29. März 2020, 23:17 Uhr

Keine raschen Lockerungen

29. März 2020, 23:17 Uhr
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Von DPA

Berlin - In der Corona-Krise gibt es auch in Deutschland Sorgen, ob die Kapazitäten zur Versorgung schwerkranker Patienten ausreichen. »Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar«, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«.

Parteiübergreifend dämpften Politiker die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bat um Geduld. Niemand könne guten Gewissens sagen, wie lange diese »schwere Zeit« anhalte. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte dem »Tagesspiegel«: »Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen.« SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: »Die Spitze der Infektionswelle steht uns noch bevor.« Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) forderte jedoch in der »Welt am Sonntag«: »Jetzt ist die Zeit, Maßstäbe für die Rückkehr ins soziale und öffentliche Leben zu entwickeln.«

In Deutschland sind bis Sonntagabend 58 639 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Mindestens 457 mit SARS-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben.

Pflegeheim kämpft gegen Ausbreitung

Um den Mangel an Schutzmasken und -kitteln einzudämmen, versucht die Bundesregierung den Ankauf zu beschleunigen. Dafür hat sie ein Verfahren gestartet, in dem Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen über den Kaufpreis zustande kommen. Zuerst hatte die »Welt am Sonntag« darüber berichtet. Das sogenannte Open-House-Verfahren sieht vor, dass Anbieter mindestens 25 000 OP-Masken, Schutzkittel oder FFP2-Mundschutze anbieten können. Der Bund kauft diese dann zu einem Preis, den er selbst festgelegt hat. Das ist einfacher und schneller als das sonst geltende Vergaberecht mit Ausschreibungen.

In den nächsten Tagen soll die Auszahlung von Direkthilfen an Millionen von kleinen Firmen, Soloselbstständigen und Freiberufler beginnen. Auch Landwirte werden unterstützt. Insgesamt geht es um Bundesmittel von bis zu 50 Milliarden Euro.

Derweil wird nach dem Tod von 15 Menschen mit Coronavirus-Infektion in einem Alters- und Pflegeheim in Wolfsburg händeringend gegen eine weitere Zuspitzung der Lage gekämpft. In dem Haus, in dem überwiegend Demenzkranke leben, sollen Infizierte strikt von negativ getesteten Bewohnern getrennt werden. Am Sonntag wurde der Tod von drei weiteren Bewohnern im Alter von 80, 86 und 88 Jahren gemeldet.

Wegen der schwierigen Lage in Italien und teils auch in Frankreich hat die Bundeswehr weitere Corona-Patienten zur Behandlung nach Deutschland geholt. Die Luftwaffe flog am Samstag und Sonntag jeweils sechs Italiener aus dem norditalienischen Bergamo aus. Ein Militärtransporter flog zwei französische Intensivpatienten nach Stuttgart. Derzeit werden mehrere Dutzend ausländische Corona-Patienten in Deutschland behandelt. dpa » Mehr im Innenteil



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