27. Februar 2018, 22:07 Uhr

Sanierung von Opel stockt

27. Februar 2018, 22:07 Uhr
Wie geht es mit dem Autobauer nach der Übernahme weiter? (Foto: dpa)

Rüsselsheim (dpa). Wie viel bleibt von Opel nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern übrig? Unmittelbar vor der PSA-Bilanz morgen in Paris und dem Genfer Autosalon steht die Antwort auf diese Frage noch aus. Während der neue Opel-Chef Michael Lohscheller in einigen Werken in Europa erste Sanierungsschritte vorweisen kann, stocken in Deutschland die Gespräche mit Betriebsrat und IG Metall. Von einem »Clash der Kulturen« zwischen deutscher Mitbestimmungstradition und zentralistischer Konzernführung französischer Prägung ist die Rede, die Sanierung der Marke kommt sieben Monate nach der Übernahme nur schleppend voran.

Fortschritte kann der frühere Finanzchef Lohscheller bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall und in Spanien zeigen: Im schlecht ausgelasteten Astra-Werk Ellesmere Port müssen über 600 Leute gehen und für das größte europäische Werk in Saragossa wurden Einschnitte in der Kostenstruktur vereinbart, um den neuesten Corsa zu bauen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren verzichten die spanischen Arbeiter auf größere Lohnsteigerungen, arbeiten flexibel und verlieren einen Teil ihrer Zuschläge.

Die von PSA-Chef Carlos Tavares vorgegebene Linie ist klar: Investiert wird nur dort, wo die Kosten auf ein im Konzern vergleichbares Maß sinken. »Der Status quo ist keine Option« lautet das von Tavares eingeführte und nun in Rüsselsheim oft wiederholte Opel-Mantra. Die Arbeitskosten müssen runter und die Erlöse pro Fahrzeug rauf. Erreicht werden soll all das ohne Entlassungen und Werkschließungen.

Am Stammsitz Rüsselsheim sind die Sanierer noch längst nicht so weit. Kurzfristig gehen die Leute in Kurzarbeit, die Älteren prüfen Angebote zu Altersteilzeit und Vorruhestand. Zahlen zur Wirksamkeit dieser Instrumente werden nicht genannt. Auch um wie viele Köpfe die Belegschaft mit 38 000 Menschen schrumpfen soll, ist noch nicht klar. Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug pocht auf gültige Tarifverträge der IG Metall, die PSA übernommen hat und in denen die Belegschaft bereits bis zum Jahr 2020 fast 270 Millionen Euro Einsparzusagen abgegeben habe. »Der einzige, der nicht geliefert hat, ist das Unternehmen. Das Management muss endlich einen Plan bringen.«

Doch mitten im Verhandlungsprozess verlässt der Opel-Arbeitsdirektor Ulrich Schumacher den Autohersteller aus persönlichen Gründen, wie gestern bekannt wurde. Ein Nachfolger des Geschäftsführers Personal werde schnellstmöglich benannt, heißt es.

Eine entscheidende Frage ist, welche Aufgaben die Ingenieure in Rüsselsheim für den Gesamtkonzern übernehmen. Sollten sie darauf beschränkt werden, die PSA-Basismodelle nur ein wenig auf deutschen Stil umzumodeln, stehen Tausende Jobs vor dem Aus.

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