14. Juli 2020, 22:19 Uhr

Gegen Kinderarbeit und Hungerlöhne

14. Juli 2020, 22:19 Uhr

Berlin - Ausbeuterische Kinderarbeit, Hungerlöhne, Umweltschäden: Seit Langem werden die Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern in Afrika oder Asien angeprangert. Oft als Billigprodukte landen Schokolade, Schuhe, Kleidung oder Kaffee in deutschen Läden. Doch wie verantwortlich sind deutsche Unternehmen für Missstände bei oft unübersichtlichen Lieferketten?

Bisher gibt es freiwillige Selbstverpflichtungen - die reichen aber nicht aus, sind Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) überzeugt. Sie wollen nun gesetzliche Vorhaben erreichen. »Es ist Zeit zu handeln«, sagte Müller.

Hintergrund ist eine erneute Befragung von deutschen Firmen. Konkret meldeten von rund 2250 befragten Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten nur 455 Firmen gültige Antworten zurück. Es habe 91 »Erfüller« gegeben, die die Standards einhalten, sagte Müller. »Die Erfüllerquote liegt bei 22 Prozent. Bei der ersten Befragung lag sie bei 18 Prozent.« Der Prozess sei damit »kläglich gescheitert«.

Worum es geht, zeigt Müller an Beispielen: Er hält eine Jeans hoch, die er von einer Reise aus Bangladesch mitgebracht hat - produziert nach fairen Kriterien, Kosten: sieben Euro im Einkauf. Ohne diese Standards koste die Jeans für den Handel im Einkauf fünf Euro. Dann geht es um Teebeutel aus Indien, Müller war auch dort unterwegs. Die Teebeutel würden produziert wie in »Kolonialzeiten«, die Frauen in der Produktion dort arbeiteten zwölf Stunden täglich in der Hitze und verdienten einen Dollar pro Tag. Der Teebeutel koste dann in deutschen Läden 1,5 Cent - würde er zwei Cent kosten, würde das viel ändern vor Ort. Und bei Besuchen habe er Zustände erlebt wie in einer frühkapitalistischen Hölle: »Da standen Frauen in Chemikalien, da gab es keinen Atemschutz.«

Müller klagt an, spricht von einer »dramatischen« Ausbeutung von Mensch und Natur in Entwicklungsländern: »Wenn ich es nicht weiß, tut es nicht weh - das gilt nicht mehr.« Heil sagt, der Wohlstand in Deutschland und anderen Industrieländern könne nicht zulasten dieser Länder gehen: »An Verantwortung für Menschenrechte geht kein Weg vorbei.« Bis August schon wollen die beiden Minister nun Eckpunkte für ein Gesetz ins Kabinett bringen. dpa

Schlagworte in diesem Artikel

  • Billigware und Billigprodukte
  • Bundesminister für Arbeit und Soziales
  • CSU
  • Entwicklungsländer
  • Firmen und Firmengruppen in Deutschland
  • Gerd Müller
  • Hubertus Heil
  • Hungerlöhne
  • Kinderarbeit
  • Lieferketten
  • SPD
  • Schokolade
  • Schuhe
  • Teebeutel
  • Umweltschäden
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos