18. April 2017, 21:30 Uhr

Jobsharing – hip, aber selten

Zwei Mitarbeiter, die eine Stelle gemeinsam so ausfüllen, als wären sie verschmolzen: Das ist das Prinzip von Jobsharing. Arbeitnehmer reduzieren so ihre Stunden, Arbeitgeber nutzen die Talente von zwei Fachkräften. Dennoch gibt es das Modell selten – und das hat Gründe.
18. April 2017, 21:30 Uhr
Zwei Mitarbeiter, die gemeinsam eine Stelle so ausfüllen, als wären sie verschmolzen: Das ist das Prinzip von Jobsharing. (Foto: dpa)

Die Stellenanzeige klingt verlockend: Eine exponierte Führungsposition samt Personalverantwortung, die man sich mit einem zuverlässigen Partner teilt. In jeglicher Hinsicht teilt: Bei der Stundenzahl, beim Gehalt, den Entscheidungen und den Aufgaben. Nicht nur beim Pharmakonzern Novartis hofft man, auf diese Weise erfolgreiche Mitarbeiter halten zu können, die etwa nach einer Elternzeit weniger arbeiten wollen, ohne ihre Führungsposition aufgeben zu müssen. Jobsharing heißt das Modell, das in Personalabteilungen gerade in aller Munde ist. Allein: Es kommt extrem selten zur Anwendung.

Auf den Kongressen der Personaler ist das Thema hip. »Am Anfang mussten wir viel Aufklärung und Informationsarbeit leisten«, schildert Jana Tepe von der Vermittlungsplattform Tandemploy. »Jetzt merken wir, wie sich der Markt total öffnet dafür.« Als Grund nennt sie die wachsende Nachfrage nach flexiblen Arbeitsmodellen.

Im Gegensatz zur Teilzeitquote von nur neun Prozent seien etwa ein Drittel der Jobsharing-Interessenten Männer, berichtet Tepe. »Es sind vor allem Führungspositionen und komplexe Aufgaben, IT-Jobs, Marketing, Beratung – also vor allem Stellen, die bisher als typische Vollzeitjobs gegolten haben, bei denen der Chef die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn man sagt, dass man reduzieren möchte.«

Sie zählt auch die Vorteile aus Unternehmenssicht auf: Eine höhere Produktivität, extrem hohe Eigenmotivation, bei Abwesenheit gibt es keinen Entscheidungsstillstand. Und: Zusammen könnten zwei Bewerber mit unterschiedlichen Talenten tatsächlich die »eierlegende Wollmilchsau« sein, die in Stellenanzeigen gerne gesucht werde.

Joanna Kolb von Novartis ergänzt weitere Vorzüge: »Wenn sich der eine morgen entschließt, das Unternehmen zu verlassen, habe ich keinen Wissensverlust. Außerdem bekomme ich eine optimale Auslastung, umgedreht aber auch Entlastung, wenn etwa jemand krankheitsbedingt ausfällt oder jemanden pflegen muss.« Aus eigener Erfahrung fügt sie noch an: »Und man hat zwei Hirne – man tauscht sich aus und findet gemeinsame Ideen.«

Kolb ist die Personalerin, die für Novartis die eingangs skizzierte Stelle besetzen sollte. Allerdings ohne Erfolg: »Bei Führungspositionen haben wir noch keinen idealen Partner gefunden, der auch persönlich gepasst hat. Ein Tandem funktioniert nicht, wenn man zu unterschiedlich ist. Man kann unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, das ist sogar sehr gut, aber ein gleiches Grundverständnis und den gleichen Anspruch an seine Arbeitsleistung muss man haben.«

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