01. März 2020, 22:26 Uhr

Steiniger Weg zum Frieden

01. März 2020, 22:26 Uhr
Schon gibt es die erste Hürde: Der afghanische Präsident Ashraf Ghani wehrt sich gegen die in dem Abkommen vereinbarte Freilassung von bis zu 5000 Taliban-Kämpfern. FOTO: AFP

Kabul/Doha/Washington - Das Abkommen zwischen den USA und den afghanischen Taliban stößt schon einen Tag nach der Unterzeichnung auf erste Hürden. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani wehrte sich am Sonntag in Kabul gegen die in der Vereinbarung verabredete Freilassung von bis zu 5000 Taliban-Kämpfern. Diese Entscheidung stehe nicht den USA, sondern seiner Regierung zu, sagte er. Vertreter der USA und der Taliban hatten am Samstag in Doha im Golfemirat Katar das Abkommen unterzeichnet, das den Weg zum Frieden und einem Ende des US-geführten Militäreinsatzes in Afghanistan ebnen soll.

Die ausländischen Truppen in Afghanistan sollen nach dem Abkommen der USA mit den Taliban bis Ende April 2021 vollständig abgezogen werden - wenn die Vereinbarung nicht scheitert.

Bundeswehreinsatz könnte enden

Auch für die Bundeswehr würde damit nach dann mehr als 19 Jahren der Einsatz am Hindukusch enden. Damit wäre eine Kernforderung der Taliban erfüllt, die den Abzug der ausländischen »Invasoren« verlangen. Taliban-Chef Haibatullah Achundsada nannte das Abkommen »eine großartige Errungenschaft« und sprach von einem »großen Sieg«. Die Taliban verpflichten sich unter anderem dazu, dass von Afghanistan keine Terrorbedrohung gegen die USA und ihre Verbündeten ausgeht.

Der wichtigste Teil des Abkommens ist aber, dass die Taliban Verhandlungen mit der afghanischen Regierung zusagen - das wären die eigentlichen Friedensgespräche. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkt mit Kabul zu sprechen, weil sie die Regierung für eine Marionette des Westens halten.

Die Gespräche sollen der Vereinbarung zufolge zu einem dauerhaften Waffenstillstand und einem politischen Fahrplan für die Zukunft Afghanistans führen.

Die USA sichern zu, die Zahl ihrer Soldaten binnen 135 Tagen von rund 13 000 auf 8600 zu verringern. Die Zahl der internationalen Truppen soll proportional sinken. Fünf Basen sollen in diesem Zeitraum geschlossen werden. Sollte das Abkommen halten, sollen innerhalb von 14 Monaten - also bis Ende April kommenden Jahres - alle ausländischen Truppen abziehen. Deutschland ist mit rund 1200 Soldaten am NATO-Ausbildungseinsatz in Afghanistan beteiligt.

Die Verhandlungen sollen bereits am 10. März starten. Nach Angaben aus der US-Regierung sollen sie in der norwegischen Hauptstadt Oslo stattfinden. Ghani sagte am Sonntag: Die Freilassung von Taliban-Gefangenen kann Teil der Tagesordnung der Verhandlungen sein, aber keine Vorbedingung für den Beginn von Verhandlungen. In dem Abkommen ist die Freilassung allerdings eine Vorbedingung. Auch Taliban-Chefunterhändler Scher Mohammed Abbas Staneksai hatte dem Sender Tolo TV nach der Unterzeichnung des Abkommens gesagt, die Freilassung der Gefangenen vor etwaigen Gesprächen sei ein Muss. dpa

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