20. April 2018, 22:04 Uhr

Kritik der Gewerkschaft

20. April 2018, 22:04 Uhr
Die IG Metall ist mit den bisherigen Produktionsversprechen für die deutschen Opel-Mitarbeiter noch nicht zufrieden. (Foto: dpa)

Frankfurt/Rüsselsheim (dpa). Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber ist erbost über den französischen PSA-Konzern: »Das ist eine Erpressung, die hier läuft«, sagt der Gewerkschafter, der bei den bislang ergebnislosen Sanierungsverhandlungen für die deutschen Opel-Werke auf der Arbeitnehmerseite die Fäden führt. Tausende Arbeitsplätze stehen in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern auf der Kippe, weil ein halbes Jahr nach Vorstellung des Sanierungsplans »Pace« immer noch unklar geblieben ist, wo und mit wie vielen Leuten Opel künftig welche Autos bauen will.

Am Freitag erklärte die IG Metall in Frankfurt noch einmal, warum sie erste Produktionsversprechen ausgeschlagen hat. Für die Sicherung von höchstens 1800 Arbeitsplätzen hätten die Franzosen den Verzicht auf Lohnerhöhungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld von fast 20 000 Beschäftigten verlangt, ohne eine klare und auf Zahlen basierte Zukunftsperspektive für das Unternehmen zu belegen. Eine solche Aufweichung des Flächentarifs wollte die Gewerkschaft nicht dulden. »Es liegt uns kein zukunftsfähiges Angebot vor. Das ist Fakt«, schimpft IG-Metall-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Beispiel Eisenach: Opel hat laut Huber vorgeschlagen, an das Werk einzig den Geländewagen »Grandland« als neues Modell in einer Stückzahl zu vergeben, die noch nicht einmal die Hälfte der Kapazität ausgefüllt hätte. In der Konsequenz sollte ungefähr die Hälfte der noch 1800 Beschäftigten gehen, zurück bleibe ein kostenmäßig niemals konkurrenzfähiges Werk im Einschichtbetrieb. »Das Angebot wäre der Tod auf Raten für Eisenach«, befindet Huber. Am kommenden Dienstag will die IG Metall bei einer Betriebsversammlung in Thüringen Geschlossenheit zeigen.

4000 gehen

Opel-Chef Michel Lohscheller beharrt darauf, mit seinen Angeboten die Zusagen des alten Eigentümers General Motors sogar zu übertreffen. Längst findet beim einstigen deutschen Auto-Marktführer aber eine Abstimmung mit den Füßen statt. Der Personalabbau läuft schneller, als es den Arbeitnehmervertretern lieb ist. Nach Berechnungen Schäfer-Klugs ist bereits sicher, dass mehr als 4000 Beschäftigte das Unternehmen bis zum Jahr 2020 früher verlassen werden. Damit würden die ursprünglich geäußerten Forderungen des neuen Mutterkonzerns, der angeblich rund 3700 Leute vorzeitig loswerden wollte, übertroffen.

Opel lockt mit Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand und sorgt sich offenbar wenig darum, dass Leute mit Schlüsselqualifikationen das Unternehmen verlassen. Allein den Vorruhestand hätten bereits mehr als 2500 Beschäftigte gewählt. »Es stellt sich langsam die Frage, was mit der Arbeit passiert, wenn keiner mehr da ist«, sagt der Betriebsratschef. Nach seinem Eindruck und internen Vorgaben zu den Personalkosten wolle PSA die anstehende Sanierung vor allem mit Abbaumaßnahmen in den deutschen Werken erreichen. Die Metaller deuteten an, einen Abbau von 450 Jobs in Eisenach und rund 1200 Ingenieuren am Stammsitz Rüsselsheim zu akzeptieren.

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