19. Juli 2020, 22:20 Uhr

Über 600 000 Corona-Tote

19. Juli 2020, 22:20 Uhr
Der britische Premierminister Boris Johnson hat einen zweiten Lockdown so gut wie ausgeschlossen. FOTO: DPA

Washington - In vielen Ländern breitet sich die Coronavirus-Pandemie weiter rasant aus. Die Zahl der weltweit bestätigten Todesopfer hat am Sonntag US-Forschern zufolge erstmals 600 000 überstiegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet seit Tagen jeweils mehr als 200 000 bestätigte Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Besonders betroffen waren zuletzt unter anderem die USA, Brasilien, Mexiko, Indien und Südafrika. In Großbritannien schieben sich Regierung, Wissenschaftler und Gesundheitsbehörden den schwarzen Peter für die erschreckend hohe Zahl an Todesfällen gegenseitig zu.

Folgenschwere Fehler in London

Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore zufolge gibt es nun bereits mehr als 14,3 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger SARS-CoV-2. Erst vor drei Wochen war die Schwelle von einer halben Million Toten und zehn Millionen bestätigten Infektionen überschritten worden. Etwa ein Viertel der weltweit bestätigten Infektionen und Todesfälle entfallen auf die USA, ein Land mit rund 330 Millionen Einwohnern. An zweiter Stelle steht Brasilien mit 2,1 Millionen bekannten Infektionen und rund 79 000 Todesfällen. In den USA ist die Pandemie nach Ansicht vieler Experten in Bundesstaaten im Süden und im Westen des Landes inzwischen weitgehend außer Kontrolle. Täglich melden US-Behörden inzwischen rund 70 000 Neuinfektionen und Hunderte Todesfälle. Die Zahl der bestätigten Infektionen ist inzwischen auf 3,7 Millionen angestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland gab es dem Robert-Koch-Institut zufolge seit Beginn der Pandemie gut 200 000 Infektionen. Die Zahl der Neuinfektionen lag zuletzt bei wenigen Hundert pro Tag.

Auch in Brasilien, einem Staat mit 210 Millionen Einwohnern, breitet sich das Virus weiter rasant aus. Das größte Land Lateinamerikas durchbrach diese Woche die Marke von zwei Millionen bestätigten Infektionen. Täglich melden die Behörden rund 1000 Todesfälle. Die tatsächlichen Zahlen dürften noch weit höher liegen, auch weil das Land sehr wenig testet. Brasiliens Präsident Bolsonaro hatte das Coronavirus als »kleine Grippe« verharmlost

Schweden steht nicht gut da

Die Regierung in London versteckte sich lange Zeit hinter der Behauptung, die Todesfallstatistiken seien international nicht vergleichbar. Inzwischen lässt sich aber kaum noch abstreiten, dass Großbritannien weltweit eines der am schwersten betroffenen Länder ist und folgenschwere Fehler begangenen wurden. Der ehemalige Regierungsberater Neil Ferguson vom Imperial College erklärte kürzlich, dass mindestens die Hälfte der mehr als verzeichneten 45 000 Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn der Lockdown im März eine Woche früher durchgesetzt worden wäre. Trotz Warnungen vor einer zweiten Infektionswelle im Winter mit bis zu 120 000 Toten schließt Premier Boris Johnsons einen zweiten landesweiten Lockdown so gut wie aus. Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Corona-Toten in einigen europäischen Ländern am höchsten. In Belgien starben der Johns-Hopkins-Universität zufolge bislang 86 Menschen pro 100 000 Einwohner, in Großbritannien 68, in Spanien und Italien je etwa 60. In Schweden liegt die Zahl bei 55, in den USA bei 43 - in Deutschland bei elf. dpa » Seite 4

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