02. August 2018, 23:15 Uhr

Schwerster sexueller Missbrauch

02. August 2018, 23:15 Uhr
Den Angeklagten im Alter von 40 bis 62 Jahren wird zur Last gelegt, die kinderpornografische Plattform »Elysium« im sogenannten Dark-net und sexuellen Missbrauch betrieben zu haben. (Foto: dpa)

Limburg (hei/dpa). In Limburg hat gestern der bislang größte Prozess in Deutschland gegen einen Kinderpornografie-Ring begonnen. Die Staatsanwältin Julia Bussheimer listete zum Auftakt drei Stunden lang abscheuliche Straftaten bis zum schwersten Missbrauch von Kleinkindern auf.

Die Anklage wirft den vier Deutschen im Alter zwischen 40 und 62 Jahren unter anderem die Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor, teils auch Kindesmissbrauch. Die Verlesung der Anklageschrift verfolgten sie regungslos. Einer der Hauptbeschuldigten im Prozess um die Plattform »Elysium« ist ein 40-jähriger Familienvater aus Bad Camberg.

Die angeklagten mutmaßlichen Betreiber des Kinderporno-Rings wollen aussagen. Zu Beginn der Verhandlung vor dem Landgericht Limburg stellten ihre Verteidiger gestern auch geständige oder teilgeständige Angaben in Aussicht. Die vier Männer aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern sollen für den Betrieb der riesigen Plattform verantwortlich gewesen sein oder sich daran beteiligt haben.

Die Plattform war etwa ein halbes Jahr im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, online. Im Juni 2017 wurde sie von Bundeskriminalamt und Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt abgeschaltet. Die Ermittler stießen auf mehr als 111 000 Mitgliederkonten weltweit.

Die Staatsanwältin brauchte Stunden, um die 124 Fälle minutiös aufzulisten. Überwiegend ging es um Aufnahmen von Kindern in aufreizenden sexuellen Posen, aber auch Bilder von schwerstem sexuellen Missbrauch. Einem Mann legt die Staatsanwalt zur Last, sich selbst mehrfach an kleinen Kindern vergangen zu haben. Ihm droht Sicherungsverwahrung, sagte die Staatsanwältin.

Georg Ungefuk, der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft, erläuterte am Rande es Prozesses die Bedeutung dieses »außergewöhnlichen Falls«. Erstmals sei es in Deutschland gelungen, eine kinderpornografische Plattform im Darknet zu lokalisieren, vom Netz zu nehmen und auch die mutmaßliche Führungsriege zu identifizieren. Dies sei ein großer Schlag gegen Kinderpornografie gewesen, so Ungefuk, aber nicht deren Ende. »Es entwickeln sich immer wieder neue Plattformen.« (Seite 6)

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