte. »Die Fahndung läuft«, sagte Bürgermeister einem Radiosender. Ob bereits konkrete Personen ins Visier geraten seien, dürfe er aber nicht sagen.

Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, drückte sein Mitgefühl aus. »Terrorismus kennt keine Grenzen und wird besiegt, indem man zusammenarbeitet«, erklärte er auf Twitter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte die Anteilnahme und Solidarität Deutschlands deutlich.

US-Präsident Donald Trump rief ebenfalls zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf. Terroristen wie die in London seien Verlierer (»loser«), twitterte Trump. In einem zweiten Tweet schrieb Trump, das Internet sei das wichtigste Rekrutierungswerkzeug der Terroristen, das »abgeschnitten« werden müsse. (Seiten 4 und 5)



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