29. August 2019, 22:18 Uhr

Billige Arbeitskräfte?

29. August 2019, 22:18 Uhr
Die Unterhaltungselektronikbranche verzeichnete zuletzt teils kräftige Umsatzrückgänge. Mit Innovationen erhofft man sich neuen Schwung. (Foto: dpa)

Berlin/Nürnberg (dpa). »Obwohl minderjährig, arbeite ich teilweise zwölf Tage am Stück, drei Sonntage im Monat und auch an Feiertagen«, beschwert sich eine angehende Hotelfachfrau im Online-Forum »Dr. Azubi«. Eine andere Userin klagt über ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin, dass sie »viermal am Tag Kundentoiletten samt Kloschüssel und Pissoire putzen muss«. Die meisten Auszubildenden sind mit ihrer Lehrstelle »zufrieden« oder »sehr zufrieden« - doch im Ausbildungsreport, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Donnerstag veröffentlicht hat, liegt der Anteil der Zufriedenen erstmals unter der Marke von 70 Prozent. Vor zehn Jahren seien es noch 75,5 Prozent gewesen.

Dabei sehen die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt vorlegt, glänzend aus: Die Lehrherren in Deutschland bieten 556 000 Ausbildungsplätze an - 8000 mehr als vor einem Jahr. Nur 497 000 junge Leute gaben an, eine Lehrstelle zu suchen. Das sind 24 000 weniger als vor Beginn des vorigen Ausbildungsjahrs. Die Crux: Kaum jemand will Bäcker, Fleischer oder Klempner werden.

Dass bestimmte Ausbildungsberufe wenig begehrt sind, dürfte auch an den jeweiligen Arbeitsbedingungen liegen. Vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe hat da einen schlechten Ruf, der sich auch im DGB-Ausbildungsreport niederschlägt. Für ihre Studie hatte die Gewerkschaft mehr als 16 000 Lehrlinge aus den 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen befragt. 52 Prozent der Köche sowie 57 Prozent der Hotelfachleute gaben an, regelmäßig von Überstunden betroffen zu sein. Zudem musste fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren verbotenerweise mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten - vor einem Jahr war es nur jeder zehnte. »Die Auszubildenden dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden«, mahnte DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte.

Einen Schwerpunkt des DGB-Ausbildungsreports lag in diesem Jahr auf der Digitalisierung der Ausbildung. Auch hier scheint es erheblichen Nachholbedarf zu geben: Nach eigener Einschätzung werden lediglich 54 Prozent der Jugendlichen gezielt darauf vorbereitet, im Berufsalltag digitale Technologien zu nutzen.

Pernod verdient gut - Die Geschäfte des französischen Schnapsherstellers Pernod Ricard laufen dank einer hohen Nachfrage in China und Indien weiterhin glänzend. Nachdem der Gewinn im Geschäftsjahr 2018/19 so kräftig wie seit sieben Jahren nicht mehr geklettert ist, rechnet der Konzern mit einer ähnlich starken Fortsetzung. 2018/19 legte der operative Gewinn um knapp neun Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 9,2 Milliarden Euro.

Fielmann will expandieren - Die Optikerkette Fielmann will nach einem Gewinnplus im zweiten Quartal weiter expandieren. In den nächsten Jahren werde das Unternehmen die Märkte in vier weiteren Ländern erschließen, teilte Fielmann mit. Das Unternehmen verdiente im zweiten Quartal unter dem Strich 40,4 Millionen Euro, das waren 8,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz nahm bei einem unveränderten Brillenabsatz von 2,1 Millionen Stück um 6,9 Prozent auf 386,4 Millionen Euro zu.

Erntestart für den Hopfen - Beim Erntestart im weltweit größten Hopfenanbaugebiet Hallertau hat die deutsche Hopfenwirtschaft die zunehmenden Wetterextreme beklagt. Herausfordernd seien die immer häufiger auftretenden Hitze- und Trockenperioden einerseits und die Starkregenfälle andererseits, erklärte Peter Hintermeier, Vorsitzender des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbands. Die Landwirte rechneten mit einer größeren Erntemenge als noch im vergangenen Jahr.

E-Commerce für Douglas boomt - Der Online-Handel wird für Deutschlands größte Parfümeriekette Douglas immer wichtiger. In der Bundesrepublik stammen fast 30 Prozent der Umsätze aus den konzerneigenen Online-Shops douglas.de und Parfumdreams, wie das Unternehmen bei der Präsentation der Quartalszahlen am Donnerstag berichtete. Europaweit liegt der Online-Anteil bei knapp 17 Prozent. Insgesamt steigerte Douglas den Umsatz um 5,1 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. (dpa)

Cupertino (dpa). Apple wird allen unabhängigen Reparaturwerkstätten den Zugang zu Originalersatzteilen für sein iPhone öffnen. Das Programm startet zunächst in den USA und soll mit der Zeit auf andere Länder ausgeweitet werden, wie Apple am Donnerstag mitteilte. Die teilnehmenden Werkstätten können von Apple auch Spezialwerkzeug und Reparaturanleitungen bekommen. Voraussetzung ist, dass sie einen von Apple zertifizierten Techniker haben - die Größe des Reparaturbetriebs spielt dabei keine Rolle. Bei dem neuen Programm geht es nur um Reparaturen nach Ablauf der Garantiezeit.

Berlin (dpa). Die Technikmesse IFA will sich in Zeiten sinkender Umsätze in der Unterhaltungselektronik als Wachstums- und Innovationsmotor der Branche unter Beweis stellen. Sowohl das Gelände unter dem Funkturm, als auch die Station Berlin als Austragungsort des Fachbesucher-Treffs IFA Global Markets seien in der kommenden Woche vollständig belegt, teilten die Ausrichter am Donnerstag mit.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die IFA sind eher unfreundlich: Die Branche verzeichnete zuletzt weiter teils kräftige Umsatzrückgänge. Im ersten Halbjahr 2019 ging dem Hemix-Index zufolge der Umsatz mit klassischer Unterhaltungselektronik um 7,1 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zurück. Während der Absatz halbwegs stabil ist, leidet die Branche unter einem schnellen Preisverfall ihrer Produkte.

Zu den großen Trends in der Unterhaltungselektronik und bei Hausgeräten gehören in diesem Jahr künstliche Intelligenz (KI), etwa für die Sprachsteuerung, sowie der neue Mobilfunkstandard 5G. Auch TV-Geräte mit Displays in besonders hoher 8K-Auflösung sind die Aushängeschilder der Hersteller. Die IFA wolle Ausblicke auf Produkte und Technologien geben, »die künftig unseren Lebensstil beeinflussen werden«, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Branchengesellschaft und IFA-Veranstalterin gfu.

Gleichzeitig sei die IFA stets Treffpunkt aller Beteiligten im Markt, sagte Kamp. Dazu gehörten Industrie und Handel, Fachbesucher, Medien und das breite Publikum - »für die alle Produkte letztendlich entwickelt und produziert werden«. Anders als die CES in Las Vegas, die sich als reine Fachmesse versteht, hat die IFA stets an dem Konzept der Publikumsmesse festgehalten. Zudem erweiterten die Veranstalter das Produkt-Portfolio vor gut einem Jahrzehnt mit Elektro-Klein- und Großgeräten wie Waschmaschinen und Haartrockner. »Mit diesem Konzept, alles auf einer Messe zu vereinen, ist die IFA die weltweit bedeutendste Plattform ihrer Art«, sagte Kamp. Trotz der Umsatzrückgänge gehe die Branche in Summe mit einer positiv gestimmten Prognose ins zweite Halbjahr, sagte Kamp. Über alle Produktgruppen hinweg sehe es »nicht ganz so schlecht aus«.

Wie auch in den vergangenen Jahren gehört das smarte, vernetzte Zuhause zu den großen Themen auf der IFA. Sicherheit, Bequemlichkeit und Energieeffizienz seien die Impulse für die Konsumenten dabei, sagte Kamp. 79 Prozent waren sich demnach in einer Umfrage der gfu sicher, dass die intelligente Vernetzung von Hausgeräten ein bequemeres Leben ermögliche.

Dahinter werde künstliche Intelligenz weiter eine »kleine, stille Revolution« in der Unterhaltungselektronik und bei Hausgeräten wie Waschmaschinen und Trocknern auslösen, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker. »KI wird künftig in jedem Gerät drin sein, aber wir werden nicht darüber nachdenken, sondern es für selbstverständlich halten.« Bei den Lösungen für das Smart Home müsse die Branche es allerdings schaffen, ihre Produkte auch zu skalieren, also einen Massenmarkt zu adressieren, schätzt Roman Friedrich, Analyst der Boston Consulting Group.

Die Verbände der Elektrobranche wollen die IFA dazu nutzen, um dringend benötigten Nachwuchs zu werben. Unter dem Motto »Fit für die digitale Welt« wollen die Verbände VDE, ZVEH und ZVEI gemeinsam zum Beispiel auf der Messe zeigen, wie der Alltag durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz komfortabler und sicherer werden kann. Was heute schon möglich ist, soll in einem 100 Quadratmeter großen »House of Smart Living« demonstriert werden.

Die IFA öffnet für alle Besucher in diesem Jahr vom 6. bis zum 11. September in Berlin. Die IFA Global Market in der Station Berlin richtet sich speziell an Fachbesucher. Japan ist in diesem Jahr Partner für die IFA Next, ein Format speziell für technische Innovation. Ab Sonntag will Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) ihr Büro auf dem Messegelände aufschlagen und für Gespräche mit Besuchern und Branche zur Verfügung stehen.

Stuttgart (dpa). Der Autobauer Daimler bekommt beim Umbau des Konzerns in mehrere eigenständige AGs breite Rückendeckung aus der Belegschaft. Von mehr als 130 000 betroffenen Beschäftigten hätten deutlich weniger als 0,5 Prozent ihrem Übergang von der Daimler AG in eine der neuen Sparten widersprochen, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Die Aktionäre des Autobauers hatten die neue Struktur bei der Hauptversammlung im Mai beschlossen.

Demnach gibt es unter dem Dach der Daimler AG künftig eine Mercedes-Benz AG für das Pkw- und Van-Geschäft, eine Daimler Truck AG für Lastwagen und Busse und eine Daimler Mobility AG für Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen.

Wiesbaden (dpa). Die Entwicklung der Energiepreise hat die Inflation in Deutschland im August gedämpft. Die Jahresteuerungsrate lag bei 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand vorläufiger Daten mitteilte. In den Vormonaten Juni und Juli hatte die Rate noch 1,6 beziehungsweise 1,7 Prozent betragen. Dämpfend wirkten im August die Energiepreise, die nur noch um 0,6 Prozent stiegen. Deutlich mehr als im Vorjahresmonat mussten Verbraucher dagegen für Nahrungsmittel zahlen (plus 2,7 Prozent). Vor allem Gemüse wurde teurer, wie aus Daten der Statistischen Landesämter hervorgeht.

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