26. Mai 2017, 16:02 Uhr

Sinn für Grobes und Feines

26. Mai 2017, 16:02 Uhr
Statt Gelb und Grau wieder ein strahlendes Weiß: Philipp Dörfler (r.) und sein Kollege Christian Müller restaurieren die Pfarrkirche St. Vitus in Hirschaid (Bayern). (Foto: dpa)

Schon als kleiner Junge begleitete Philipp Dörfler seinen Vater in viele Kirchen. Still und leise sah er ihm bei seiner Arbeit zu. »Als Kind war das recht langweilig«, sagt der 21-Jährige. Das hat sich geändert. Im väterlichen Betrieb in Bamberg macht er inzwischen selbst eine dreijährige Ausbildung zum Kirchenmaler. Philipp Dörfler ist im zweiten Lehrjahr als Maler und Lackierer der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege. Er lernt, Decken, Wände, Fassaden, Wandmalereien, Stuck und Plastiken zu erhalten, zu erneuern und zu restaurieren. Kirchenmaler überprüfen auch den Untergrund, vergolden und verzieren mit teils historischen Techniken. Es sei ein schönes Gefühl, Figuren zu sehen, die man selbst eingefasst und vergoldet hat, sagt Dörfler. »Da ist man schon stolz.« Der Beruf erfordere Geduld: »Man darf nicht gleich verzweifeln, wenn etwas nicht gleich klappt«, so der Auszubildende.

Seine Mitschülerin Deborah Schönburg liebt besonders die filigranen Arbeiten. Darum lernt sie in ihrem Betrieb im hessischen Groß-Bieberau den eng verwandten Beruf der Vergolderin. Während sich Kirchenmaler vor allem um die sogenannte Raumschale kümmern, widmen sich Vergolder der Ausstattung. Als Vergolderin dürfe sie an historischen Gegenständen ihre eigenen Spuren hinterlassen, sagt die 28-Jährige.

Schwerpunkt Bayern

Früher war die Kirchenmalerei ein eigenes Berufsfeld, ist aber seit 2003 Teil des Maler- und Lackiererhandwerks, erklärt Daniel Schreiber vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). In den ersten beiden Jahren der dualen Ausbildung lernen die Kirchenmaler gemeinsam mit anderen Malern und Lackierern. Danach spezialisieren sie sich. »Man muss Fingerspitzengefühl mitbringen, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit«, erklärt Veronika Schierl, Lehrerin an den Beruflichen Schulen für Farbe und Gestaltung in München. Wichtig sei künstlerisches und zeichnerisches Interesse sowie Freude an Form, Farbe und Gestaltung. »Man muss diesen Beruf fühlen«, sagt die Lehrerin.

Nicht nur die Berufsschule für Kirchenmaler befindet sich in Bayern, auch die meisten der Ausbildungsbetriebe. Im Jahr 2015 beispielsweise lernten von insgesamt 42 Auszubildenden 36 in Bayern.

Momentan werden die Aus- bildungsinhalte zum Maler und Lackierer auf den neuesten Stand gebracht. Substanzielle Änderungen werde es in der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege aber nicht geben, berichtet Daniel Schreiber, Projektleiter des Neuordnungsverfahrens. Grundsätzlich sei es im Handwerk schwierig, Nachwuchs zu finden, sagt der Ausbildungsexperte. Nach Veronika Schierls Einschätzung aber halten sich beim Kirchenmaler die Anzahl der Bewerber und der Plätze in etwa die Waage. Mit 15 bis 20 neuen Ausbildungsverträgen pro Jahr ist die Fachrichtung eine Nische.

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