25. August 2020, 23:50 Uhr

Kontroverse über Tests

25. August 2020, 23:50 Uhr
Reisende aus Risikogebieten müssen sich derzeit nach der Rückkehr testen lassen. Geht es nach den Gesundheitsministern von Bund und Ländern, soll es verpflichtende Tests bald nicht mehr geben. Doch es gibt Widerstand gegen diese Pläne. FOTO: DPA

Berlin - Die geplanten Neuregelungen bei Corona-Tests für Reiserückkehrer stoßen auf Zustimmung, aber auch auf Widerstand. Eine Abschaffung der verpflichtenden Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten wäre nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ein Fehler. »Corona ist gefährlich, die Infektionszahlen schnellen hoch, deshalb müssen wir testen«, sagte der CSU-Chef am Dienstag in München. Kritik kam auch von der Luftverkehrswirtschaft.

Die Labore in Deutschland forderten dagegen wegen zunehmender Belastung eine schnellstmögliche Umsetzung der Pläne. Die Analysegeräte liefen inzwischen in manchen Bereichen nonstop, hieß es am Dienstag. Auch von der SPD-Fraktion im Bundestag, der Senioren-Union der CDU und aus der Pflegebranche kamen Forderungen nach einer Neuausrichtung der Teststrategie. Dabei geht es im Kern darum, den Fokus der Tests nach dem Sommer weg vom Reiseverkehr in Richtung Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu verschieben.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten am Montag vorgeschlagen, dass es kostenlose Corona-Tests für Urlauber bei der Einreise nach Deutschland nach dem Ende der Sommerreisesaison nicht mehr geben soll. Außerdem soll die erst kürzlich eingeführte Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder abgeschafft werden. Für solche Reisenden soll wieder ausschließlich die Quarantäneregelung gelten. Die 14-tägige Quarantäne soll man nur dann vorzeitig verlassen dürfen, wenn ein frühestens fünf Tage nach der Einreise gemachter Test negativ ausfällt.

Begründet werden die angestrebten Änderungen damit, dass Labore personell und mit Blick auf nötiges Material an ihre Grenzen stießen, dass der Sommerreiseverkehr abnehme und in Vorbereitung auf Herbst, Winter und Grippesaison die Corona-Teststrategie neu ausgerichtet werden müsse. Zunächst handelt es sich um Vorschläge. Über das Thema dürften die Ministerpräsidenten der Bundesländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag bei ihrer Videokonferenz beraten.

Sollte der Plan umgesetzt werden, wäre dies ein Rückschlag, sagte Söder. »Erst führt man vor zwei Wochen die Tests ein, und jetzt will man sie wieder abschaffen.« Er verwies auf die hohe Zahl an positiven Corona-Tests bei den Rückkehrern.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte die Pläne: Es sei richtig, zum Herbst und Winter hin »die Testkapazitäten wieder stärker auf das Gesundheitswesen auszurichten«, sagte er am Dienstag in Düsseldorf. »Infizieren sich momentan bei den Reisen und Partys eher die Jüngeren, gilt es nun, den Eintrag in Krankenhäuser und Pflegeheime zu minimieren.«

Über 40 Prozent im Ausland angesteckt

Über 40 Prozent der zuletzt in Deutschland positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen haben sich wahrscheinlich im Ausland angesteckt. Das geht aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach RKI-Angaben vom Dienstagmorgen 1278 neue Corona-Infektionen gemeldet.

Unterdessen berichten nach einem ersten Fall in Hongkong nun auch Forscher in Belgien und den Niederlanden von Nachweisen einer erneuten Infektion bei von der Krankheit Genesenen. »Das ist keine gute Neuigkeit«, sagte der Virologe Marc Van Ranst. dpa

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