22. Juni 2020, 23:00 Uhr

Entsetzen nach Chaos-Nacht

22. Juni 2020, 23:00 Uhr
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Von DPA
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) besichtigt in Stuttgart ein Polizeiauto, das während der nächtlichen Randale beschädigt wurde. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei hatten Dutzende gewalttätiger Kleingruppen in der Nacht zum 21. Juni die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. FOTO: DPA

Stuttgart - Nach der Stuttgarter Chaos-Nacht mit Plünderungen und Randale von mehreren Hundert Menschen verlangt Innenminister Horst Seehofer harte Strafen für die Täter. »Ich erwarte, dass die Justiz den Tätern, die gestellt werden konnten oder noch können, auch eine harte Strafe ausspricht«, sagte der CSU-Politiker am Montag in Stuttgart. »Da geht es auch um die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates.«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warf den Randalieren bei einem gemeinsamen Besuch am Ort der Auseinandersetzungen Landfriedensbruch vor und sprach von einer »Gewaltorgie«.

Nach dem Ausbruch der Gewalt in der Nacht zum Sonntag wurden am Montag laut Polizei sieben Haftbefehle beantragt, unter anderem wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Am Vorabend waren bereits ein weiterer Haftbefehl erlassen und einer gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Ein 16-Jähriger muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten, weil er laut Staatsanwaltschaft einem am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf getreten haben soll.

Polizei will verstärkt Präsenz zeigen

Seehofer bezeichnete die Randale von Stuttgart als »Alarmsignal für den Rechtsstaat«. Es gehe nicht nur um Gewalt gegen die Polizei, sondern auch um die Verunglimpfungen der Beamten mit Worten. »Aus Worten folgen immer auch dann Taten.« Gelegenheit zur Aufarbeitung in der Politik soll eine Sondersitzung des baden-württembergischen Innenausschusses am heutigen Mittwoch im Landtag geben. Dort will die Opposition Innenminister Thomas Strobl (CDU) ausführlich zur kriminellen Gewalt und zu Maßnahmen zum Schutz von Gesellschaft und Polizei befragen. Die Polizei hat angekündigt, in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in Stuttgart unterwegs zu sein.

In der zentralen Stuttgarter Einkaufsstraße hatten Randalierer Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Auslöser für die Auseinandersetzungen soll die Drogenkontrolle bei einem 17-Jährigen gewesen sein, mit dem sich gleich mehrere Hundert Menschen solidarisierten. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an der Randale beteiligt. Am Montagmorgen war in der City kaum noch etwas zu sehen von den Schäden der chaotischen Nacht.

Dennoch könnte die Randale größere Spuren hinterlassen. Neben den politischen Konsequenzen wird im Stuttgarter Rathaus über die Folgen für den Handel und den Ruf der Stadt beraten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft brachte ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und eine Sperrstunde für Teile der City in die Debatte. Nach wie vor ist unklar, wie sich die Gewalt in der Nacht zum Sonntag so sehr entladen konnte. Ein politisches Motiv scheidet nach Einschätzung der Polizei eher aus. dpa » Seite 4, 5



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