23. Juli 2020, 22:39 Uhr

»Derzeit unwahrscheinlich«

23. Juli 2020, 22:39 Uhr
Angst vor der Abspaltung? Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt besucht Premieminister Boris Johnson Schottland. Dort ist man mit der Regierung in London unzufrieden. FOTO: DPA

London - Die Chancen für einen Handelspakt mit Großbritannien nach dem Brexit stehen aus Sicht von EU-Unterhändler Michel Barnier schlecht. »Durch seine Weigerung, sich zu offenem und fairem Wettbewerb und einem ausgewogenen Fischereiabkommen zu bekennen, macht Großbritannien ein Handelsabkommen derzeit unwahrscheinlich«, sagte Barnier am Donnerstag nach der jüngsten Verhandlungsrunde in London. Dennoch wollen beide Seiten weiter nach einer Lösung suchen. Fertig sein müsste ein Vertrag aus Sicht der EU bis Ende Oktober.

Der britische Unterhändler David Frost hält einen Deal immer noch für möglich, sogar bis September. Allerdings sprach auch er von »großen Gräben«. Es werde nicht gelingen - wie von London gewünscht - bis Ende Juli bereits Eckpunkte zu vereinbaren. Auch er schloss ein Scheitern nicht aus. Die EU habe noch nicht gemerkt, dass sie ihre Position den Prinzipien anpassen müsse, die London als wesentlich für seine Position und Zukunft als unabhängiges Land betrachte. Gleichwohl gebe es »große Themengebiete, bei denen man sich näherkommt« und Vorlagen, an denen man sich orientieren könne, fügte Frost hinzu. Dazugehöre beispielsweise die Rolle des Europäischen Gerichtshofs. London ist strikt dagegen, dass die Richter in Luxemburg eine Rolle bei Streitfragen in einem künftigen Abkommen spielen. Hier habe Brüssel Entgegenkommen signalisiert.

Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt ist der britische Premierminister Boris Johnson am Donnerstag nach Schottland gereist. Zum Auftakt traf er auf den Orkney-Inseln ein. Berichten zufolge sorgt sich der konservative Regierungschef um die Einheit seines Landes. Umfragen in den vergangenen Wochen hatten ergeben, dass sich eine knappe Mehrheit der Schotten inzwischen für die Abspaltung vom Vereinigten Königreich ausspricht.

Grund dafür ist nach Ansicht des Wahlforschers John Cur- tice von der Universität Strathclyde in Glasgow auch, dass Johnsons Umgang mit der Coronavirus-Pandemie als vergleichsweise schlecht wahrgenommen wird. dpa

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