12. Juli 2017, 22:12 Uhr

Immer mehr ältere Arbeitnehmer Schärfere EU-Regeln für Bio-Reinigungsmittel PreussenElektra halbiert Belegschaft Küchenhersteller Alno insolvent Bahn erhält Zuschlag Metro-Konzern spaltet sich auf Schwarzarbeit: Razzien bei Sicherheitsfirmen

12. Juli 2017, 22:12 Uhr
Angesichts des Fachkräftemangels können es sich viele Firmen nicht leisten, auf ältere Mitarbeiter zu verzichten. (Foto: dpa)

Wiesbaden/Berlin (dpa). Mit 65 plus ist Schluss? Nicht immer: Die Zahl der Menschen, die auch jenseits des Rentenalters noch arbeiten, hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt – von 5 Prozent im Jahr 2006 auf 11 Prozent im Jahr 2016. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Hintergründe sind vielfältig.

? Was bedeuten die Zahlen über die älteren Erwerbstätigen genau?

Jeder Zehnte zwischen 65 und 74 arbeitet noch. Die Destatis-Zahlen basieren allerdings auf einer Definiton der International Labour Organization (ILO). Erwerbstätig ist demnach schon, wer nur eine Stunde pro Woche für Geld arbeitet. Erfasst werden also auch Minijobber, Selbstständige oder Ehrenamtler, wenn ihre Tätigkeit vergütet wird.

? Woher kommt der Trend, auch im Rentenalter zu arbeiten?

Viele Gründe liegen auf der Hand – die schrittweise Einführung der Rente mit 67, steigende Lebenserwartung und bessere Gesundheit. »Ältere sind noch leistungsfähig und wollen auch noch was tun. Es muss nur entsprechende finanzielle Anreize geben«, sagt Hilmar Schneider, Chef am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Früher sei das Gegenteil der Fall gewesen – da habe der Staat 55- bis 64-Jährige eher Richtung Vorruhestand gedrängt. Erst mit der Arbeitsmarktreform 2005 sei damit Schluss gewesen, sagt Schneider.

? Welche Vorteile haben Unternehmen bei der Anstellung?

»Ältere Arbeitnehmer haben ein riesiges Erfahrungswissen, das so schnell nicht zu ersetzen ist«, sagt Rudolf Kast, Chef des Demografie-Netzwerks und der Botschafter der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Angesichts des Fachkräftemangels könnten es sich viele Firmen nicht leisten, auf ältere Mitarbeiter zu verzichten. Das zeigt auch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Firmen bemühen sich demnach vor allem um ältere Mitarbeiter, wenn es in ihrer Branche einen Mangel an Fachkräften gibt – im verarbeitenden Gewerbe etwa oder im Maschinenbau.

? Was tun Unternehmen, um Ältere zum Bleiben zu überreden?

Laut IAB setzen die Unternehmen vor allem auf flexible Arbeitszeitmodelle und generell kürzere Arbeitszeiten – und haben damit großen Erfolg. Wichtig seien darüber hinaus Bildungsangebote, sagt Jürgen Deller. Denn vielen älteren Arbeitnehmern gehe es auch darum, noch nicht zum alten Eisen zu gehören. »Da gibt es ja diverse Möglichkeiten, Fortbildungen oder Tandems mit jüngeren Mitarbeitern zum Beispiel.«

? Wird der Trend zum Weiterarbeiten anhalten?

Gut möglich. Denn jetzt gehen die Babyboomer in Rente – und die sind nicht nur mehr, sie sind oft auch besser qualifiziert als ältere Generationen. »Sie haben dann interessante Jobs und sind oft relativ gesund«, sagt Deller. »Dann bleiben die natürlich auch häufiger im Beruf.«

Brüssel (dpa). Bio-Reinigungsmittel müssen in der Europäischen Union künftig strengere Auflagen erfüllen. Produkte, die das EU-Umweltzeichen mit der grün-blauen Blume auf der Packung tragen, dürfen keine kleinen Plastikpartikel mehr enthalten. Auch bestimmte für Mensch und Umwelt schädliche Chemikalien werden verboten. Die neuen Vorgaben gelten ab diesem Mittwoch. Etwa 40 000 Produkte tragen bislang das EU-Umweltzeichen. Die Unternehmen haben nun bis zu 18 Monate Zeit, um die neuen Vorgaben zu erfüllen. Sie sehen unter anderem auch ein Verbot schädlicher Duftstoffe vor.

Düsseldorf (dpa). Vor dem Hintergrund des Rückbaus von Kernkraftwerken will EONs Atomtochter PreussenElektra die Belegschaft mindestens halbieren. Geplant sei die Streichung von mindestens 1000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2026, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Zum Jahresende sei auch ein Ausstieg aus der Tarifgemeinschaft Energie (TGE) geplant.

Pfullendorf (dpa). Nach jahrelangem Kampf gegen die finanzielle Misere geht der schwäbische Küchenhersteller Alno in die Insolvenz. Das börsennotierte Unternehmen aus Pfullendorf wollte am Mittwoch einen entsprechenden Antrag einreichen, um sich in Eigenregie sanieren zu können. Der Vorstand habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil in Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Gläubigern »zuletzt keine Einigung erzielt werden konnte«, hieß es in einer Mitteilung.

Großaktionär Tahoe, der erst seit Jahresbeginn das Sagen bei der Alno AG hat, stützt den Kurs und sieht den Sanierungsplan als Chance. Die IG Metall hingegen warf dem Management schwere Fehler vor.

Seit dem Börsengang 1995 hat Alno bis auf wenige Ausnahmen jedes Jahr Verluste gemacht. 28,5 Millionen Euro vor Steuern waren es im ersten Halbjahr 2016. Eine Bilanz für das Gesamtjahr hat das Unternehmen bisher nicht vorgelegt, dreimal wurde der Termin zur Veröffentlichung verschoben. Der Umsatz in den ersten fünf Monaten 2017 fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent.

Die Alno-Aktien brachen bis zum Mittwochnachmittag um mehr als 50 Prozent auf knapp 0,14 Cent ein und kosteten damit so wenig wie noch nie. 2018 wird eine Mittelstandsleihe in Höhe von 45 Millionen Euro fällig, die Alno ausgegeben hat – unter anderem auch an viele Kleinanleger. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) rechnet damit, dass sie durch die Insolvenz auch Geld verlieren werden. Es sei zu erwarten, dass von den Anleihegläubigern ein Beitrag zur finanziellen Sanierung der Gesellschaft abverlangt werde, hieß es. Der Geschäftsbetrieb der Kernmarke und der Tochterfirmen laufe vorerst unverändert weiter.

Berlin (dpa). Die Deutsche Bahn hat für 15 weitere Jahre den Auftrag für den regionalen Schienenverkehr in den nördlichen Niederlanden erhalten. Zu dem Netz gehören auch grenzüberschreitende Züge nach Niedersachsen – von Groningen nach Leer in Ostfriesland. Die Bahntochter DB Arriva bekam in einer Ausschreibung den Zuschlag für den Vertrag im Wert von 1,6 Milliarden Euro.

Düsseldorf (dpa). Ende einer Ära: Deutschlands einst größter Handelskonzern Metro ist nach mehr als 20 Jahren wieder zerschlagen worden. Das Amtsgericht Düsseldorf trug am Mittwoch die Aufspaltung des Handelsriesen in ein Lebensmittelunternehmen (Metro-Großmärkte, Real) und eine Elektronikkette (Media Markt, Saturn) ins Handelsregister ein, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Bereits an diesem Donnerstag sollen die Aktien der beiden nun voneinander unabhängigen Unternehmen an die Börse gehen.

Dresden (dpa). Fahnder sind mit einer Razzia in sieben Bundesländern gegen Schwarzarbeit bei Sicherheitsfirmen vorgegangen. Mehr als 450 Ermittler des Zolls und der Steuerfahndung durchsuchten am Mittwoch 48 Wohnungen und Geschäftsräume in Sachsen, Thüringen, Berlin, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Baden-Württemberg und Hessen. Der Schwerpunkt der Ermittlungen liege in Zwickau, erklärte Oliver Möller, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden. Dort wurden zwei 39 Jahre alte Männer festgenommen.

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